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Attendorn, Attendorn-Petersburg, 15. Juni 2016

Einwohner und Flüchtlinge berichten über Erfahrungen / Bürgermeister informiert über Asylsituation

Fazit: Gelungenes Miteinander

Gelungenes Miteinander von Einwohnern und Flüchtlingen
Fotos: Barbara Sander-Graetz
War das Gemeindehaus in Petersburg im Oktober noch proppenvoll gewesen, waren es am Dienstag, 14. Juni, lediglich zwei Dutzend Einwohner, darunter auch mehrere Flüchtlinge, die zur Bürgerversammlung erschienen. Bürgermeister Christian Pospischil löste mit der Veranstaltung sein Versprechen aus dem Vorjahr ein, die Situation in Petersburg, Papiermühle und Neu-Listernohl zu betrachten – und eine Bilanz zu ziehen, nachdem vor Monaten auf dem Grundstück der evangelischen Kirchengemeinde in Petersburg ein Wohncontainer für Flüchtlinge aufgestellt worden war.

Wolfgang Dröpper als Hausherr begrüßte zunächst die Anwesenden, bevor Christian Pospischil eine kleine Übersicht der Lage gab. Habe man im letzten Herbst noch rund 25 Flüchtlinge pro Woche unterbringen müssen, seien die Zuweisungen zuletzt stark und spürbar zurückgegangen. „Zurzeit haben wir 300 Asylsuchende im Stadtgebiet untergebracht und für weitere 300 Menschen die Möglichkeit der Unterbringung geschaffen“, so Pospischil. Dafür stünden Container in Ennest, Helden und im Gewerbegebiet Donnerwenge sowie das ehemalige Forsthaus in Neu-Listernohl bereit. „Aber wir können die Hände nicht in den Schoss legen. Wir wissen nicht, wann, ob und wie viele neue Hilfesuchende uns zugewiesen werden. Außerdem ist es jetzt die Aufgabe, die Menschen hier zu integrieren. Diese Aufgabe ist langwieriger als die Unterbringung“´, betonte der Bürgermeister.
Christian Pospischil (rechts).

Diese Aufgabe der Integrierung wird von vielen freiwilligen Helfern in Neu-Listernohl, Papiermühle, Petersburg und dem Ihnetal erfüllt. „Es gab so viel Hilfe und Unterstützung, dass am Ende drei Kinder zehn Bobby-Cars hatten“, erklärte Hans-Werner Scharioth, Vorsitzender des Dorfvereins Neu-Listernohl. Rund 30 ehrenamtliche Helfer betreuen derzeit albanische, syrische, ägyptische und irakische Familien, die sowohl im Ihnetal als auch in Petersburg untergebracht sind. Dabei bezieht sich die Hilfestellung nicht nur auf Sachspenden für den täglichen Bedarf, sondern auch auf praktische Lebenshilfe, Begleitung zu Amts- oder Arztterminen, regelmäßige Besuche und integrative Maßnahmen wie eigene Sprachkurse.
Hans-Werner Scharioth.
Überhaupt sei man mit seinen Aufgaben gewachsen. „Die heutigen Herausforderungen sind auch ganz anders als am Anfang. Man hat sich jetzt kennengelernt und das Erlernen der Sprache steht nun im Vordergrund“, resümiert Alberto Zulkowski vom „Arbeitskreis Flüchtlinge.“

Dafür soll es jetzt Integrationskurse geben. „Wir brauchen für diese Zeit eine Kinderbetreuung. Am besten im selben Gebäude wie die Sprachkurse, da die Kinder und ihre Eltern nicht so lange getrennt werden können und sollten“, wünschten sich die ehrenamtlichen Helfer. Das Pfarrhaus in Attendorn sei ein idealer Ort, denn die Kurse finden an drei Tagen statt. „Es ist für Kinder und Eltern beruhigend, wenn man weiß, der andere ist im Nebenraum und jederzeit erreichbar“, so Mechthild Feldmann. Die Bürokratie, so Hans-Werner Scharioth, sei allerdings das größte Problem. „Bis die Menschen überhaupt im Asylverfahren sind, vergehen Ewigkeiten. Da haben wir auf der einen Seite Arbeitgeber, die Stellen und Praktika anbieten, und auf der anderen Seite Asylsuchende, die Interesse haben, aber die Mühlen des BamF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Anm. d. Red.) arbeiten langsam. Und bevor man nicht in dem Verfahren ist, darf man keinen Job annehmen.“ Immerhin: Bürgermeister Pospischil bestätigte, dass nun alle Asylsuchenden aus dem Stadtgebiet in einem laufenden Verfahren seien.

Dass die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann, zeigte das Beispiel von Omar Alhaffa und Machmud Hussein. Die beiden Flüchtlinge haben einen bei Catering Rüsche bzw. bei Reifen Stutte gefunden. WLAN-Versorgung im Fokus Ein weiteres Anliegen, was die Helfer und Asylsuchende an die Stadt haben, ist die Versorgung mit WLAN. Jörg Dingerkus, Geschäftsführer von Computerpoint und Neu-Listernohler, erklärte sich bereit, einen Freifunk zu installieren, wenn sich unmittelbare Nachbarn bereit erklärten, ihr WLAN zu öffnen. „Die einfachste Lösung wäre es, für die Unterkünfte bei der Telekom einen Telefonanschluss zu beantragen. Dann wird automatisch das Internet mit gelegt.“ Christian Pospischil wies außerdem auf das Spendenkonto der Sparkassenstiftung hin. „Stellen Sie ruhig Anträge auf Unterstützung, wenn sie Dinge benötigen. Von den 50.000 Euro stehen noch rund 30.000 Euro bereit.“

Fazit des Abends: Alle im Vorjahr geäußerten Bedenken hinsichtlich der Unterbringung von Flüchtlingen waren völlig unnötig. Es habe keine großen Konfliktsituationen gegeben, und die Flüchtlinge fühlten sich wohl und aufgenommen. „Man kann es gar nicht oft genug sagen“, so der Bürgermeister, „aber ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das nicht möglich.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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