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Kirchhundem, 22. September 2017

Geplanter Neubau besorgt die betroffenen Anwohner

Industrielle Bebauung zwischen Rahrbach und Kruberg: „Unser Dorf wird verschandelt“

Bürgermeister Andreas Reinéry erklärt die aktuelle Strategie.
Bürgermeister Andreas Reinéry erklärt die aktuelle Strategie.
Foto: Jill Arens
Rahrbach. Zur Diskussion über die Planung der industriellen Bebauung einer Fläche zwischen Rahrbach und Kruberg haben sich am Donnerstagabend, 21. September, Bürgermeister Andreas Reinéry, Björn Jarosz (Leiter Bauamt Kirchhundem), Ortsvorsteher Dr. Christian Jung sowie die interessierten Bürger im Rahrbacher Hof getroffen.

Bei der zu bebauenden Fläche handelt es sich um ein Mischgebiet an der L711 zwischen Rahrbach und Kruberg, direkt angrenzend an das Rahrbacher Wohngebiet. Bereits 1989 mit einem Bebauungsplan (B-Plan) beschlossen, soll die Fläche nun dem ortsansässigen Unternehmen McDart zur Verfügung gestellt werden. Zudem wird bei Entstehung eines neuen Gebäudes die Erweiterung der Hauptstraße notwendig. Fehler aus der Vergangenheit sollen vermieden werdenBürgermeister Andreas Reinéry sieht sich in dieser Maßnahme gezwungen: „Es besteht absolute Gewerbeflächennot. Kirchhundem befindet sich am Ende der Nahrungskette, weshalb wir nur zusätzliche Flächen erhalten, sobald alles verbraucht ist und unmittelbar Bedarf besteht. Die Fläche zwischen Rahrbach und Kruberg ist der Restbestand der Planung, die damals Recht geworden ist.“
Die Bürger hingegen fühlen sich hintergangen, denn die damaligen Beschlüsse seien ihnen nicht bekannt. Sie haben Angst vor der Wertminderung ihrer Immobilien im angrenzenden Wohngebiet sowie vor der Einschränkung ihrer Lebensqualität.Industrielle Bebauung liegt nicht im öffentlichen Interesse Der Leiter des Bauamtes Kirchhundem, Björn Jarosz, erläutert den aktuellen Planungsstand und wiederholt: „Das Baurecht besteht. Allerdings gibt es bisher nur erste Gespräche und keinen gültigen Bauantrag.“ Somit ist die Fläche noch nicht verkauft. Dies vertröstet die verärgerten Bürger allredings nicht – sie fühlen sich machtlos.
Bauamtleitung der Gemeinde Kirchhundem Björn Jarosz skizziert den aktuellen Planungsstand.
Um das neu zu bebauende Gebiet liegen weitere große Flächen. Auch dort ist die Sorge vor einer weiterführenden industriellen Nutzung bei den Einwohnern hoch. Im Laufe der Diskussion stellte sich von Seiten des Bürgermeisters auch die gewünschte Verwendung einer zusätzlichen anliegenden Fläche heraus, doch er verdeutlicht: „Natürlich besteht der Gedanke, die neue Infrastruktur zu erweitern. Die Nutzung der anliegenden Fläche ist somit in Überlegung. Für die weiteren freien Grundstücke besteht kein Planungsrecht, daher befinden sie sich auch nicht im Fokus.“
Ortsvorsteher Dr. Christian Jung vertritt sein Dorf und bündelt die Interessen, Wünsche und Möglichkeiten zur direkten Diskussion.
Das Dilemma der Gemeinde Kirchhundem ist ganz klar: „Es gab schon viele Antragsteller zur industriellen Bebauung, aber wir konnten sie nicht bedienen. Wir müssen an neue Grundstücke kommen“, erklärt Bürgermeister Reinéry. Durch sogenanntes „Scoping“ werden die neuen Flächen identifiziert. Aus rechtlichen Gründen dürfen interessante Gebiete der Gemeinde Kirchhundem allerdings nicht genannt werden. Die Bürger sind sich einig: „Hier wird doch Politik gegen die Leute gemacht. Unser Dorf wird verschandelt.“Spagat zwischen Landwirtschaft und Industrie Bürgermeister Andreas Reinéry verspricht: „Wir gehen sehr innovativ und forciert an die Planung.“ Somit sollen auch Fehler aus der Vergangenheit, die zu Industriebrachen unter anderem in Welschen Ennest führten, verhindert werden. So wird eine aktive Steuerung der Prozesse gefordert, die auch die landwirtschaftlichen Betriebe und ihre Entwicklung beachtet.
Die zukünftige Aussicht beunruhigt die Anwohner.
Trotz Verhandlungen und der Verdeutlichung positiver Eigenschaften einer solchen Bebauung, war die bedeutendste Frage des Abends: „Ist es noch möglich, die industrielle Nutzung dieser Fläche zu verhindern?“ Doch die Antwort von Reinéry ist deutlich: „Nach meiner juristischen Bewertung ist es nicht möglich.“ Denn Grundstücke aus einem B-Plan-Verfahren herauszunehmen sei sehr schwierig.

Die Bürger wünschen sich eine gerechtere Verteilung der Flächen. Die schönen Ecken sollen für den Bau neuer Häuser und die unattraktiven für die industrielle Bebauung genutzt werden. Das gestaltet sich allerdings nicht so einfach, denn unter anderem ist der Naturschutz ein wichtiger Aspekt, der vorgibt, welche Flächen wofür genutzt werden können. An diese sind Politik und Verwaltung gebunden. Allen Beteiligten gerecht zu werden sei eine schwierige Aufgabe, die immer wieder zu Enttäuschung bei einer der Parteien führe. 
Andreas Reinéry wünscht sich: „Die Bürger sollten an das Gemeinwesen denken und nicht so destruktiv reagieren.“ Die Hoffnung besteht nun darin, dass sich McDart als lokales Unternehmen auf bestimmte Kompromisse mit den Einwohnern einlässt, um ein angenehmes Zusammenleben zu ermöglichen.
Ein Artikel von Jill Arens

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