Nachrichten Politik
Lennestadt, 17. März 2017

Wegen historisch belegter Nazi-Vergangenheit

Grüne fordern Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Herbert Evers

Grüne fordern Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Herbert Evers
Symbolfoto: Sven Prillwitz
Lennestadt. Dr. Herbert Evers war von 1933 bis 1945 Landrat des Kreises Olpe und galt hier schon vor der Machtergreifung der NSDAP als einer der führenden Nationalsozialisten. Bis heute ist der inzwischen verstorbene Evers Ehrenbürger der Stadt Lennestadt. Diese Würde möchte ihm die Fraktion Bündnis ´90/Die Grünen nachträglich aberkennen und hat für die kommende Ratssitzung am Mittwoch, 22. März, einen entsprechenden Antrag gestellt.

1938 wurde Evers die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Grevenbrück verliehen, deren Rechtsnachfolger die Stadt Lennestadt ist. Dass der ehemalige Landrat noch immer Ehrenbürger ist, fand der Olper Historiker Dr. Hans-Bodo Thieme auf Nachfrage beim Stadtarchiv heraus. Darauf wies er Ende vergangenen Jahres Bürgermeister Stefan Hundt und kürzlich auch die Fraktionsvorsitzenden hin. In seinen Schreiben fordert der Historiker, Evers die Ehrenbürgerwürde nachträglich abzuerkennen, und weist auf seine umfangreichen, 2001 als Buch veröffentlichten Nachforschungen zum politischen Wirken des ehemaligen Landrats hin.

„Evers gehörte zu den ersten und führenden Nationalsozialisten des Kreises Olpe, und zwar lange vor der ,Machtergreifung´. (…) Er hat das NS-System an verantwortlicher Stelle im Kreis Olpe implementieren lassen“, heißt es in dem Schreiben, das Thieme an die Fraktionsvorsitzenden geschickt hat. Darin listet der Historiker weitere Beispiele für Evers Taten als überzeugter Nazi auf, unter anderem die Gründung der NSDAP in Grevenbrück und den Aufbau der SA im Kreis Olpe, deren Obersturmbannführer er gewesen sei. Evers habe als Jurist außerdem Jurist SA-Mitglieder vor Gericht verteidigt sowie „Andersdenkende verfolgt und für deren Verbringung ins Konzentrationslager Sorge getragen“. Grüne: „Klare Sachlage“ Dass der ehemalige Landrat „nicht mehr am Leben ist, spricht nicht gegen eine heutige Entziehung dieser Würde, denn fast alle Kommunen haben politisch belasteten Personen den Charakter des ,Ehrenbürgers´ nach dem Tode aberkannt“, schreibt Thieme weiter.

Das wollen die Lennestädter Grünen nun in Evers Fall ebenfalls erreichen. Die Fraktionsvorsitzende Christa Orth-Sauer und ihr Stellvertreter Andreas Verbeek sprechen von einer „klaren Sachlage“ und gehen davon aus, dass der Rat ihrem Antrag zustimmen wird. Der Fall Evers könne zudem ein Anlass dafür sein, zu prüfen, ob es „womöglich noch andere bedenkliche Ehrenbürger gibt“.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

Bildergalerie: Grüne fordern Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Herbert Evers