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Feuerwehr-Serie, 17. November 2016

Mubea leistet sich in Attendorn eine eigene Einsatztruppe - und unterstützt damit die Stadt

Der Traum eines jeden Stadtbrand-Inspektors

Raimund Köhler (links) und Erich Steinberg leiten die Betriebsfeuerwehr bei Mubea in Attendorn.
Raimund Köhler (links) und Erich Steinberg leiten die Betriebsfeuerwehr bei Mubea in Attendorn.
Foto: Volker Lübke
Attendorn. Raimund Köhler ist Werkzeugmacher. Und Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Sein Compagnon an der Spitze der 9. Löschgruppe der Feuerwehr Attendorn tickt genauso. Erich Steinberg arbeitet seit 41 Jahren bei Mubea in Attendorn – zunächst als Industriemechaniker, inzwischen in der Ausbildung. Die beiden leiten die Betriebsfeuerwehr des Unternehmens – eine Einrichtung, die im Kreis ihresgleichen sucht.

Und die man sonst nur in Finnentrop findet. Neben Muhr und Bender leistet sich nur noch die Firma Thyssen eine eigene Werksfeuerwehr. „1925 ist der ganze Betrieb abgebrannt“, weiß Erich Steinberg. Daraus hat man gelernt. Die Betriebsfeuerwehr hat im Juni ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Mubea gibt es seit 100 Jahren.
Im Juni feierte Mubea das 75-jährige Bestehen der Betriebsfeuerwehr.
„Wir kümmern uns in erster Linie natürlich um den Schutz des Werkes“, erklärt Raimund Köhler. Er leitet die Truppe zusammen mit seinem Stellvertreter Erich Steinberg seit knapp einem Vierteljahrhundert. Der Grund für die Einrichtung einer eigenen Feuerwehr liegt bei Mubea natürlich in der Produktion. Hier wird mit Lacken, Holz und Kunststoff gearbeitet; dabei kommen unter anderem Wasserstoff und Methanol zum Einsatz. Das könne zu üblen Ernstfällen führen, so Steinberg. 4 Fahrzeuge -
29 Einsatzkräfte
Die Ausrüstung der werksinternen Truppe ist dementsprechend ausgelegt. Vier Fahrzeuge stehen im Gerätehaus bereit. 29 Feuerwehrleute plus sechs Rettungssanitäter bilden den Löschzug. Allein etwa 1300 Euro hängen in jedem einzelnen Spind – ein Traum für jeden Stadtbrandinspektor“, sagt Köhler: „Der Chef weiß, was er an der Feuerwehr hat, und unterstützt uns nach Kräften.“

Aber nicht nur mit Material und Ausrüstung. Jeden zweiten Montag treffen sich die Kameraden zur Übung, die zweieinhalb Stunden dauert und während der normalen Arbeitszeit stattfindet. Wer Spätdienst hat, kommt entsprechend früher und wird auch dafür bezahlt.
Das Unternehmen sorgt für die gute Ausrüstung seiner Feuerwehrleute.
Allein der Schulungsraum der Betriebsfeuerwehr ist so gut ausgestattet, dass der Betriebsrat und andere Bereiche des Unternehmens ihn mitnutzen. Im Februar 2017 soll die Mubea-Feuerwehr Teil des Ausbildungskonzepts im Unternehmen werden, freut sich Erich Steinberg. „Für uns lautete die Frage: Wie kriegen wir junge Leute in die Feuerwehr?“, erklärt Raimund Köhler. Im 1. und 2. Lehrjahr sollen demnächst die Auszubildenden auch etwas über Brandschutz, Arbeitssicherheit und Feuerwehr in Theorie und Praxis lernen. „Wir hoffen natürlich, dass die dabei Feuer fangen“, sagt Erich Steinberg. Er ist ja als Ausbilder das Bindeglied zwischen Lehrlingen und Feuerwehr. „Wer sich für die Truppe entscheidet, bekommt eine Extra-Ausbildung im 3. Lehrjahr, ähnlich wie bei der Jugendfeuerwehr."

Steinberg ist recht optimistisch, dass das Angebot Anklang findet: „Schließlich werden bei der Abschlussprüfung zum Werkzeugmacher oder Zerspanungsmechaniker auch Fragen zu Arbeitssicherheit und Brandschutz gestellt.“ – „Wir hoffen, dass dadurch alle drei Jahre ein paar Neue dazukommen“, sagt Raimund Köhler. „Die Älteren scheiden ja spätestens mit dem Rentenalter aus." "Wir kennen uns im Betrieb bestens aus" Der Vorteil, den eine eigene Feuerwehr für das Unternehmen bringt, liegt auf der Hand. „Wir kennen uns bestens aus“, sagt Raimund Köhler. „Wir wissen auch über spezielle Dinge im Betrieb Bescheid und können entsprechend reagieren.“ Und wenn die Kollegen von der Feuerwehr der Stadt Attendorn zur Hilfe gerufen werden, sind Köhler, Steinberg und ihre Truppe längst am Einsatzort.

