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Attendorn, 14. Januar 2017

Neben viel Lob gibt es auch Kritik

Bürgermeister macht überraschenden Vorschlag

Der Alte Bahnhof in Attendorn soll nach Plänen des Bürgermeisters umgestaltet werden.
Der Alte Bahnhof in Attendorn soll nach Plänen des Bürgermeisters umgestaltet werden.
Foto: Barbara Sander-Graetz
Attendorn. „Ich glaube, wir schaffen einen echten Mehrwert für Attendorn, wenn wir das Jugendzentrum vom Heggener Weg in den Bahnhof verlagern.“ Mit diesem Vorschlag überraschte Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil die Gäste des Neujahrsempfangs am Freitagabend, 13. Januar, im Ratssaal der Stadt Attendorn.

Er sei „die Fortsetzung des bisherigen Gewürges“ leid, fuhr Pospischil fort. Durch den neuen Plan könne der Bahnhof sinnvoll ins Stadtgeschehen eingebunden werden. Laut Pospischil könnte die Gaststätte saniert und weiter betrieben werden. Ebenso könnten neue Räumlichkeiten, darunter der oft geforderte, multifunktionale Veranstaltungsraum für kulturelle Veranstaltungen entstehen und vom Jugendzentrum (JuZ) als Hauptmieter sowie von örtlichen Vereinen und Gruppierungen genutzt werden.

Otto Haberkamp, Leiter des JuZ, begrüßte den Vorschlag auf Nachfrage von Lokalplus. „Wir sind begeistert und halten das für eine tolle Lösung. Das Angebot für die Jugendlichen wäre direkt in Attendorn zu finden. Gleichzeitig könnten Vereine und Gruppen den angedachten Multifunktionsraum für ihre Belange nutzen. Das ist eine gute Sache.“ Über die künftige Nutzung der jetzigen Räume des JuZ am Heggener Weg gibt es noch keine Pläne. Reaktionen nicht nur positiv Andreas Luke, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Alter Bahnhof Attendorn, zeigte sich verhaltener: „Wir haben am Dienstag um ein Gespräch mit der Verwaltung gebeten, um für unsere Planungen eine zeitliche Verlängerung zu bekommen. Da wurden uns die Vorstellungen der Verwaltung mitgeteilt. Gut wäre, dass dann nicht die Bagger vor der Tür stünden und das Investorenmodell vom Tisch wäre. Der Bahnhof läge dann wieder in der Verantwortung der Stadt. Ein richtiges Konzept hat die Stadt allerdings auch noch nicht. Bis jetzt ist die Unterbringung des JuZ im Gebäude des alten Bahnhofs nicht mehr als eine Überschrift.“

Jens Leiendecker, Vorsitzender des Vereins Alter Bahnhof, sieht den Vorschlag grundsätzlich als ein positives Zeichen: „Es ist gut, wenn die Stadt die Verantwortung für das Gebäude übernimmt. Allerdings wundert es mich, dass die Verwaltung das nicht schon 2015 gemacht hat und woher der plötzliche Sinneswandel kommt. Auch bei dem Ausdruck ‚Gewürge’ schwillt mir der Kamm. Wir haben uns zwei Jahre ehrenamtlich für den alten Bahnhof engagiert und es stößt mir auf, das jetzt so getan wird, als hätten wir nichts auf die Kette bekommen. Dabei hat die Stadt selbst vieles blockiert.“ Leiendecker machte ebenso deutlich, dass die Idee eines Bürgerhauses ein Projekt der Regionale war. Da aber die Wirtschaftlichkeit nicht dargestellt werden konnte, musste ein Schnitt gemacht werden und es folgte 2015 ein Wechsel im Vorstand. Offene Fragen Sorgen macht sich der Verein auch über die Vorstellungen der Stadt von einer Teilsanierung und eines Teilneubaus des Bahnhofes. Die Frage, ob und welche Teile des Bahnhofes abgerissen werden oder nicht, dürfte für Diskussion sorgen.

„Meine Damen und Herren. Ich glaube, mit diesem Vorschlag könnten wir ein neues Kapitel aufschlagen“, schloss Christian Pospischil seine Ausführungen beim Neujahrsempfang ab. „Die berechtigten Forderungen nach Platz für Jugend, Kultur und Begegnung in der Stadt würden endlich erfüllt. Gleichzeitig hätten wir die Verantwortung zwischen Stadt, Jugendzentrum und Ehrenamtlichen vernünftig verteilt und eine nachhaltige Nutzung sichergestellt. Der Alte Bahnhof würde nicht länger als Synonym für eine quälende Diskussion stehen, sondern für ein spannendes Projekt in der Stadt, in das möglichst viele Bevölkerungsteile eingebunden werden sollen. Dafür strebe ich eine breite Diskussion in den nächsten Wochen und einen politischen Grundsatzbeschluss des Stadtrates im März an. Machen wir uns 2017 auf den Weg!“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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