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Kreis Olpe, 05. Februar 2019

IG Metall Olpe

Zwei Ehrungen für 70 Jahre Mitgliedschaft

Paul Grewe (links) und Franz Tittelbach, zwei Gewerkschafts-Urgesteine.
Paul Grewe (links) und Franz Tittelbach, zwei Gewerkschafts-Urgesteine.
Foto: Barbara Sander-Graetz
Olpe. Zwei besondere Ehrungen haben am Montag, 4. Februar, André Arenz, 1. Bevollmächtigter IG Metall Olpe, und sein Stellvertreter Stefan Köster vorgenommen: Mit Paul Grewe und Franz Tittelbach wurden zwei Gewerkschaftsmitglieder geehrt, die seit 70 Jahren der IG Metall angehören.

Sie haben beide viel erlebt. Besonders Franz Tittelbach ist nicht zu stoppen, wenn er ins Erzählen kommt. Der 91-Jährige, der in zehn Tagen sein 92. Wiegenfest feiert, hat auch viel zu erzählen. Immerhin war er selber früher 1. Bevollmächtigter der IG Metall im Kreis Olpe und der Vorgänger von Georg Keppeler, dem schließlich André Arenz in das Amt folgte.

Daher war es für Georg Keppeler Ehrensache, bei der Ehrung mit dabei zu sein. „Da sind jetzt drei Generationen und über 60 Jahre Bevollmächtigte zusammen“, lachte der Jubilar.
Drei Generationen 1. Bevollmächtigte der IG Metall in Olpe (von links): Georg Keppeler, Franz Tittelbach und André Arenz.
Geboren 1927 in Lünen, wurde Franz Tittelbach nach der Schule Schlosser. Nach Wehrmacht und Gefangenschaft in Amerika und England fand er 1949 eine Arbeitsstelle in einem Lüner Metallbetrieb und wurde Mitglied der IG Metall. 1956/57 besuchte er die Sozialakademie. „Danach bekamen alle einen Posten. Nur ich nicht. Ich war katholisch und in der CDU“, schmunzelt er im Rückblick.

1958 bekam er schließlich eine Verwaltungsstelle in Werdohl und setzte sich für Jugendliche ein. „Die bekamen damals bis zur Volljährigkeit nicht den vollen Lohn, obwohl sie voll arbeiten mussten. Da hab ich eine Revolution angezettelt.“
Franz Tittelbach.
Während die Jugendlichen am Ende ihre Lohnforderungen durchsetzen konnten, verlor er seinen Job und arbeitete wieder als Schlosser. Dann wurde schließlich ein Gewerkschaftsmann in Olpe gesucht. „Am 18. Mai 1958, genau auf den Tag zehn Jahre nachdem ich aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, wurde ich 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Olpe. Ich war ein roter mit schwarzem Pelz“, schmunzelt der Senior.

32 Jahre hat er den Job gemacht - und er machte ihn gut. Die Mitgliederzahl stieg von 4000 auf 9600. „Als ich hier anfing, hatten wir Schulden, und nach 32 Jahren rund 600.000 Euro Guthaben.“
Paul Grewe.
Eine der größten Umstellungen war die bargeldlose Lohnzahlung. Das hat auch Paul Grewe, der zweite Jubilar, miterleben dürfen. „Außerdem“, so der 85-jährige Grewe, „haben wir die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durchgesetzt. Als ich 1949 als Hand-, Maschinen- und Großstückformer angefangen habe, bekam man im Krankheitsfall drei Tage kein Geld und danach nur noch 50 Prozent des Lohns. Wir hatten damals die 48-Stunden-Woche bei sechs Tagen Urlaub im Jahr“, erinnert sich Paul Grewe an die Anfangsjahre seines Berufslebens. „Als 1969 im Gesetz die Lohnfortzahlung festgeschrieben wurde, war das ein Meilenstein, für den wir gekämpft haben.“
Ehrungen (von links): Georg Keppeler, Franz Tittelbach, André Arenz, Paul Grewe und Stefan Köster.
Gekämpft haben beide Gewerkschafter viel. Gegen Lohndumping, gegen schlechte Arbeitsbedingungen und auch manchmal gegen die Arbeitgeber. „Bei Mennekes haben wir damals einen Betriebsrat eingerichtet, als der Chef Aloys Mennekes im Urlaub war“, freut sich Tittelbach noch heute über seinen Clou. Und auch bei Viegener, Muhr und anderen Unternehmern hat er sich durchgesetzt und einen Namen gemacht. Franz Tittelbach und Paul Grewe, zwei Ur-Gewerkschaftler, wie es sie heute nicht mehr gibt.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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