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Finnentrop, 01. März 2018

Experten klären über Hintergründe auf

Bürgerinitiative „Gegenwind Frettertal“ informiert über Windenergie

Mehr als 450 Bewohner des Frettertals kamen zur Infoveranstaltung von
Mehr als 450 Bewohner des Frettertals kamen zur Infoveranstaltung von "Gegenwind Frettertal".
Foto: Ina Hoffmann
Serkenrode. Die Interessengemeinschaft „Gegenwind Frettertal“ hatte am Mittwoch, 28. Februar, zu einer Infoveranstaltung rund um das Thema „Windkraft: Wunsch und Wirklichkeit“ eingeladen. Experten informierten etwa 450 besorgte Bewohner des Frettertals über wichtige Fakten rund um Windkraft.

Als im vergangenen Sommer bekannt wurde, dass 14 Windkraftanlagen in nur zwei Kilometer Luftlinie des Serkenroder Ortskerns errichtet werden sollen, waren insbesondere junge Familien besorgt. Erst kurz zuvor waren in Serkenrode zwei Straßenzüge geschaffen worden, wo zahlreiche Häuser von junge Familien gebaut wurden.

Für zwei Berge in zwei Kilometern Luftlinie von Serkenrode sind Windräder mit einer Gesamthöhe von rund 230 Metern geplant worden. Damit wären sie die höchsten Bauwerke der Gemeinde Finnentrop. Zum Vergleich: der Kölner Dom misst gerade einmal 150 Meter Höhe. Dagegen wirken die bisher erbauten drei Windräder mit einer Höhe von 69 Metern noch klein. Lebensraum lebenswert erhaltenInzwischen besteht „Gegenwind Frettertal“ aus 84 Familien aus Serkenrode, Weuspert, Fretter, Schöndelt und Schliprüthen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe unseren Lebensraum lebenwert zu erhalten“, so Johannes Richter von der Bürgerinitiative, der als Moderator durch den Abend führte. Doch nicht alle sind gegen den Bau der Windräder – die Frage nach der Erbauung spaltet das Frettertal. Deshalb sah es die Bürgerinitiative an der Zeit sachlich über das Thema zu informieren.

„Niemand von uns möchte sich dem Einsatz von erneuerbaren Energien entgegensetzen. Wir wollen ja den Lebensraum für uns, unsere Kinder und folgende Generationen schützen und besser machen und nicht zerstören. Atomkraft, Steinkohlekraftwerke und Feinstaubbelastung sind Dinge, die wir nicht möchten. Aber die Windkraft ist nicht das Gelbe vom Ei – wie es aber mit Nachdruck versucht wird, in die Köpfe der Bürger zu setzen. Wir akzeptieren, dass verschiedene Personen wirtschaftliche Interessen verfolgen und so natürlich pro Windkraft sind. Aber es gibt auch die, die erkannt haben, dass Windkraft jeglicher Logik entbehrt.  Und die in erster Linie unser Lebensumfeld lebenswert erhalten wollen und denen unsere Heimat sowie der Personen- und Naturschutz  am Herzen liegt. Dafür möchten wir uns einsetzen“, erklärt Johannes Richter.Wirtschaftlichkeit und WertverlustChristof Gerhard informierte über „Windkraft, Wirtschaftlichkeit und Wertverluste“. So wusste er zu berichten, dass die Windenergie bereits seit 18 Jahren vom Staat subventioniert wird, obwohl mit dem Wind wie auch mit der Sonne lediglich sogenannter Zufallsstrom gewonnen wird. „Denn auch wenn man uns das immer weiß machen möchte, weht eben nicht immer irgendwo Wind“, so Gerhard.

Obwohl der Neubau von Windkraftanlagen seit Jahren stetig zunehme, steige die damit gewonnene Energie nicht an – und das aus einem einfachen Grund: Es sei nach wie vor nicht möglich, den Strom aus Windkraftanlagen zu speichern. So entstehen an windigen Tagen Überproduktionen, die zeitweise sogar das Stromnetz lahmlegen können, und die dann, weil sie nicht gespeichert werden können, zu Negativpreisen ins Ausland verkauft werden müssten.
Christof Gerhard informierte über die Hintergründe der Windkraft.
„Das muss man sich mal vorstellen: Wir zahlen Geld dafür, dass jemand unseren sauberen Strom kauft und müssen im Gegenzug trotzdem Strom aus dem Ausland kaufen, der mit Atomkraftwerken produziert wird, weil die Energie aus Windkraftanlagen nicht beständig genug fließt, um damit unseren Strombedarf zu decken“, gab Gerhard zu bedenken. Mit dem Strom der in einem Jahr auf diese Weise verkauft werden müsse, könnten 1,5 Millionen Haushalte versorgt werden, wenn es möglich wäre den Strom zu speichern. „Solange das nicht möglich ist, ist es absolut unsinnig noch mehr Anlagen zu bauen“, so Gerhards Fazit.

Eine Tatsache, die vielen Bewohnern des Frettertals aufstoßen dürfte, ist der Wertverlust der Wohnhäuser. Denn wie Christof Gerhard informierte, würden durch den Bau der Windkraftanlagen in einem Kilometer Entfernung die Preise der Immobilien um 30 Prozent sinken. Nachteile für VerpächterAuch diejenigen, die überlegen ihr Land an die Betreiber der Windkraftanlagen zu verpachten, sollten laut Gerhard nicht nur an den Profit denken, der pro Jahr immerhin bis zu 50.000 Euro bedeuten könnte. „Letzlich werden die Verpächter häufig zur Verantwortung gezogen, sollte es zu Veränderungen des Trinkwasserspiegels, Bodenkontamination oder anderen Komplikationen kommen. Und der Rückbau der Anlagen bleibt auch oft an den Verpächtern hängen – und der frisst fast 50 Prozent dessen, was als Pacht in 20 Jahren rein kommt“, so Gerhard.Gesundheitsschäden durch InfraschallDr. Joachim Ullrich referierte über die möglichen Gesundheitsgefährdungen, insbesondere Infraschall. Der Infraschall ist für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar, da er unterhalb der Hörgrenze bei etwa 16 Hertz liegt. Deshalb ist er nur durch Druckwellen körperlich spürbar. Die gesundheitlichen Folgen seien laut Dr. Ullrich vielfältig: Störung des Gleichgewichtssinns, Angstzustände, Depressionen, verminderte Leistungsfähigkeit, schnelle Ermüdung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzerkrankungen oder Herabsetzen der Atemfrequenz. „Leider werden die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Infraschall in Deutschland immer noch nicht ernst genommen“, so Dr. Ullrich.

In naher Zukunft werden die geplanten 14 Windräder im Frettertal zwar nicht gebaut, doch nur weil die Gemeinde Finnentrop in der Ratssitzung am Dienstag, 20. Februar, die Planungen für Windkraftanlagen ausgesetzt hat, sind die Pläne noch lange nicht vom Tisch (LokalPlus berichtete): Auf Mehrheitsbeschluss hin wurden die Planungen für maximal zwölf Monate ausgesetzt, bis politische Entscheidungen zu diesem Thema auf Landes und Bundesebene gefällt wurden.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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