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Attendorn, 20. Januar 2018

Neujahrsempfang in Attendorn

Pospischil verspricht Innenstadt-Belebung und fordert Optimismus

Bürgermeister Christian Pospischil überreichte im Namen der Stadt ein Präsent an Arndt G. Kirchhoff. Der Unternehmer referierte im Rathaus über die Zukunft des Automotive-Standortes Attendorn und die Entwicklungen auf dem weltweiten Automarkt.
Bürgermeister Christian Pospischil überreichte im Namen der Stadt ein Präsent an Arndt G. Kirchhoff. Der Unternehmer referierte im Rathaus über die Zukunft des Automotive-Standortes Attendorn und die Entwicklungen auf dem weltweiten Automarkt.
Foto: Stadt Attendorn
Attendorn. Es waren Botschaft und Wunsch zugleich: optimistisch in die Zukunft blicken und stolz auf die Stadt sein. Gründe dafür gebe es jedenfalls mehr als genug, sagte Bürgermeister Christian Pospischil am Freitagabend, 19. Januar, beim gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und DRK Attendorn im Rathaus. Das oft kritisierte Innenstadtentwicklungskonzept sei für die zukunftsfähige Weiterentwicklung der Hansestadt unverzichtbar – und werde bald schon Früchte tragen, so Pospischil.
„Ja, es hat länger gedauert, als wir alle wollten. Die Geduld von Geschäftsbetreibern und Anwohnern wird immer noch auf eine harte Probe gestellt“, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die Situation in der Innenstadt, von Spöttern und Kritikern als „Großbaustelle“ bezeichnet. Die unvorhergesehenen Ausmaße der Arbeiten an Versorgungsleitungen hätten zu den unerfreulichen Verzögerungen geführt, so Pospischil. Die gute Nachricht: „Wir stehen kurz vor der Fertigstellung des ganzen Straßenzuges vom Ennester bis zum Niedersten Tor.“ Damit seien außerdem die wesentlichen Bauarbeiten am „Ring“ um die Innenstadt abgeschlossen.

Und gleichzeitig ein wichtiger Schritt zu „schmucken Geschäftsstraßen“ und einer attraktiveren Innenstadt gemacht worden. Was wiederum notwendig sei, um für den Einzelhandel und Kunden attraktiv sein und den Leerständen in den Ladenlokalen entgegenwirken zu können. Die Aufwertung der Innenstadt ist für den Bürgermeister ein Instrument, um den Einzelhandel zu fördern. Dazu zähle auch die Erweiterung der Rossmann-Filiale. Ein weiteres Instrument seien Investitionen: „Rekordverdächtige“ 8,7 Millionen Euro seien im Haushalt für Grunderwerb in der Innenstadt vorgesehen. Über die genaue Verwendung des Geldes dürfe er sich zwar noch nicht äußern, so Pospischil. Es sei aber nicht zu viel verraten, wenn er von einer möglichen „enormen Hebelwirkung für den Einzelhandel“ spreche. Umgestaltung der Fußgängerzone bis 2020 Dann stellte er die nächsten Bauprojekte vor: Bis 2020 soll die Fußgängerzone „mit dem Marktplatz auf der einen und dem Klosterplatz auf der anderen Seite attraktiv umgestaltet“ werden. Auch den Umbau der Fußgängerzone zwischen „Uhren Gummersbach“ und der Bäckerei König kündigte Pospischil an. Außerdem soll in diesem Jahr der Parkplatz Mühlwiese hinter dem Bahnhof gebaut werden und zunächst 180 Pkw-Stellflächen bieten, die kostenlos genutzt werden können.
Bürgermeister Pospischil (MItte) und Unternehmer Arndt G. Kirchhoff (rechts) mit dem Co-Gastgeber des Neujahrsemfpangs, Martin Diller (Vorsitzender des DRK-Ortsvereins).
Auch in Sachen Kultur- und Freizeitangebote treibe die Hansestadt wichtige Projekte voran, die die Attraktivität der Stadt auch für junge Menschen und Familien entscheidend erhöhen soll – und damit auch für in der Wirtschaft dringend benötigte Fachkräfte. Zunächst nannte Pospischil den 4,2 Millionen Euro teuren Bau des Kinos, der zwischen dem Hansehotel und dem Discounter Lidl entstehen soll. Zweites Großprojekt: die Sanierung des Alten Bahnhofs. „Wir stehen dicht vor dem Abschluss eines Pachtvertrages mit dem potentiellen Betreiber, ein attraktives gastronomisches Konzept und die Unterstützung einer Brauerei sind garantiert“, verriet Pospischil. Sobald die Verträge unterschrieben sind, werde die Sanierung des Gebäudeinneren wohl noch ein halbes Jahr dauern. Lob für heimische Unternehmen Der „lang ersehnte“ Umbau des Bahnhofs selbst soll 2019 beginnen. Die Immobilie soll dann das Jugendzentrum, eine Gaststätte und einen Saal für Kultur-Events beherbergen. „Mit diesen Projekten werden wir das Freizeitangebot in der Stadt erheblich verbessern und die Innenstadt spürbar beleben“, sagte Pospischil.

