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Attendorn, 29. September 2017

Widerspruch der SPD-Fraktion

L512 zwischen Attendorn und Olpe: Wissenschaftler rät von Ausbau ab

L512 zwischen Attendorn und Olpe: Wissenschaftler rät von Ausbau ab
Symbolfoto: Nils Dinkel
Attendorn. Geduld dürfte noch lange eine wichtige Tugend bei Autofahrern sein, die zwischen Attendorn und Olpe unterwegs sind, denn: Die Baumaßnahmen an der L512, die die beiden Nachbarkommunen miteinander verbindet, werden voraussichtlich erst 2022, im Jahr des 800. Geburtstags der Hansestadt endgültig abgeschlossen sein. Von einem Ausbau rät Prof. Dr.-Ing. Jürgen Steinbrecher von der Universität Siegen nach eingehender Analyse ab.

In der Ratssitzung am Mittwoch, 27. September, ging Projektplaner Winfried Behle vom Landesbetrieb Straßen.NRW zunächst auf den Zustand der Landstraße L512 zwischen Olpe und Attendorn ein. Steinbrecher legte anschießend die Ergebnisse seiner vor zwölf Jahren in Auftrag gegebenen Analyse der „Lebensader“ (O-Ton Bürgermeister Christian Pospischil), der Verkehrsbelastung und ihrer Bedeutung vor. Steinbrecher kommt darin zu dem Ergebnis, dass…
  • es beim Unfallgeschehen zu einer deutlichen Verbesserung gekommen ist seit der Einführung des Geschwindigkeitskonzeptes 50/70 Stundenkilometer.
  • die Fahrzeit gegenüber 2005 um rund eine Minute zugenommen hat.
  • es bei der Kolonnenbildung keine signifikanten Veränderungen gegeben hat.
  • die touristische Bedeutung der Strecke zunimmt.
  • die Erschießung- und Sicherheitskonzepte der Parkplätze und touristischen Ziele entlang der L512 im Konflikt zu den Ansprüchen an eine höhere Fahrgeschwindigkeit stehen.
Daher rät der Expert davon ab, die maximal zulässige Geschwindigkeit zu erhöhen. Weder die moderate Option 60/80 Stundenkilometer oder gar die Option 100 km/h seien ratsame Alternativen, so Steinbrecher. Der Wissenschaftler lehnt auch einen Komplettausbau auf eine dreispurige Fahrbahn mit wechselseitiger Überholspur ab. Dafür kommt für ihn als „punktuelle Verbesserung“ ein Kreisverkehr oder eine Ampel bei der Einmündung der K 13 auf die L512 (Dumicketalbrücke/„Bigge-Grill“) infrage. Unterm Strich riet Steinbrecher also von einem Ausbau der L512 ab. SPD: Ausbau wegen Mehrbelastung unumgänglich Das sah die SPD-Fraktion anders. Wolfgang Langenohl wiederholte den bereits 2014 von den Sozialdemokraten gestellten Antrag auf den Ausbau der Landesstraße. Er begründete das mit der großen Bedeutung, die diese Straße für den Industriestandort Attendorn, aber auch für die Bürger insgesamt habe. „Schließlich stellt die L512 neben der L539 in Richtung Meinerzhagen die einzige Anbindung an das Autobahnnetz dar“, sagte Langenohl.

„Aufgrund der erwarteten Mehrbelastung der Straßen in den kommenden Jahren, nicht zuletzt beeinflusst durch die geplante Erschließung des Gewerbegebietes Fernholte-Eckenbach, ist ein Ausbau zwingend erforderlich, um den wachsenden logistischen Anforderungen auch in Zukunft gerecht werden zu können“, argumentierte Langenohl. „Daher beantrage ich im Namen der SPD-Fraktion Attendorn den Bürgermeister, Kontakt mit dem  zuständigen Landesministerium für Verkehr aufzunehmen und sich entgegen der gutachterlichen Empfehlung für einen (partiellen) Ausbau der L512 einzusetzen.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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