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Paul Josef Kardinal Cordes im Gespräch

„Im Heimatboden findet die Lebenswurzel den wichtigsten Halt“

Paul Josef Kardinal Cordes, Schirmherr des 50-jährigen Jubiläums der Gemeinde Kirchhundem.
Paul Josef Kardinal Cordes, Schirmherr des 50-jährigen Jubiläums der Gemeinde Kirchhundem.
Foto: privat
Kirchhundem. Paul Josef Kardinal Cordes ist Schirmherr des 50-jährigen Jubiläums der Gemeinde Kirchhundem. 1934 in Kirchhundem geboren, zog es ihn nach dem Abitur am Rivius-Gymnasium in Attendorn in die Welt – doch seine Wurzeln in der Gemeinde Kirchhundem hat er nie vergessen und pflegt sie bis heute. Im Gespräch mit LokalPlus äußert er sich zu seiner Heimat Kirchhundem und erzählt, was er am echten Kirchhundemer so schätzt.

Sehr geehrter Kardinal Cordes, Ihre Wurzeln liegen in Kirchhundem: Was haben Sie dort gelernt, was Ihnen heute in der großen weiten Welt eine Hilfe ist?

Wohl hält das Leben für uns alle vielerlei Lehren bereit; manchmal sind es frohe, manchmal schmerzhafte; nicht von der Hand zu weisen ist ja die Volksweisheit: „Durch Schaden wird man klug.“  Doch im Heimatboden findet die Lebenswurzel den wichtigsten Halt. Da sind Sprache, Umgangsformen, schulische Kenntnisse. Und was noch viel bedeutender ist: Bestätigung, Vertrauen, Geborgenheit, Sinn für Gott und Glaube an ihn. All das erhalten wir durch Eltern und Geschwister, durch Lehrer und Priester, durch Dorfkultur und Feste. „Zu Hause“ empfinden wir Dankbarkeit. All das Gute und Wichtige wurde uns ja geschenkt. Kindheit von politischen Kräften erschüttertWie sind Sie in der Gemeinde Kirchhundem groß geworden?

Wenn auch die Dorfatmosphäre in meiner Kindheit und Jugend sehr anziehend und förderlich war, so wurde sie doch von politischen Kräften stark erschüttert. Als mein kindlicher Geist eben wach geworden war, vermerkte er schon bald die bösen Zugriffe des Nationalsozialismus: Jemand aus Herrntrop hatte einen Witz gemacht über das „Dritte Reich“ – und verschwand einige Tage später; Pfarrer Peter Greve vom Kohlhagen hielt am Sonntag eine kritische Predigt und wurde schon wenige Tage später ins Gefängnis abgeführt. Dann brannte unser Elternhaus beim Einzug der US-Armee kurz nach Ostern 1945 völlig nieder. Ich weiß noch, wie ich weinend vor der rauchenden Ruine stand.

Was schätzen Sie an den Kirchhundemer Bürgern, was zeichnet den typischen Kirchhundemer Ihrer Meinung nach aus?

Seit vielen Jahren nun komme ich nur besuchsweise „nach Hause“. Insofern bezieht sich meine Antwort eher auf die Erinnerung als auf das Jetzt und Heute. Mir erschienen die Kirchhundemer Bürger immer sehr zielstrebig und leistungswillig.

Bezeichnend ist wohl, wie viele Kinder zu meiner Zeit nach Altenhundem zur Oberschule geschickt wurden – ein verglichen mit anderen Dörfern ehe hoher Prozentsatz. Deren Eltern wollten offenbar, sie sollten vorwärtskommen und erfolgreich sein. Hinter dieser Absicht steckt fraglos auch ein starkes Selbstwertgefühlt. Dies hinwiederum behindert unter Umständen, sich die Pläne anderer zu eigen zu machen und öffentliche Projekte mitzutragen. So äußern gelegentlich Verbands-Vorsitzende und Gruppen-Verantwortliche, der Gemeinschaftssinn könnte sich verbessern. Darum verdient es umso größere Anerkennung, wenn allen zusammen etwas gelingt – wie es dann und wann der „Bürgerverein“ ins Werk setzt oder  wie jetzt die Erinnerung an die Gemeindegründung vor 50 Jahren.
Wann haben Sie Ihre Heimat verlassen und wo führte Ihr Weg im Laufe Ihres Lebens hin?

