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Lennestadt, 27. September 2017

Lennestädter Grundschullandschaft bleibt weitestgehend erhalten

Knappe Mehrheit für neuen Verbund Elspe-Oedingen

Knappe Mehrheit für neuen Verbund Elspe-Oedingen
Symbolfoto: © Syda Productions / Fotolia
Lennestadt. Alle Grundschulstandorte in Lennestadt bleiben bestehen, allerdings wird ein neuer Verbund gegründet: Die Grundschule Oedingen gehört ab dem kommenden Schuljahr als einzügiger Teilstandort zur St.-Jakobus-Grundschule Elpse. Damit wird aus der Gemeinschaftsgrundschule St. Nikolaus in Grevenbrück gleichzeitig ein selbstständiger Standort. Das ist das Ergebnis einer fünfteiligen geheimen Abstimmung, zu der es am Mittwochabend, 27. September, in der Ratssitzung kam.

Und es war ein Ergebnis, das knapp ausfiel. 20 Stadtverordnete stimmten für dieses Modell mit dem neuen Verbund, 16 waren dagegen, einer enthielt sich. Mit diesem Resultat entfiel gleichzeitig die Option, den derzeit bestehenden Zusammenschluss Grevenbrück-Oedingen und den selbstständigen Standort Elspe beizubehalten. Mit der Abstimmung endete eine intensive und kontrovers geführte Debatte, die Eltern, Schulen und Politik über eine sinnvolle und zukunftsfähige Ausrichtung der Grundschulstandorte und –verbünde in den vergangenen Monaten geführt hatten (LokalPlus berichtete). 

Mit dem letztendlich gefassten Beschluss herrscht allerdings nach wie vor keine Einigkeit oder allgemeine Zufriedenheit (siehe auch Infokasten). Denn die vorangegangene Entscheidung, alle übrigen Verbünde und Standorte wie gehabt beizubehalten, war noch knapper ausgefallen – nämlich mit 19:18 Stimmen. Die Mehrheit der CDU-Fraktion dürfte für dieses Ergebnis entscheidend gewesen sein, hatten sich die Christdemokraten doch als einzige Fraktion für dieses von der Verwaltung vorgeschlagene Modell ausgesprochen. Schnütgen (CDU): „Lösung, die alle gewollt haben“ Die Begründung des Vorsitzenden Gregor Schnütgen: „Das ist jetzt die Lösung, die alle gewollt haben. Alle Grundschulstandorte bleiben erhalten, und es ist kein großer Fahrverkehr notwendig.“ Außerdem würden „Chancen zur Weiterentwicklung“ und zur Beteiligung der Eltern an der Entscheidung über Schulstandorte so erhalten bleiben, ergänzte Hubert Brill.

Die drei anderen Fraktionen hingegen sprachen sich unabhängig voneinander dafür aus, die Grundschulstandorte in Bilstein und Oedingen zu schließen. Damit sollten gleichzeitig die großen Standorte Altenhundem, Meggen-Maumke, Elspe und Grevenbrück gestärkt und Planungssicherheit geschaffen werden. SPD wirbt für „privilegierte Standorte“ „Große Standorte sind leichter zu handlen“, sagte Christa Orth-Sauer (Grüne), zumal eine gewisse Größe eines Schulstandortes auch wichtig sei für die Umsetzung pädagogischer Konzepte. Ähnlich äußerte sich Kerstin Bauer (UWG), die „Mut“ und „Rückgrat“ bei einem „hochbrisanten Thema“ forderte. Während die Grünen die Schließung der Standorte Bilstein und Oedingen bereits zum nächsten Schuljahr forderten, sprach sich die UWG für eine Übergangsfrist von zwei Jahren ab 2018/19 aus. Beide Anträge wurden bei jeweils 13 Enthaltungen deutlich abgelehnt.

Die SPD hätte die Grundschulen in Altenhundem, Saalhausen, Meggen, Grevenbrück und Elspe gerne zu „privilegierten Standorten“ gemacht, in die die Stadt gezielt Geld investiert. Auch Möglichkeiten zur Ganztagsbetreuung sollten dabei bedacht werden. Als Übergangszeit hätten die Grundschulverbünde Elpse und Oedingen sowie Grevenbrück und Bilstein dafür ab 2018/19 jeweils für vier Jahre zusammengelegt werden sollen.  Die laut Sebastian Sonntag „zukunftssichere Lösung“ im Sinne des „Lennestädter Grundschulfriedens“ der Sozialdemokraten wurde – bei einer Enthaltung – mit 17:19 Stimmen abgelehnt. Ganztagsbetreuung an drei Standorten im Blick Als „etwas vorschnell“ bezeichnete Bürgermeister Stefan Hundt den SPD-Vorschlag. „Eine Schule schließt man nur einmal, vergessen Sie das nicht“, sagte Hundt. Er forderte, „verantwortungsbewusst und ganz vorsichtig zu handeln“, zumal eine kürzlich veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung einen deutlichen Anstieg der Schülerzahlen bis 2030 prognostiziere. Auch für Lennestadt lägen belastbare Zahlen vor, die innerhalb der nächsten sechs Jahre eine 15-prozentige Steigerung der Anzahl an Lernanfängern vorhersage.

Übrigens stimmten die Stadtverordneten auch dafür ab, dass die Schulleitungen an den Standorten Elspe, Saalhausen und Grevenbrück den Bedarf für die Offene Ganztagsbetreuung ermitteln sollen. Damit kämen Verwaltung Politik einem in der Debatte vielfach geäußerten Elternwunsch nach, so Hundt. Außerdem soll für den Standort Altenhundem-Bilstein ein pädagogisches Konzept ausgearbeitet werden, dass einen jahrgangsbezogenen (Altenhundem) bzw. jahrgangsübergreifenden (BIlstein) Unterricht vorsieht.
Eltern uneinig und unzufrieden

Zahlreiche Eltern verfolgten die finale Diskussion und Entscheidung über die Strukturierung der Grundschullandschaft im Ratssaal. Nach der Beschlussfassung gingen die Debatten im Rathaus-Flur weiter – und die Meinungen auseinander. „Sehr sympathisch“ sei der SPD-Vorschlag, weil er Planungssicherheit und genügend Vorbereitungszeit bedeute – und vor allem „endlich Klarheit“, sagte eine Mutter. Sie sei verärgert über den letztendlich gefassten Beschluss.

Widerspruch kam von einer anderen Mutter. Das SPD-Konzept könne nicht ausgehen, weil an den vor der Schließung stehenden Grundschulstandorten Bilstein und Oedingen schon frühzeitig keine Kinder mehr angemeldet werden würden.

Ein Vater zeigte sich zudem irritiert und verständnislos, weil nach „monatelangen Diskussionen und hin- und hergeschobenen Zahlen“ jetzt letztendlich fast alles beim Alten bleibe in Sachen Grundschullandschaft. Eines der wesentlichen Argumente, der Busfahrverkehr, habe letztendlich kaum noch eine Rolle gespielt.

Es herrschte nicht nur Uneinigkeit. Zufrieden mit dem letztendlich gefassten Beschluss waren die Eltern, die noch diskutierten, nach eigenen Angaben auch nicht. (pri)
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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