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Lennestadt, 14. Juli 2017

Leserbrief zur Neuordnung der Grundschulverbünde

„Für einen starken Standort in Elspe“

Leserbrief zur Neuordnung der Grundschulverbünde
Symbolfoto: Sven Prillwitz
Lennestadt. In der Diskussion um die Neuordnung der Grundschulverbünde in Lennestadt hat eine weiterer Leserbrief unsere Redaktion erreicht. Das Schreiben der Elternvertreter der St. Jakobus Grundschule in Elspe nimmt Bezug auf den Bericht „Geplanter Grundschulverbund Grevenbrück-Bilstein bleibt umstritten“, der am 11. Juli bei LokalPlus veröffentlicht wurde.

„Herr Prillwitz hat anhand der Sitzungsvorlage vom 04.07.2017 des Lennestädter Ausschusses für Schule, Kultur, Sport und Soziales am 11.07.2017 einen Artikel zum Thema „Neuordnung der Grundschulverbünde in Lennestadt“ veröffentlicht. Leider finden wir Elsper unsere Meinung in der Sitzungsvorlage nicht ausreichend erläutert. Zwar stehen wir dem Vorgehen eines Zusammenschlusses der Schüler von Elspe mit Schülern aus Oedingen positiv gegenüber, jedoch unter der Voraussetzung, dass es einen starken Schulstandort gibt und zwar in Elspe.

Wir Eltern und Lehrer haben Pro und Contra Argumente aufgelistet. Und damit keine Missverständnisse entstehen, möchten wir unseren Standpunkt in diesem Leserbrief noch einmal erläutern. Auf der Seite der Pro Argumente stehen zwei, bei Contra neun Argumente zu einer Verbund-Lösung. Da wir nicht gegen etwas stimmen, sondern uns lieber für etwas stark machen wollten, haben wir die Ausdrucksweise gewählt „Für einen starken Standort in Elspe“ zu stimmen. Die Vorteile und Argumente dafür finden wir in der Stellungnahme der Verwaltung der Stadt nicht wieder.

Gerne möchten wir Sie hier noch einmal auflisten.

Pro:
  • neue Ausrichtung der Schule
  • schulische Verbindungen übertragen sich auf außerschulische Bereiche
Contra:
  • Elsper Schüler können nicht alle am Wunschstandort beschult werden. Dies würde bedeuten, dass Kinder aus ihrem bekannten Umfeld gerissen würden.
  • Unsere Elsper Schule würde sich von einer zweizügigen auf eine einzügige Schule verkleinern.
  • Das hätte zur Folge, dass in Elspe immer große Klassen entstehen würden. Die Qualität des Unterrichts würde darunter leiden.
  • Um gleich große Klassen zu bilden, müssten aber noch mehrere Schüler aus dem Schulbezirk Elspe nach Oedingen fahren.
  • Größere Klassen wären eine größere Belastung für die Lehrer.
  • Auch ein inklusives Unterrichten ist in großen Klassen fast unmöglich.
  • Zwischenorte, wie Halberbracht haben die Befürchtung, dass sie nach Oedingen umgelagert werden.
  • Zudem fahren z.B. Sporker oder Thetener Schüler bereits und befürchten einen zu langen Schulweg mit dem Bus.
Dass eine offene Ganztagsschule in Oedingen in der Elternversammlung angesprochen wurde, beunruhigt zusätzlich. Ist es zulässig, dass ein Teilstandort eine OGS hat? Wird es dann irgendwann zu einem Wechsel zwischen Haupt- und Teilstandort kommen?

Vorteile von einem großen Standort in Elspe sind:
  • Ein Standort würde bedeuten, dass alle Elsper Schüler zusammen beschult werden könnten, aber auch die Oedinger Kinder in einer Gruppe beschult würden.
  • Die geographische Lage der Elsper Schule, würde für alle Schüler der umliegenden Orte im erträglichen Maß mit dem Busverkehr zu erreichen sein.
  • Die Schulleitung und das Lehrerkollegium müssten nicht zwischen zwei Standorten pendeln. (Es herrscht schon jetzt ein Lehrer- und Schulleitermangel im Primarbereich, Anstellungen an Verbundschulen, machen die Arbeitsstellen aus unserer Sicht nicht unbedingt attraktiver)
  • Vertretungsunterricht wäre viel sicherer und flexibler zu gewährleisten.
  • Absprachen zwischen Parallelkollegen und weitere Teamarbeit könnten besser stattfinden.
  • Angebote an Differenzierungsmöglichkeiten und außerschulischen Angeboten sind bei einer größeren Anzahl an Schülern eher zu realisieren. OGS kommt oft nicht zu Stande, da es an den kleineren Schulen nicht genügend Eltern gibt die es brauchen. Die, die es unbedingt benötigen wechseln wiederum, was erneut zu Unruhen und zur Umverteilung führt. Lieber stabile Standorte mit besserem Angebot schaffen.
  • Finanzielle Einsparungen (z.B. Sportanlagen, Pausenspielzeug, Unterrichtsmaterialien, Hausmeister etc.)
Eine Bildung eines großen Standortes würde zwar Umbaumaßnahmen voraussetzen, würde aber auf lange Sicht zu finanziellen Einsparungen führen. Unterschriftenaktion bringt 1025 Unterstützer Wir finden es erstaunlich dass 1025 Unterschriften für starke Schulstandorte in Lennestadt so wenig Bedeutung haben, dass diese erst erwähnt werden, nachdem wir die Verwaltung und den Bürgermeister ausdrücklich darauf hingewiesen haben. Unsere Stellungnahme wurde am 14.06.2017 bei Lokal Plus veröffentlicht und wird von 1025 Mitbürgern unterstützt. Dies ist das Ergebnis einer kurzfristig ins Leben gerufenen Unterschriftenaktion in nur 6 Tagen.

