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Lennestadt, 18. Januar 2018

„Project 189“ in der Endrunde um den „Walk Together“-Preis

Kampf um Menschenrechte und Mausklicks

Unter dem Titel „Projekt 52px
Unter dem Titel „Projekt 52px" setzen sich Philipp Rosenthal und seine Frau Ekaterina (beide im Hintergrund) für einen freien Tag pro Woche ein - und geben einen kostenlosen Kurs in Fotografie, damit Frauen nach der Rückkehr in ihre Heimat als Fotografinnen arbeiten können.
Foto: privat
Meggen/Abu Dhabi. Seit vier Jahren kämpfen Philipp Rosenthal und seine Frau Ekaterina im Nahen Osten für Menschrechte und gegen Sklavenhandel. Ein Unterfangen, das schwierig und gefährlich zugleich ist, aber mittlerweile auch erfolgreich und bekannt: Die Hilfsorganisation des Ehepaares, die den Namen „Project 189“ trägt, ist für den internationalen „Walk Together Prize for Courage“ nominiert. Jetzt hofft Rosenthal, geboren in Siegen und aufgewachsen in Meggen, auf zahlreiche Online-Unterstützung aus der alten Heimat.

Knapp fünfeinhalb Jahre ist es her, dass sich ein Headhunter des weltweit agierenden Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young, heute EY, bei ihm meldete. Mit einem Jobangebot im Emirat Kuwait. „Meine Frau und ich fanden das superspannend“, sagt Rosenthal. Das Ehepaar zog mit dem damals wenige Monate alten Sohn nach Kuwait. Kurze Zeit später ging es weiter nach Abu Dhabi. Hier, in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, arbeitet Rosenthal aktuell für EY als Manager für saubere Energie und Nachhaltigkeit. Am dortigen Unternehmenssitz hat er es mittlerweile weit nach oben geschafft, ist nach eigenen Angaben die rechte Hand seines Chefs.

Ein steiler Aufstieg auf der Karriereleiter, der den 34-Jährigen allerdings nicht den Blick für die besonders finstere Realität der Arbeitswelt verlieren ließ. Im Gegenteil, den dunklen Ecken widmet er sich ehrenamtlich in seiner Freizeit. Zusammen mit seiner Frau gründete er vor vier Jahren, noch in Kuwait, die Organisation „Project 189“, die sich für die Rechte von Migranten auf dem Arbeitsmarkt stark macht – im gesamten Nahen Osten. Kampf auf drei Ebenen Ein ambitioniertes Vorhaben, denn laut Rosenthal sehen sich Einwanderer permanent mit Ausbeutung, Diskriminierung und Missbrauch konfrontiert. Das gelte vor allem für Hausangestellte. „Es gibt hier keinen regulierten Sektor und keine Gesetze, die das Leben dieser Menschen auf dem Arbeitsmarkt regelt“, sagt Rosenthal. „Viele Migranten, die hier arbeiten, sind Menschenschmugglern zum Opfer gefallen.“ Diesen Menschen sei der Pass abgenommen worden, sie würden schlecht oder gar nicht bezahlt, sie würden geschlagen und gefoltert. Juristische Hilfe sei nicht zu erwarten, Bedienstete gelten Rosenthal zufolge vor Gericht nicht als Menschen, sondern als Gegenstände.
Philipp Rosenthal.
Gegen diese Zustände kämpft das „Project 189“ auf drei Ebenen. Die erste: Aufmerksamkeit schaffen für die schlechten Bedingungen ausländischer Arbeiter. Die zweite: internationale Initiativen und Geldgeber organisieren für lokale Hilfsprojekte. Und dann ist da noch die riskante dritte Ebene, die der direkten Rettungsmissionen. Verfolgungsjagd in Kuwait „Wenn wir mitbekommen, dass jemand schlecht behandelt und bezahlt wird, keinen Pass hat oder den Pass nicht wiederbekommt, organisieren wir Leute, die diese Menschen in Sicherheit bringen“, sagt Rosenthal. Nach der Unterbringung der Migranten in sogenannten „Safe Houses“, sichereren Unterschlüpfen, nehmen Mitarbeiter von „Project 189“ Kontakt zu den entsprechenden Botschaften auf und versuchen gegegebenfalls, Reisedokumente und einen Rückflug in die Heimat zu organisieren.

Dass die Flüchtenden und ihre Retter verfolgt und attackiert werden, hat Rosenthal selbst schon in Kuwait hautnah miterlebt – bei einer Verfolgungsjagd im Auto, bei der das Fluchtfahrzeug auch mehrfach gerammt worden sei. Ein Gerichtsverfahren folgte – wegen Diebstahls. „Eine heikle Geschichte“, sagt Rosenthal lediglich über den Grund für seine Versetzung von Kuwait nach Abu Dhabi. Online-Voting läuft noch bis Montagfrüh Der jahrelange Einsatz für Menschenrechte hat bleibenden Eindruck hinterlassen. So bleibend, dass das „Project 189“ eine von zehn  Organisationen ist, die es in die Finalrunde um den  „Walk Together Prize for Courage“ geschafft haben. Weltweit hatte es mehr als 170 Bewerber gegeben. Bei „Walk Together“ handelt es sich um eine globale Kampage, die für den Einsatz für Menschenrechte und Freiheit vergeben wird – übrigens in Anlehnung an den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten und Freiheitskämpfer Nelson Mandela. Hinter der Kampagne steckt unter anderem ein Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen.
Ekaterina Rosenthal bei einem Auftritt der Organisation.
Die Online-Abstimmung ist in Deutschland noch bis Montag, 22. Januar, 6 Uhr möglich (siehe Link). Um an dem Voting teilnehmen zu können, müssen lediglich ein Name und eine E-Mail-Adresse angegeben werden. Die Organisation, die die meisten Stimmen erhält, erhält 10.000 US-Dollar. „Helft uns bitte mit eurer Stimme, sodass wir mit diesem Preis die Aufmerksamkeit bekommen, die wir brauchen, um hoffentlich mehr Einfluss nehmen zu können“, sagt Rosenthal. 

Es wäre ein nächster wichtiger Schritt für das „Project 189“ und ein weiterer kleiner im kampf um die Menschenrechte. Viele weitere müssen aber noch folgen, weiß Rosenthal, denn: „40 Millionen Menschen leben weltweit, auch in Deutschland, unter Sklavenbedingungen. Menschenhandel und –schmuggel sind eine der lukrativsten Einnahmequellen – und eines der größten Probleme unserer Zeit.“
Ein Artikel von Sven Prillwitz

Bildergalerie: Kampf um Menschenrechte und Mausklicks