Zuvor hatte der Bürgermeister die Attendorner Unternehmen gelobt, die nicht nur erfolgreich, sondern auch zukunftsorientiert arbeiteten und investierten. Damit sicherten die heimischen Firmen „auch die Zukunft des Standortes Attendorn“. Umso wichtiger sei es, „wieder eine vorausschauende Flächenpolitik, die uns so stark gemacht hat“ zu verfolgen, wenn es um die Ausweisung neuer Gewerbeflächen geht. Dass der Rat im September einen neuen Bebauungsplan für das Industriegebiet Fernholte beschlossen hatte, sei wichtig. Pospischil ist zuversichtlich, den „Durchbruch“ für die 26 Hektar große neue Industrieansiedlung schaffen zu können. Kritik an der Bürgerinitiative Eckenbachtal Dass die Bürgerinitiative Eckenbachtal „schon wieder“ eine Klage gegen die angestrebte, aber noch nicht erteilte  wasserrechtliche Genehmigung angekündigt habe, sei der Beweis dafür, dass es „hier um pure Verhinderung und nicht um ökologische Belange geht“. Der Bürgermeister betonte, dass die Stadt zusammen mit Experten eine sinnvolle ökonomische wie ökologische Planung erarbeitet habe. Auch aus diesem Grund sollten die Mitglieder der Bürgerinitiative darüber nachdenken, dass sie „auch eine Verantwortung für das Gemeinwohl“ hätten.
Etwa 190 Personen aus Politik, Wirtschaft, Vereinen, Ehrenamt, Rettungswesen und Ehrenpersonen waren beim Neujahrsempfang erschienen. Nach dem offiziellen Teil hatten alle Anwesenden reichlich Gelegenheit, sich auszutauschen.
Zwei weitere Themen, auf die Pospischil kurz einging: der flächendeckende Breitbandausbau, der bis Mitte 2019 abgeschlossen sein soll, und die Optimierung der L512 zwischen Attendorn und Olpe. Dieser Streckenabschnitt sei die „Lebensader der Industrie“. Umso wichtiger sei der Baubeginn für das Stützkorsett an der Ihnetalbrücke zum Jahresanfang gewesen. Weitere Ideen für die L512, mit denen die Stadt bei den zuständigen Behörden vorstellig geworden sei: ein teilweise dreispuriger Ausbau der Strecke, eine Überholspur zwischen Kraghammer Sattel und Schnüttgenhof und ein „Turbo-Kreisel“ an der Kreuzung bei Neu-Listernohl. Auch eine vierte Spur stadteinwärts bis zur Einmündung der Kölner Straße sei sinnvoll. Warnung vor „Twersigkeits-Folklore“ Attendorn habe also noch viel vor. „Twersigkeits-Folklore“ und das „Kaputtreden“ von Projekten seien da wenig hilfreich. Zumal die Hansestadt auch schon einiges erreicht habe. Die Fortschritte an der Ennester Straße und am Feuerteich seien ließen erste Erfolge, die zeigen, wie die Zikunft aussehen soll. „Und meinen Sie nicht auch, dass uns das optimistisch für die kommenden Veränderungen stimmen sollte? Und meinen Sie nicht, dass wir mal wieder stolz sein sollten auf unsere Stadt?“, fragte Pospischil an alle Bürger gewandt. Viele andere Kommunen würden Attendorn jedenfalls beneiden, weil es sich „hier so gut leben lässt“.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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