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Attendorn, 09. Februar 2018

Kritik an Netzbetreiber Amprion

Familie aus Helden kämpft für Kompaktmasten-Lösung

Familie aus Helden kämpft für Kompaktmasten-Lösung
Symbolfoto: Barbara Sander-Graetz
Helden. Rita Rüenauver aus Helden ist fassungslos: „Amprion will seine 380-Kilovolt-Höchstspannungs-Freileitung über unser Grundstück verlegen und einen Stahlgittermast dort bauen, obwohl wir das als Eigentümer ausdrücklich abgelehnt haben.“ Rund 29.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche, die ihrer Familie gehören, seien von dem Bauvorhaben des Netzbetreibers betroffen.

Für 80 Jahre sollen der Mast und die Leitung dann auf ihrem Land bleiben. Bei der Offenlegung der Planungsunterlagen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens habe sie gesehen, dass Amprion ihre Ablehnung des Vorhabens anscheinend ignoriert. Denn: Der Netzbetreiber habe diese Variante bei der Bezirksregierung in Arnsberg zur Genehmigung eingereicht.

Doch Familie Rüenauver will das nicht klaglos hinnehmen. „Das ist so, als wollten Sie bei Ihrem Nachbarn auf dem Grundstück bauen, obwohl es Ihnen gar nicht gehört und er das abgelehnt hat. Wir haben einen Anwalt hinzugezogen und werden klagen“, kündigt Rita Rüenauver an. Ein Kompromiss hingegen käme für sie infrage: „Anstelle eines Stahlgittermasts wird ein Kompaktmast errichtet. Dann wären wir bereit, dem vorgeschlagenen Verlauf der Leitung zuzustimmen. Das ist sicher eine gute Lösung für alle.“ Hochspannung im Repetal – eine lange Geschichte Amprion und der Verlauf der Hochspannungsleitung im Repetal – eine Geschichte mit vielen Kapiteln. Zunächst wurde beschlossen, eine Hochspannungsleitung als Erdkabel zu verlegen. „Für diese sogenannte Westtangente wurde 2014 ein Ratsbeschuss erwirkt, und alle waren zufrieden“, erinnert sich Rita Rüenauver. „Doch passiert ist nichts. Der Beschluss wurde nicht umgesetzt. Dann kamen Bedenken bei Flora und Fauna, und das ganze verschwand in der Schublade.“

Amprion wollte als nächstes den jetzigen Verlauf der 220-kv-Leitung für die neue Höchstspannungsfreileitung nutzen. „Besonders betroffen von der Strahlung sind die Bewohner der Straße ,Auf´m Melm´. Krebserkrankungen gibt es hier häufig. Schließlich wurde daher die ,Bogenvariante´ erstellt, und die geht unter anderem über unser Grundstück“, seufzt Rita Rüenauver. „Wir wollen natürlich auch, dass die Strahlenbelastung für die Heldener so gering wie möglich ist, aber einfach über unseren Kopf hinweg zu planen, geht auch nicht.“ Kritik an der Stadt Rita Rüenauver und ihre Familie fühlen sich von der Stadt Attendorn im Stich gelassen. „Ich habe mehrfach bei der Stadt um Stellungnahme gefragt und mir Unterstützung erbeten, aber hier stoße ich oft auf großes Schweigen. Die Stadt hat jetzt einstimmig im Rat beschlossen, sich für Kompaktmasten auf der Strecke auszusprechen, aber die letzte Entscheidung liegt bei Amprion.“ Daher habe sie erhebliche Zweifel daran, dass der Ratsbeschluss für den Netzbetreiber eine Rolle spielen wird, denn: „Der letzte Ratsbeschluss für eine Erdverkabelung wurde auch nicht umgesetzt“, so Rüenauver.

Direkten Kontakt zu Amprion zu bekommen, habe sich als äußerst schwierig erwiesen. „Die Anfrage, auf unserem Grund zu bauen und die Leitung darüber zu verlegen, kam im Januar 2016. Uns wurden dann im Februar 2016 die Unterlagen, ein Angebot und die Bitte um einen Termin geschickt, was wir abgelehnt haben. Danach war Amprion nicht mehr für uns zu erreichen. Somit können wir auch nicht unseren Kompromissvorschlag in Form eines Kompaktmastes unterbreiten“, erklärt die Heldenerin. Einwendungen bis Anfang März möglich Familie Rüenauver hat die jetzige Planung nicht allein abgelehnt. Drei weitere Familien mit nicht unerheblich von dem Höchstspannungs-Vorhaben betroffenen Flächen haben sich ebenfalls dagegen ausgesprochen. „Amprion droht, dann den alten Trassenverlauf zu nehmen, den keiner will. Aber so einfach ist das nicht, denn der ist im Planfeststellungsverfahren gar nicht aufgeführt“, weiß Rita Rüenauver, selbst Juristin.

„Wir hoffen, dass uns die Heldener darin unterstützen und die Gelegenheit zur Einsichtnahme in die Planungsunterlagen bis zum 22. Februar im Internet oder im Rathaus Attendorn nutzen und sich ihrerseits durch entsprechende Einwendungen für den Bau von Kompaktmasten einsetzen“, sagt Rüenauver. Ganz wichtig: Bis spätestens zwei Wochen nach dem 22. Februar müssen die Einwendungen vorgebracht werden.

Aufgeben kommt für Rita Rüenauver jedenfalls nicht infrage. „Noch ist die Bogenvariante nicht in trockenen Tüchern. Das sollte den Heldenern bewusst sein“, sagt sie Ansonsten könnte ein weiteres Kapitel zum Thema Amprion und 380-kv-Leitung aufgeschlagen werden.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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