Ärztetreffen: Medizinische Versorgung in Südwestfalen


Die Ärzte Rainer Pfingsten, Nezahat Baradari, Stefan Spieren und Martin Junker (v.l.) tauschten sich über die medizinische Versorgung aus. von privat
Die Ärzte Rainer Pfingsten, Nezahat Baradari, Stefan Spieren und Martin Junker (v.l.) tauschten sich über die medizinische Versorgung aus. © privat

Kreis Olpe. Kürzlich ging es um die Zukunft der medizinischen Versorgung in Südwestfalen. Dazu traf sich die SPD-Bundestagskandidatin für den Kreis Olpe und den südlichen Märkischen Kreis, Nezahat Baradari, mit Vertretern der niedergelassenen Ärzte, der Kassenärztlichen Vereinigung sowie des Ärztebundes Südwestfalen in der Geschäftsstelle des SPD-Kreisverbandes Olpe.


In fachkundiger Runde sprach sie mit den Ärzten Stefan Spieren, Dr. med. Martin Junker sowie mit Dr. med. Rainer Pfingsten über die Zukunft der medizinischen Versorgung in Südwestfalen und tauschte sich über Lösungsmöglichkeiten zu bestehenden Problemen aus. Als niedergelassene Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin in Attendorn kennt Nezahat Baradari nur zu gut die aktuellen Probleme der Kollegen.

Zusätzlich zu der überbordenden Bürokratie und dem ständigen Kostendruck durch die Krankenkassen, erfahre die fachärztliche Tätigkeit der niedergelassenen Ärzte immer weniger Wertschätzung. Die zukünftige gesundheitliche Versorgung im Kreis Olpe und anderen ländlichen Kreisen ist gefährdet. Eine sogenannte Lebenswissenschaftliche Fakultät könne eine fachgerechte Ausbildung von Medizinstudenten zum Arzt mit einem standardisierten Staatsexamen niemals ersetzen.
Betreuung der Pflegebedürftigen nimmt ab
Hier erwarten die Niedergelassenen zu recht ehrliche, praktikable und tiefgreifende Reformen von der Politik und nicht nur Schaumschlägerei. Thema war auch die abnehmende ärztliche Betreuung der Pflegebedürftigen in Altersheimen durch unsinnige bürokratische Hemmnisse. Selbst für schon angeordnete gängige Medikamente müsse die Pflegekraft jedes Mal eine ärztliche Anordnung neu holen. Das führt dazu, dass am Ende der Patient leidet, denn die Krankheit wird nicht therapiert, sondern verwaltet.

In Lehrpraxen sehen die Gesprächspartner künftig mögliche Lösungsansätze zur Motivation von Medizinstudenten für eine spätere Niederlassung. Einig war man sich darüber, dass die Qualifikation solcher Lehrpraxen eine Herausforderung für die niedergelassenen Ärzte sei und deren Finanzierung eine Bringschuld der Politik. Nur zehn Prozent der Gesundheitsausgaben werden für die Versorgung der Patienten im niedergelassenen Bereich bereitgestellt. Im Vergleich dazu vereinnahmen die Krankenkassen 15 Prozent der Gesundheitskosten.
Telemedizin nimmt mehr Raum ein
Das Gewicht der medizinischen Betreuung sollte in der Aufklärung der Patienten und Prävention von Krankheiten liegen. Hierdurch werden die Ausgaben für Medikamente gesenkt und Folgeerkrankungen verhindert. Die Telemedizin wird in der Zukunft mehr Raum einnehmen. In diesem Bereich laufen Pilotprojekte seit Jahren, die schon gute erste Ergebnisse zeigen.

Es bedarf einem überfälligen Datenschutzgesetz für Heilberufe, die den Ärzten und Patienten den Schutz persönlicher Daten garantiert. Mit Unterstützung der Kommunen errichtete Ärztehäuser tragen zur Attraktivität der Niederlassung und zur Kostenreduktion der Ärzte durch Nutzung von Synergieeffekten bei. Die Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Lande ist eng verzahnt mit der Stärkung der Kommunen. Denn nur dort, wo es Kindergartenplätze, weiterführende Schulen, Krankenhäuser und eine gutes öffentliches Verkehrsnetz gibt, sind junge Mediziner bereit sich niederzulassen.
Gesundheit ist keine Ware
Da inzwischen viele Medizinabsolventen weiblich sind und wegen Familie und Kindern nur teilweise arbeiten können, braucht es flexiblere Regelungen im Niederlassungsrecht für Teilzeitniederlassungen. Der demographische Wandel, die Zunahme von chronischen Erkrankungen und die Erhöhung des Lebensalters durch medizinische Neuerungen macht es unumgänglich, neben der ärztlichen auch die pflegerische Versorgung in der Bevölkerung adäquat zu gewährleisten. Die Menschlichkeit in der Medizin sollte der Kompass für die Versorgung der Patienten sein, denn Gesundheit ist keine Ware, so das gemeinsame Fazit.
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