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Feuerwehr-Serie, 24. Oktober 2016

Olper Löschzug ist der älteste im Kreis / Feuerwehrgeschichte zum Anfassen

Im stetigen Wandel

Zwei alte Autos, ein Tanklöschfahrzeug von Mercedes aus den 1960er Jahren und ein sechs Jahrzehnte alter Schlauchwagen von Magirus, sind die „Stars“ im Fundus des Oldtimer-Vereins.
Zwei alte Autos, ein Tanklöschfahrzeug von Mercedes aus den 1960er Jahren und ein sechs Jahrzehnte alter Schlauchwagen von Magirus, sind die „Stars“ im Fundus des Oldtimer-Vereins.
Foto: Rüdiger Kahlke
Olpe. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren es Turner, die sich in Olpe für den Aufbau einer organisierten Feuerwehr aussprachen. Seitdem haben sich Anforderungen, Aufgaben und Ausrüstung von Brandbekämpfern in der Kreisstadt stetig weiter entwickelt. Diesen Prozess haben Hans-Peter Bröcher und Gerhard Kirchhoff über Jahrzehnte begleitet. Ein Besuch bei zwei Bewahrern der Geschichte der ältesten Feuerwehr im Kreis.
Im Flur steht eine alte Tragpumpe. In Vitrinen liegen Signalhörner, alte Helme, Mützen, ein Funkgerät aus den 1970er Jahren. Geschichte zum Anfassen. Ein Stockwerk höher steht ein Schrank im Archivraum, randvoll mit Dia-Magazinen. Eindrücke aus Olpes Feuerwehr-Historie. „Die Fahrzeuge kann ich Ihnen leider nicht zeigen“, sagt Hans-Peter Bröcher. Die stehen gerade in der Werkstatt. Bröcher ist Vorsitzender des Oldtimer-Vereins der Feuerwehr – und Hüter ihrer 136-jährigen Geschichte.
Hans-Peter Bröcher (links) und Gerhard Kirchhoff mit historischen Arbeitsgerät der Feuerwehr.
Zwei alte Autos, ein Tanklöschfahrzeug von Mercedes aus den 1960er Jahren und ein sechs Jahrzehnte alter Schlauchwagen von Magirus, sind die „Stars“ im Fundus des Oldtimer-Vereins. Auf dem Tisch vor Bröcher und seinem Kollegen Gerhard Kirchhoff liegen zwei Chroniken und ein schon etwas vergilbter Band, der die Geschichte der Feuerwehren im Kreis nachzeichnet. „Es ist schwierig, was aus den Anfängen zu bekommen“, sagt Bröcher, „durch den Krieg ist vieles verloren gegangen.“ Und beim Neubau des Gerätehauses achtete er beim Umzug mit darauf, dass Dokumente aus dem alten Gerätehaus eben nicht verloren gingen. Turnverein als Geburtshelfer Die beiden Feuerwehr-Senioren, inzwischen Mitglieder der Ehrenabteilung, haben selbst noch Umbrüche erlebt. „In Reichweite standen nebeneinander Männer, die von der Wasserstelle bis zum Brandherd die gefüllten Ledereimer weitergaben. In einer zweiten Reihe reichten anschließend Frauen und Kinder die leeren Eimer zurück“, beschreibt die Chronik Löscheinsätze im ausgehenden 19. Jahrhundert. Löschen war Sache der Bürger. „Das Stadtgebiet war in neun Rotten eingeteilt, die jeweils ein Rottenmeister anführt. Ihre Hauptaufgabe ist die Brandbekämpfung“, heißt es in der Chronik mit Verweis auf das Jahr 1817.
Erst eine Generation später, 1880, erkennt der Olper Turnverein die Notwendigkeit einer organisierten Feuerwehr und macht Vorschläge zu deren Aufbau. Am 10. März 1880 beschließt die Stadtverordneten-Versammlung, das Angebot des Turnvereins anzunehmen und bewilligt 200 Mark zur Anschaffung von Löschgeräten. Das war die Geburtsstunde der Olper Feuerwehr. In einem „Grundgesetz zur freiwilligen Turner-Feuer-Wehr zu Olpe“ werden Rechte, Pflichten und Regularien für die neue Feuerwehr festgelegt. Ausrüstung besser, aber auch schwerer  „Ausbildung und Anforderungen haben sich drastisch geändert“, bilanzieren Bröcher und Kirchhoff. Selbst haben sie die Einführung von Atemschutzgeräten in den 1970er Jahren miterlebt. Ledereimer und Handpumpen wurden durch computergesteuerte Kreiselpumpen auf den Fahrzeugen abgelöst, listet Bröcher auf. Baumwoll-Anzüge sind längst einer Schutzkleidung gewichen, die den Einsatzkräften „Sicherheit bietet, wenn sie durchs Feuer laufen“, sagt Kirchhoff. Überhaupt die Ausrüstung: Die sei deutlich besser, aber auch schwerer geworden.
Gerhard Kirchhoff erinnert sich noch an einen Einsatz bei der Firma Kemper. Aus einem Tanklastzug trat Stickstoff aus. Der kühle Nebel waberte über den Boden. Die Einsatzkräfte suchten nach dem Fahrer, der verschollen war. Kirchhoff klagte über die kalten Füße, die er sich dann in der Sonne hinter der Scheibe des Löschwagens aufwärmte. Es half nichts: Er hatte sich durch den Stickstoff und die leichten Stiefel Erfrierungen zweiten Grades zugezogen. Das Risiko für die Einsatzkräfte sei nach wie vor hoch, aber die Ausrüstung halte manches ab. „17 bis 18 Kilo zusätzlich“, sagt Hans-Peter Bröcher mit Blick auf heutige Einsatzkleidung. „Die körperlichen Voraussetzungen sind heute höher anzusetzen.“ Da müsse man schon fit sein. Ehrenamtliche Spezialisten Dass heute eine zentrale Leitstelle die Einsätze koordiniert, ist auch ein historischer Schritt, den beide noch miterlebt haben. Bei einem großen Waldbrand in Niedersachen Ende der 1960-er Jahre habe man festgestellt, dass es kein koordiniertes Eingreifen der Feuerwehren gab. In der Folge wurden die Leitstellen eingerichtet. Sie entscheiden jetzt, ob, wo und wie weitere Kräfte alarmiert werden müssen, und stellen sicher, dass die eine Einheit weiß, was die andere tut. Löschen ist inzwischen nur noch eine Aufgabe der Feuerwehren. Rettung, Bergung, technische Hilfeleistung, Umweltschutz sind hinzugekommen, etwa wenn bei Unfällen auslaufende Betriebsstoffe aufgefangen werden müssen. Aus den Turnern, die sich einst der Aufgabe angenommen hatten, ist eine spezialisierte und hochprofessionelle Organisation geworden. Geblieben ist das Prinzip der Freiwilligkeit, des Engagements für die Gemeinschaft - und das Risiko. Trotz moderner Technik, trotz Aus- und Weiterbildung.
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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