Viele dieser Unterschriften kommen von Mitbürgern aus Elspe, aber auch aus den umliegenden Dörfern Sporke, Theten, Trockenbrück, Melbecke und Halberbracht. Diesen Eltern geht es nach unseren Informationen nicht primär um die Fahrstrecke (die CDU nennt dies immer wieder als Hauptgrund der Eltern zu protestieren) sondern um die Schaffung eines starken Schulstandortes in Elspe.

In der schulfachlichen Stellungnahme von Frau Halbe steht, dass die Stadt Lennestadt um eine aktive Beteiligung des Beratungsprozesses und Vorschläge zur Weiterentwicklung der Schullandschaft im Grundschulbereich bittet. Unser Lösungsvorschlag „die Bildung von zentralen Schulstandorten in Lennestadt“, in unserem Fall „einem starken Schulstandortes in Elspe“, wird aber weder von Seiten der Stadt noch von Seiten der Schulaufsicht in der Vorlage thematisiert. Zustimmung für SPD-Vorschlag der „ergebnisoffenen Recherche“ Auch einem Antrag von den Seiten der SPD, durch Heinz Vollmer, in der Ausschusssitzung am 04.07.2017 wird keine Beachtung geschenkt. Zitat: „Lasst uns doch eine Entscheidung zur Neugründung der Grundschulstandorte auf die Sitzung im September verschieben. Bis dahin sollten wir die Zeit nutzen und in alle Richtungen, ergebnisoffen, auch mit der Option Teilstandorte zu schließen, recherchieren, um dann eine verlässliche, langfristige Entscheidung zu treffen.“

Um sich ein gesamtes Bild von der Lage zu machen, kann diese Lösung, die Schließung von Teilstandorten, nicht einfach tot geschwiegen werden. Wir würden uns von den Stadtratsmitgliedern und den Mitgliedern des Schulausschusses wünschen, auch diese Lösung sorgfältig zu prüfen, z.B. eine Kosten-Nutzen-Rechnung in Auftrag zu geben, um dann eine dauerhafte sinnvolle Lösung für die Bildung unserer Kinder zu erarbeiten. Elsper befürchten „schlechtere Angebote und Bildung“ Die CDU sagt sie möchte die kleinen Teilstandorte erhalten, ohne dass andere Kinder fahren müssen. Wie soll dass 2021/22 z.B. in Elspe-Oedingen realisiert werden, wenn in Oedingen nur 13 Schüler eingeschult werden? Gerne hätten wir darauf eine Antwort. Bevor da nicht eine konkrete Lösung besteht, dass Elsper Kinder nicht aus der Gemeinschaft gerissen werden, kann man als Vertreter, auch dieser Ortschaften, doch nicht mit gutem Gewissen für einen Verbund stimmen. Zudem befürchten wir schlechtere Angebote und dadurch auch schlechtere Bildung unserer Kinder durch die Zwei-Standort-Lösung.

Dazu ein kleines Zahlenspiel: Die Oedinger alleine, hätten in den Jahren von 2018/19-21/22 nur 42 Kinder aus Oedingen selbst an der Schule, was gesetzlich nicht ausreichend für einen Teilstandort wäre. (dazu benötigt man 46 Schüler) Selbst wenn man Brenschede, Haus Valbert, Oedingerberg, Oedingermühle dazurechnen würden, wären es nur 45 Schülerinnen und Schüler. Oberelsper, Altenvalberter und Obervalberter Kinder würden nach Elspe keinen weiteren Schulweg als bisher haben. Kann es denn sein, dass am Ende sogar mehr fahrende Schüler an einer Schule sind, als Kinder die sie fußläufig erreichen? (Jahrgänge 19/20-22/23 wären insgesamt  91 Kinder an der Schule von denen nur 42 aus Oedingen selber stammen, also weniger als 50%)

Verständnis haben wir für alle, die zum Wohl Ihrer Kinder an dieser Diskussion teilhaben, aber unsere Kinder am Standort Elspe können doch nicht darunter leiden und aus einer Gemeinschaft gerissen werden, um einen Teilstandort in Oedingen zu erhalten, wo es schlichtweg am Wohnort selbst, nicht genügend Kinder für eine eigene Schule (92), geschweige denn Kinder für eine Verbundschule (46) gibt. „Alles spricht für einzelne, zentrale Schulstandorte“ Ist es dann nicht besser, wenn die kleinen Standorte sich aufgrund geringer Kinderzahlen, dem nächst größerem Ort anschließen, damit dieser Standort nicht auch noch geschwächt wird? Durch die ganzen Unruhen könnten Halberbrachter wieder überlegen in Meggen anzumelden und/oder Sporker/Thetener/Trocken-brücker Ihre Kinder in Finnentrop oder Grevenbrück.

All diese Punkte sprechen für einzelne, zentrale Schulstandorte in Lennestadt. Und sind durch die Verbundlösungen von zwei Schulen aus unserer Sicht nicht gewährleistet.

Ziel sollte es sein, eine optimale Bildung unserer Kinder in gut ausgestatteten starken Schulstandorten mit sehr guten Wahl- und Differenzierungsmöglichkeiten, sowie einem sehr guten Ganztagsschulenangebot in Lennestadt zu bieten. Auf Dauer, wäre dann für alle Eltern und Kinder in der Gemeinschaft eine verlässliche, verbindliche Lösung gefunden, bei der zumindest im Oene-Elspetal einmal Ruhe in die Schulpolitik gebracht werden könnte." 

Claudia Behle, Peter Raabe und Claudia Striemer
Elternvertreter der St. Jakobus Grundschule in Elspe
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(LP)

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