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Attendorn, 09. November 2017

Stadtrat Attendorn entscheidet

Neue Höchstspannungs-Leitung: Mehrheit für „2/3 zu 1/3“-Lösung

Neue Höchstspannungs-Leitung: Mehrheit für „2/3 zu 1/3“-Lösung
Symbolfoto: Sven Prillwitz
Attendorn. Das öffentliche Interesse an der Ratssitzung am Mittwoch, 8. November war groß. Wesentlichen Anteil daran hatte der Tagesordnungspunkt vier, bei den es um den Trassenverlauf für die Höchstspannungsleitung zwischen Attendorn und Ennest ging und um die Anträge der Interessengemeinschaft (IG) Osterschlah sowie der Bewohner der Münchener Straße. Und es wurde ausführlich diskutiert über den Verlauf der neuen 380 Kilovolt-Leitung.

Wie groß soll der Abstand zur Münchener Straße und zur Osterschlah sein? Diese Frage ist der Kern der Diskussion, die nicht nur unter den Anwohnern geführt wird. Bei der sogenannten „50:50“-Lösung würde die Trasse mittig zwischen beiden Wohngebieten verlaufen. Dafür sprechen sich die Bewohner der Münchener Straße aus. Und das wurde auch mit einem Beschluss vom 10. Dezember 2014 als konkrete Positionen der Stadt gegenüber der Amprion GmbH vertreten.

Doch die IG Osterschlah möchte eine „2/3 zu 1/3“-Lösung, sprich: Die Leitung soll näher an die Münchener Straße und weiter weg von der Osterschlah verlaufen. Begründung: Die Grundstückeigentümer der Münchener Straße hätten ihre Grundstücke schon mit der 220-Kilovolt-Leitung gekauft, die es dort seit Jahrzehnten gibt. Das habe sich auf die Grundstückspreise ausgewirkt und sie eine bewusste Entscheidung gewesen. Diskussionen um Magnetfelder und Grenzwerte Das Thema Immissionsminimierung für die Anwohner bleibt weiterhin vorrangiges Ziel. Für die möglicherweise krebserregenden Magnetfelder um Hochspannungsleitungen gilt der deutsche Grenzwerte von 100 Mikro-Tesla. Wie relativ dieser Grenzwert ist, machte Bürgermeister Christian Pospischil am Mittwoch selbst deutlich. „In der Schweiz liegt der Grenzwert bei 1 Mikro-Tesla“. Trotzdem seien die Werte, die von der 380kv Leitung ausgehen würden, nach derzeitigem Wissenstand im unteren einstelligen Bereich.

Da Amprion im Zuge des Planfeststellungsverfahrens im Frühjahr seine Pläne bei der Bezirksregierung Arnsberg für eine Baugenehmigung einreichen will, hat die Stadt jetzt die Möglichkeit, auch noch eine Eingabe mit ihren Wünschen zu machen. „Wir entscheiden aber letztlich nicht über den Verlauf der Trasse“, machte Pospischil deutlich. „Das liegt nicht in unserer Hand.“ CDU stimmt als einzige Fraktion für "50:50" Und dann wurde abgestimmt. SPD, UWG und die Fraktion FDP/Grüne sprachen sich für die „2/3 zu 1/3“-Lösung aus. Die CDU dagegen blieb bei ihrem Standpunkt aus dem Jahr 2014 und der Favorisierung der „50:50“-Lösung. Marius Becker (Grüne) wies darauf hin, dass Amprion auch wenig Zeit habe und die Interessensgemeinschaft Osterschlah eine Klage für möglich halte.

Letztlich wurde mit 21 Ja- und 16 Gegenstimmen der „2/3 zu 1/3“-Antrag als Position für die Stadt angenommen. Einig waren sich alle, dass sich die Stadt für den Bau von Kompakt- anstelle von Stahlmasten aussprechen solle und eine Erdverkabelung vor allen andere die Vorranglösung wäre.
Hintergrund

Die Leitung, die von Kruckel bei Dortmund über 113 Kilometer nach Dauersberg in Rheinland-Pfalz führen soll, ist notwendig, um den Strom aus den Windparks an der Küste nach Süddeutschland zu transportieren. Diese Leitung „berührt“ Wenden, Olpe sowie Lennestadt in Randbereichen. Attendorn hingegen ist stark betroffen. Wie die bereits bestehende 220-kV-Leitung wird sie an der Wohnbebauung im Bereich Schwalbenohl vorbeiführen und vor allem im Repetal (Helden/Mecklinghausen) dicht über den Häusern hängen.

Das derzeit diskutierte Gebiet verläuft von der Grenze zur Stadt Plettenberg bis zum Baubetriebshof in Attendorn. Hier soll die Trasse weitgehend den bereits bestehenden 220- und 110-kv-Hochspannungsleitungen folgen; die neue 380-kv- und die bestehenbleibende 110-kv-Leitung sollen gemeinsam an jeweils einem, dafür aber mit 68 Metern deutlich höherem Mast aufgehängt werden.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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