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Kreis Olpe, Kreis Olpe, 22. August 2016

Bürgerinitiativen schließen sich zusammen: Gegen den "Ausbauwahn der Windenergie"

Gemeinsamer Gegenwind

Im Kreis Olpe haben sich Bürgerinitiativen gegen Windkraft zusammengeschlossen. Mit gebündelten Kräften wollen sie ihre Ziele erreichen.
Im Kreis Olpe haben sich Bürgerinitiativen gegen Windkraft zusammengeschlossen. Mit gebündelten Kräften wollen sie ihre Ziele erreichen.
Symbolfoto: © Frank Wagner / Fotolia
Im Kreis Olpe haben sich mehrere Bürgerinitiativen zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen den weiteren Ausbau von Windkraftanlagen zu protestieren. Sie prangern das Fehlen eines schlüssigen Konzeptes an, fürchten negative Folgen von Windkraftanlagen für Mensch, Tier und Umwelt und vermuten hinter den Plänen vor allem Profitgier als wesentliches Motiv. Das Schreiben im Wortlaut:

„Wir stellen uns gegen einseitig orientierte Subventionsjäger und fordern mehr Rücksichtnahme auf die hier lebenden Menschen, Tiere, Umwelt und unsere Heimat, welche die negativen Folgen einer unsinnigen Windkraftpolitik langfristig ertragen müssen. Und wir stehen für zukunftsorientierte Technologien der Energiegewinnung. Wir fordern mehr Forschung und Entwicklung zur Schaffung geeigneter Energiespeicher, um Wind- und Sonnenenergie dann verfügbar zu machen, wenn sie benötigt wird. Erst so macht es Sinn einen weiteren Ausbau der Windkraft zu planen. Kein Konzept für Mammutumbau Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sah sich die Bundespolitik gefordert, quasi über Nacht das bisherige Modell der Stromerzeugung über Bord zu werfen. Alternative Energiegewinnung sollte mit enormen Subventionen gefördert werden. Ein ganzheitliches und schlüssiges Konzept für diesen Mammutumbau der Energiewirtschaft gibt es nicht. Das waren planwirtschaftliche Ansätze unter Ausschluss eines marktwirtschaftlichen Regulativs, mit heißer Nadel gestrickt.

Die freie Marktwirtschaft aber arbeitet profitorientiert, weshalb auf „Teufel komm raus“ eine Jagd nach den Subventionen entfacht wurde. Und so explodierten die Kosten der EEG auf heute ca. 28.000.000.000 Euro (jährlich), die dem Verbraucher und Steuerzahler aufgebürdet werden, um diese politische Irrfahrt zu finanzieren. Und die läuft, betrachtet im Einzelfall, über mindestens 20 Jahre.

Unlängst wurden die üppigen Windkraft-Subventionen mit dem Argument verteidigt, dass wir dann nach 20 Jahren kostenlosen Strom zur Verfügung haben. Einfältig - nach 20 Jahren sind heutige Anlagen veraltet, abgeschrieben und erneuerungsbedürftig. Gesundheit gefährdet Der subventionsgetriebene Ausbauwahn der Windenergie bringt zudem schwerwiegende Begleitumstände mit sich, welche die anwohnenden Menschen und deren Gesundheit, den Artenschutz und die Umwelt langfristig betreffen. Im jeweiligen Genehmigungsfall über etliche Jahrzehnte.

Vor dem Hintergrund der üppigen Subventionen wird Raum für weitere Wind-Projekte benötigt. Aktuell reduziert man deshalb mit politischem Rückenwind die Mindestabstände zur Wohnbebauung in unserer Region auf zweimal Höhe des Windrades, was bei 150 Metern Höhe gerade 300 Meter Abstand sind. Das ist keine fürsorgliche Politik, es ist rücksichtlos und mündet quasi in eine neue Form der Enteignung von Privateigentum. In Bayern ist es das Fünffache, also Mindestabstand ist zehnmal Windradhöhe. Bei uns, wo man zwecks besserer Windausbeute die höheren Lagen bevorzugt, führt das zwangsweise zu einer noch extremeren „bedrängenden Wirkung“ und Gesundheitsschädigung für die Anwohner im Tal durch die riesigen Industriebauwerke. Problematischer Infraschall Der von den Windrädern erzeugte Infraschall (nicht hörbar) wird von namhaften Experten und Medizinern sowie Studien als gesundheitsschädigend eingestuft. Die von den gewaltigen Rotoren erzeugten Schallemissionen (hörbarer Lärm) sind für den Anwohner bis zu einer Obergrenze „hinzunehmen“. Bei Sonne aus rückwärtiger Lage zu den Windrädern ist bei geringen Abständen mit wechselndem Schattenwurf durch die drehenden Rotorflügel (Disco-Effekt) eine kaum erträgliche Belästigung gegeben. Gefahren durch brennende Windkraftanlagen und herabfallende Flügel nach Blitzeinschlag sowie Eis-Wurf werden verharmlost.

Bestimmten Vögeln und Fledermäusen (Artenschutz) und deren Brutplätzen werden größere Abstände zu den Windrädern zuerkannt als dem Menschen. Nicht nachvollziehbar ist zudem, warum Windräder überhaupt im Wald errichtet werden dürfen. Durch die großflächige Abholzung der Wälder ist die Klimabilanz von Windindustrieanlagen im Wald negativ. Niemand sucht bei seiner Wohnraumsuche die Nähe zu den gigantischen Windrädern mit ca. 200 Metern Höhe. Die Folge ist ein drastischer Verfall der Immobilienwerte sowie eine deutliche Attraktivitätsminderung als Wohnort. Die ohnehin negative demographische Entwicklung in unserer ländlichen Region wird verstärkt, der Zuzug eingebremst.

Fremdenverkehr und Naherholung sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor unserer Region. Die großflächigen Wälder, Naturschutzgebiete, Seen, ein gepflegtes Orts- und ästhetisches Landschaftsbild besitzen wir heute. In Kombination mit hochwertiger Gastronomie sind es Grundpfeiler, um den Tourismus für den Ruhe suchenden Tourismus weiter auszubauen. Viel wurde hier investiert. Unzählige drehende und abends blinkende Windriesen wirken da extrem kontraproduktiv. Naturschutzgebiete geopfert? Aus diesem Grund wurde auch ein besonderes Schutzbedürfnis gemäß dem REP (regionaler Entwicklungsplan der Bez. Reg. Arnsberg) zum Zweck der stillen und landschaftsgebundenen Erholung besonders herausgestellt. Wertvolle Kulturlandschaften, Naturschutzgebiete, welche gestern noch als schützenswert galten, werden heute den einseitigen Interessen der Profiteure geopfert. Dass in NRW nun genau die Partei als treibende Kraft des Windkraftwahns und der Landschafts- und Waldzerstörung gilt, welche einst den Schutz der Umwelt zu ihrem Leitthema bestimmte, wer soll das verstehen?“

Mehr Informationen zum Zusammenschhluss und den Beweggründen der Bürgerinitiativen gibt es online:
(LP)

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