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Feuerwehr-Serie, 29. Oktober 2016

Messzug des Kreises: Spezialisten spüren Schadstoffe auf

Rantasten, messen, warnen

Zugführer Dirk Meiworm ist der Herr über den mit Technik beladenen Erkundungskraftwagen des Landes.
Zugführer Dirk Meiworm ist der Herr über den mit Technik beladenen Erkundungskraftwagen des Landes.
Foto: Volker Lübke
Olpe. Brand in einer Galvanik, ein Leck in der Anlage eines Chemiebetriebes, Unfall auf der Sauerlandlinie unter Beteiligung eines Gefahrguttransporters: Das alles sind Szenarien, bei denen nicht einfach die Feuerwehr anrollt und löscht. Hier sind Spezialisten gefragt, die die Lage sondieren.
Dirk Meiworm, stellvertretender Wehrleiter in Olpe, führt so eine Truppe. Der Messzug des Kreises rückt immer dann aus, wenn Schadstoffe vermutet werden. Beispielsweise bei Großbränden oder auch Gewässerverunreinigungen, etwa in der Bigge. „Wir liefern den Nachweis über den vermuteten Stoff und lokalisieren ihn“, erklärt Meiworm: „Im besten Fall können wir den Stoff genau identifizieren.“ Feinste Technik aus der Landeskasse Das Equipment dafür hat es in sich. Im Olper Gerätehaus an der Grubenstraße 1 steht der Erkundungskraftwagen NRW. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich ein Lkw, der vollgestopft ist mit feinster Technik. Eine runde Viertelmillion Euro hat das Land dafür investiert.
Fahrzeuge und Container voller High-Tech sind notwendig, um den Gefahrstoffen auf die Spur zu kommen.
Feststoffe werden als Probe genommen, gasförmige Stoffe werden direkt beprobt, erklärt der Zugführer – und ergänzt: „Flüssige Stoffe gasen ja aus.“ Insgesamt 25 Kameraden der Feuerwehr Olpe haben die notwendige ABC-Sonderausbildung zum Umgang mit atomaren, biologischen und chemischen Stoffen absolviert. „Die Menge macht das Gift“Der Messzug fährt das Einsatzgebiet von außen an – ohne Atemschutz und Schutzkleidung. Meiworm: „Wir tasten uns ran und legen zunächst Absperrgrenzen fest.“ Danach, je nach Stoff und Grenzwert, geht eine Warnung an die Bevölkerung heraus. Dafür müssen die Feuerwehrleute natürlich wissen, wie hoch die Konzentration eines Giftstoffes zum Beispiel innerhalb von vier Stunden sein darf. „Die Menge macht das Gift“, weiß Dirk Meiworm, „das ist wie beim Tanken, wo ja bekanntlich Benzol ausgast.“ „Dafür muss man schon ein Faible haben“ „Unsere Hauptaufgabe ist es, die enorme Datenflut bei Gefahrstoffunfällen zu sondieren und den relevanten Stellen Informationen zur Verfügung zu stellen“, sagt Meiworm. Relevant sind in solchen Fällen nicht nur die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort, sondern auch Wasserbehörden, Ordnungsämter, Kreis und Bezirksregierung. Letztere koordiniert übrigens die überörtlichen Einsätze des Landesfahrzeugs. Der Olper Messzug arbeitet dabei mit den Kollegen im südlichen Regierungsbezirk Arnsberg, den Feuerwehren Hagen, MK, HSK, EN und Siegen zusammen.

Für die Beseitigung der Schadstoffe in der Luft, im Wasser oder am bzw. im Boden sind dann andere Spezialkräfte zuständig. Die entsprechenden ABC-Züge Bigge und Lenne im Kreisgebiet werden mit- oder auch nachalarmiert. „Unser Job ist in erster Linie PC-Arbeit und ganz viel Theorie, weiß der Zugführer: „Da muss man schon ein Faible für haben.“ Radioaktivität schon bei der Anfahrt im Blick Die Stoffnachweise werden elektronisch festgehalten und der Einsatzleitung in Form von Karte und Infomaterial zur Verfügung gestellt. Kurzzeitige Messungen erfolgen über Prüfröhrchen. „Die Anlage kann permanent messen und die Daten auf den Computer übertragen“, erklärt Meiworm. Mit einem Typmessgerät können die Kameraden vorgegebene (vermutete) Stoffe lokalisieren. Parallel läuft ein Gerät, das bis zu 18 verschiedene Stoffe eigenständig misst. Vollautomatisch führt die Anlage an Bord des EKW radiologische Messungen während des gesamten Einsatzes durch.

Schon während der Anfahrt ist also die radioaktive Belastung der Luft bekannt. Ein weiteres Messgerät, der IdentiFinder, erkennt dann die Nuklide wie zum Beispiel Cäsium 32. Die Männer und Frauen an Bord des Messzuges wissen dann, wie lange es dauert, bis der Stoff zerfällt. Das können wenige Minuten oder auch tausende von Jahren sein.
Ein Artikel von Volker Lübke

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