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Attendorn, 16. Februar 2017

Vierzügigkeit und Schuleinzugsgebiet abgelehnt

Hanseschule: Bezirksregierung Arnsberg sorgt in Attendorn für Unverständnis

Hanseschule: Bezirksregierung sorgt in Attendorn für Unverständnis
Symbolfoto: © Syda Productions / Fotolia
Attendorn. Die Stadt Attendorn kämpft weiter für eine dauerhafte Vierzügigkeit der Hanseschule und eine Garantie, dass alle angemeldeten Kinder aus der Hansestadt an der Sekundarschule angenommen werden. Zu diesem Zweck traf der Stadtrat in der vergangenen Woche zwei Dringlichkeitsentscheidungen (LokalPlus berichtete). Die Bezirksregierung Arnsberg hat beide Vorhaben zunächst ausgebremst – und im Attendorner Rathaus für Unverständnis und Verärgerung gesorgt.

Der städtische Schulentwicklungsplan sieht vor, dauerhaft vier Eingangsklassen zu bilden, weil seit einigen Jahren eine konstant hohe Anzahl an Anmeldungen aus dem Märkischen Kreis bei der Sekundarschule eingehen. Darauf will sich die Bezirksregierung jedoch nicht einlassen, schreibt die Stadt Attendorn in einer am Donnerstag, 16. Februar, veröffentlichten Pressemitteilung. Begründung: Die erwartete Anmeldezahl von Schülern, die in der Hansestadt wohnen, begründe lediglich eine Dreizügigkeit. Zugänge aus anderen Kommunen könnten bei der Festlegung der Zügigkeit nicht berücksichtigt werden. Außerdem, so die Bezirksregierung weiter, müssten alle Kinder beim Anmeldeverfahren unabhängig vom Wohnort gleichberechtigt behandelt werden. 

Einen schriftlichen Bescheid hat es aus Arnsberg hierzu jedoch bis heute nicht gegeben. „Vielmehr wurden kurzfristig Unterlagen angefordert, die in Anbetracht des anstehenden Anmeldeverfahren unmöglich fristgerecht einzureichen waren“, ärgert sich Schulamtsleiter Frank Burghaus über die Vorgehensweise der Bezirksregierung. Stadt sieht sich als Schulträger im Recht Auch für den zweiten Dringlichkeitsbescheid des Rates gab es aus Arnsberg keine Zustimmung. Danach legt die Stadt Attendorn als Schulträger das Stadtgebiet als Schuleinzugsgebiet fest. Damit sollte sichergestellt werden, dass in der Hansestadt wohnende Schüler bevorzugt behandelt werden, wenn mehr Anmeldungen eingehen als Plätze frei sind. „Laut Schulgesetz erfolgt die Aufnahme durch die Schulleitung in einem vom Schulträger festgelegten Rahmen“, erklärt Burghaus. Diesen Beschluss habe die Stadt auch dem Rektorat der Sekundarschule als festgelegten Rahmen mitgeteilt.

Mittlerweile habe die Bezirksregierung aber die Schulleitung als Dienstherrin angewiesen, Aufnahmekriterien festzulegen, wonach Schüler aus Attendorn und anderen Kommunen gleichberechtigt zu behandeln sind. Bürgermeister Christian Pospischil erwartet von der Bezirksregierung zumindest eine schriftliche und juristisch überprüfbare Begründung für ihr Vorgehen – und weist außerdem auf ein zusätzliches Problem hin. Pospischil: Klassen mehr als ausgelastet „Insgesamt liegen 96 Anmeldungen für unsere Sekundarschule vor. Bei einer Dreizügigkeit dürfen wir maximal 87 Kinder annehmen. Unabhängig von den Ablehnungen und unabhängig vom Wohnort der aufgenommenen Schüler haben wir damit 29 Kinder in jeder Klasse, in der dann auch noch Inklusion und Integration stattfinden soll. Eine Aufnahme von Seiteneinsteigern wie z.B. Flüchtlingskindern und Kindern aus anderen Schulformen ist dann nicht mehr möglich“, gibt Pospischil zu bedenken.

Der Bürgermeister legt nach: „Im Attendorner Rathaus vermisst man insgesamt die Orientierung am Elternwillen.“ Aus Attendorner Sicht eine erneute Ausnahmegenehmigung als „Zwischenlösung“ zielführender gewesen, „denn:
  1. auch in den vergangenen drei Jahren habe Arnsberg eine jeweils einmalige Ausnahmegenehmigung zur Vierzügigkeit erteilt.
  2. man hätte das kommende Jahr dazu nutzen können, alle geforderten Unterlagen für eine dauerhafte Vierzügigkeit einreichen zu können.
  3. keine Schülerin oder Schüler müsste abgelehnt werden.
  4. vier Klassen hätten eine Größenordnung entsprechend der gesetzlichen Klassenrichtzahl von 24 bis 25 Kindern gehabt.
  5. es hätte Freikapazitäten für Seiteneinsteiger gegeben.
  6. die Klassengröße hätte eine Förderung von Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf einfacher gemacht.“
 
Unabhängig vom derzeitigen Sachstand will die Hansestadt Attendorn das Ziel einer dauerhaften Vierzügigkeit mit Nachdruck weiter verfolgen. Pospischil: „Wir wollen die Angelegenheit nicht auf dem Rücken der Eltern und ihrer Kinder austragen und diese auf noch längere Zeit im Ungewissen lassen, ob eine Beschulung an der Hanseschule im kommenden Schuljahr erfolgen kann. Wir rufen die Bezirksregierung aber dringend auf, unseren Antrag verbindlicher als bisher zu bearbeiten und sich in der Sache stärker am Willen der Eltern in Attendorn und Umgebung zu orientieren.“
(LP)

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