„Die Kollegen haben die Information ,Tor 3‘“, erklärt Steinberg: „Wir sind dann schon da und stellen Kräfte ab, die die Kameraden einweisen.“ Schließlich ist das Betriebsgelände der Firma Mubea groß und für Außenstehende eher unübersichtlich. Rund 1500 Mitarbeiter zählt Mubea allein in Attendorn. Auch sie sind durch die Betriebsfeuerwehr mit ihren Rettungssanitätern geschützt. Teil der Feuerwehr der Stadt Attendorn Apropos 9. Löschgruppe: Die Betriebsfeuerwehr ist Teil der Feuerwehr der Stadt Attendorn und dabei keineswegs das fünfte Rad am Wagen. Vielmehr steht ein städtisches Tanklöschfahrzeug (TLF) bei Mubea im Gerätehaus an der Kölner Straße. „Unsere Kameraden sind allesamt Mitglieder der Feuerwehr der Stadt Attendorn“, so Köhler. Seine Truppe gilt als nach dem Gesetz als voll anerkannte Feuerwehr, die somit auch in das städtische Alarmierungssystem integriert ist.
Stichwort: Tagesverfügbarkeit
  • „Die Stadt Attendorn hat erkannt, dass tagsüber relativ wenig Feuerwehrleute im Stadtgebiet verfügbar sind“, berichtet Erich Steinberg. „Und man stellte fest: bei Mubea sind ja noch Einsatzkräfte.“
  • An rund 20 Einsätzen außerhalb des Werksgeländes ist die Mubea-Feuerwehr pro Jahr beteiligt. Vom Fehlalarm bis zum Großbrand war alles schon dabei.
  • Seit dem 1. Juli 2015 ist die Betriebsfeuerwehr Mubea offiziell für die Tagwache in der Hansestadt zuständig. Aus organisatorischen und versicherungstechnischen Gründen sind deshalb die Mubea-Feuerwehrleute gleichzeitig Mitglieder der Feuerwehr Attendorn. Der Grund für die Integration in die städtische Wehr liegt auf der Hand: Eine Löschgruppe muss mit einem Fahrzeug und neun Leuten spätestens acht Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein. Das sieht das Gesetz so vor.
  • Zuletzt waren nicht mehr ausreichend Feuerwehrleute tagsüber im Stadtgebiet verteilt, um die Einsatzbereitschaft sicherstellen zu können. Die Bezirksgegierung drohte Attendorn bereits mit einer hauptamtlich besetzten Feuerwache – eine teure Angelegenheit. Die Mubea-Truppe war quasi die Rettung – ein Glücksfall für die Stadt und ihre Feuerwehr.
  • Inzwischen hat die 9. Löschgruppe der Feuerwehr Attendorn 25 Einsätze bei der Tagwache gefahren.
Die Mitglieder der Betriebsfeuerwehr durchlaufen alle offiziellen Lehrgänge bis zum Truppführer auf Stadt- und Kreisebene. Führungskräfte werden am Institut der Feuerwehr in Münster weiter ausgebildet. So rückte die Mubea-Truppe bei einigen Großbränden im Stadtgebiet aus. „Ob bei Muhr und Söhne 1998 oder Ansa im Jahr 2002 – wir sind immer mit dabei“, sagt Erich Steinberg.
Die Truppe verfügt über ein eigenes Alarmierungssystem.
Bei Einsätzen auf dem Werksgelände ist die Betriebsfeuerwehr ohnehin klar im Vorteil. Ein eigenes Alarmierungssystem sorgt dafür, dass die Einsatzkräfte immer zwei bis drei Minuten Vorsprung vor der Stadtwehr haben. Im Display der Meldeempfänger ist nicht nur ablesbar, wo genau etwas passiert ist. Sobald der stellvertretende Einsatzleiter auf dem Beifahrersitz des Einsatzwagens sitzt, drückt er Taste 3, erklärt Raimund Köhler. Dann gehen alle Zuwegungen automatisch auf – die nötigen Schranken und Tore öffnen sich, das Licht im Gerätehaus wird eingeschaltet und die Rolltore stehen offen. „Das ist im Kreis Olpe einmalig“, sagt Köhler nicht ohne Stolz auf sein Unternehmen.

Aber nicht nur der Schutz des Werkes und der Stadt Attendorn liegen den Kameraden am Herzen. „Bei uns geht es auch gesellig zu“, betont Raimund Köhler. Wie bei den Freiwilligen auch wollen wir die Tradition leben und weitergeben.“ Deshalb treffen sich die Mubea-Blauröcke auch schon mal außerhalb der Dienstzeit beispielsweise am Wochenende oder zu geselligen Ausflügen.
Ein Artikel von Volker Lübke

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