Nach dem Abitur 1955 studierte ich zunächst ein Jahr lang Medizin in Münster. Dann kam ich nicht ohne innere Kämpfe zu der Erkenntnis, es sei Gottes Wille, ich sollte Priester werden; und gleichzeitig war ich im Innersten überzeugt, ich würde glücklich, wenn ich dem Willen Gottes folgte.

Nach der Priesterweihe ergab sich dann ein – äußerlich gesehen –  völlig regelloser Lebensweg voller Überraschungen. Er nimmt sich schon in Stichworten lang aus: ein als „vorübergehend“ angekündigter „Aushilfsdienst“ in Bad Driburg, der dann vier Jahre dauerte; Auftrag zur theologischen Promotion und danach Mitarbeit im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz; Ernennung zum Weihbischof in Paderborn (1975); Begegnungen in Polen und Deutschland mit Kardinal Wojtyla, dem späteren Papst Johannes Paul II; Berufung durch ihn in den Vatikan zum Vizepräsidenten des „Päpstlichen Rates für die Laien“ (1980); Bestellung zum weltweiten Koordinator der kirchlichen Hilfsorganisationen (1995); Kardinalskreierung durch Papst Benedikt XVI. (2007); Emeritierung (2010). Viel beschäftigt im VatikanWie leben Sie heute?

Nach der Emeritierung konnte ich meine Dienst-Wohnung im Vatikan behalten. Sie liegt sozusagen im Schatten des Petersdoms und hat damit den großen Vorzug, dass ich zu den noch anstehenden Verpflichtungen keinen weiten Weg habe: Die Feier der Liturgie zu den großen Kirchenfesten, Audienzen oder andere wichtige Zusammenkünfte finden ja generell im Vatikan statt. Und so bleibt mir ein kaum kalkulierbarer Anmarsch erspart; der römische Stadtverkehr ist ja immer unberechenbar.

Von meiner pastoralen Arbeit sind manche Kontakte besonders mit den neuen geistlichen Bewegungen geblieben. Sie laden mich zu Vorträgen und Gesprächen ein. Erst im Juni habe ich im Priesterseminar „Redemptoris Mater“ in Kopenhagen akademische Vorlesungen über die Theologie des kirchlichen Amtes gehalten. Auch publiziere ich dann und wann ein Buch; dabei kostet nicht nur das Schreiben Zeit, sondern es macht auch nicht geringe Mühe, die Publikationen in Umlauf zu bringen. Sie sehen: von Langeweile keine Spur.

Haben Sie immer noch Kontakt in Ihre alte Heimat?

Nach dem Tod meiner Cousine Marita Rameil habe ich leider mein „Heimat-Quartier“, Hundemstraße 59, verloren. Gott sei’s gedankt, dass mein „Heimat-Pfarrer“ Heinrich Schmidt jedoch ein alter Bekannter und lieber Mitbruder ist. Er bietet mir eine Bleibe, wenn ich sie brauche. Auch in den Tagen des Gemeinde-Jubiläums kann ich in seinem Hause unterkommen. Mit ihm gibt es dann immer einen Austausch über die Lage des Glaubens in Deutschland und der Welt. Nicht zuletzt nutzen wir die Zeit, um gemeinsam zu beten. Dank an den HeimatortSie haben die Schirmherrschaft über das 50-jährige Jubiläum übernommen: Was bedeutet das für Sie?

Sehr habe ich mich gefreut, dass mir Bürgermeister Reinéry die Schirmherrschaft angetragen hat. Gewiss sind es vor allem nostalgische Gefühle, die mich gern „Ja“ sagen ließen. In dem zum Festakt fälligen Vortrag möchte ich kurz ansprechen, was alles ich – von den Eltern angefangen - meinem Heimatort verdanke.

Doch bewegt mich nicht schlichte Alterssentimentalität. Mich spornt auch ein Verantwortungsgefühl an. Es gilt, dass wir uns zum Jubiläum eine tiefsinnige Mahnung Johann Wolfgang Goethes in Erinnerung rufen: „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“. In der schnelllebigen Gegenwart sind verlässliche Wurzeln ein großer Wert. Und bei genauerer Sicht entdecken wir dann gar das Christentum; ohne es bleibt unser aller Geschichte völlig unverständlich.

So wird mir als Priester zum Jubiläum Gelegenheit zuteil, unsern christlichen Glauben herauszustellen und die Kraft des Evangeliums. Auf dies Fundament zu verweisen, erscheint mir als der wichtigster Dienst, den ich meiner Heimat tun kann.
Ein Artikel von Kerstin Sauer

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