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Attendorn, 28. September 2017

Diskussionen im Attendorner Rat

Bebauungsplan Nr. 74 n „Fernholte“ ist beschlossen

Bebauungsplan Nr. 74 n „Fernholte“ ist beschlossen
Attendorn. Mit der Gegenstimme von Alberto Zulkowski (SPD) hat der Rat der Stadt Attendorn am Mittwochabend, 27. September, den Bebauungsplan Nr. 74 n „Fernholte“ beschlossen. Bis zuletzt hatte die Bürgerinitiative „Eckenbachtal“, vertreten durch die Vorsitzende Marion Garra und Stellvertreter Wendelin Heinemann, versucht, das Vorhaben zu stoppen.

Die Stadt sieht den Beschluss als einen weiteren entscheidenden Schritt bei der Umsetzung des Industriegebietes „Eckenbachtal“. Wendelin Heinemann hingegen bescheinigt der Stadt: „Wir sehen uns vor Gericht wieder. Es war für die Stadt teuer und es wird für sie teuer.“ Eine Verabschiedung des Bebauungsplans beruhe seiner Meinung nach „auf falschen Daten.“

Schon zu Beginn der Ratssitzung hatte Marion Garra bei der Einwohnerfragestunde „mehr Sachlichkeit in der Auseinandersetzung“ gefordert.  Da waren in hitzigen Debatten Begriffe wie „Minderheitenstörer“ „Ökostalinisten“ oder „ihnen des Garaus machen“ gefallen. Gerade letztere Äußerung könne man auch als einen Aufruf zur Gewalt deuten. „Aber“, so Garra, „das dürfte wohl als Ausruf im Eifer des Gefechtes gesehen werden.“ Ökologie wird verbessert Trotz aller Forderungen nach Sachlichkeit waren beim Thema Industriegebiet Eckenbachtal die Emotionen immer dabei. So beklagte sich Wendelin Heinemann, dass nie ein Bürgermeister von Stumpf über Hilleke bis Pospischil vor Ort gewesen sei. Man habe auch keine Einladung bekommen, konterte Pospischil. „Wir wollen das Gewerbegebiet entwickeln und eine ökologische Balance gewährleisten. Dabei sollten nicht irgendwelche Gründe gefunden werden, um die Erschließung zu verhindern“, wünschte sich Pospischil.

Martin Plückebaum, Umwelt- und Gewässerschutzbeauftragter der Stadt, legte ausführlich die Pläne zum Schutz der Quellen auf dem Gebiet dar: „Wir haben anschließend eine deutlich verbesserte Ökologie als bei der jetzigen Ist-Situation.“ Zurzeit sei diese eine landwirtschaftlich genutzte Fläche ohne Artenvielfalt. Auf Gewerbegebiet angewiesen Die Stadt ist dringend auf das neue Gewerbegebiet angewiesen. „Wir leben von unserer Industrie und unserem Gewerbe“, so der Bürgermeister, „ohne die Einnahmen aus der Gewerbesteuer können viele freiwillige und soziale Maßnahmen nicht finanziert werden.“ Ralf Warias (FDP) ergänzte: „Im Ausland sind solche Gewerbegebiete in fünf bis sechs Monaten fertig. Wir brauchen fünf bis sechs Jahre.“

Alberto Zulkowski begründete seine Gegenstimme im mangelnden Schutz der Quellgewässer. „Dieser Entwurf wird einer gerichtlichen Nachprüfung nicht standhalten.“ Flächen im Bachbett nutzen Die Variante 5a sieht den vollständigen Erhalt der gutachterlich für schützenswert erachteten und als artenreich erkannten Biotope vor und schließt diese sowie die nördlich davon liegenden Flächen von jeglicher Bebauung aus. Der heute schmale und geradlinige Hauptgraben mit seinen weniger hochwertig eingestuften Biotopstrukturen bekommt zukünftig ein neues naturnahes, gegenüber dem heutigen Zustand verlängertes Bachbett, das umfangreich bepflanzt wird. Flächen dieses neuen Bachbettes können hochwertig entwickelt und weitreichend mit Biotopen außerhalb des Geltungsbereiches vernetzt und dabei begrünt werden. 12-Millionen-Euro-Projekt Die Nettobaufläche beträgt 27,31 Hektar. Das Ziel der Bedarfsdeckung wird nur mit Einschränkungen erreicht. Ihre Realisierung erfordert die Bewegung von 696.000 Kubikmetern Bodenmassen. Die Variante 5a sieht eine Erschließung der Grundstücke durch eine Ringstraße vor. Die Gesamtkosten liegen bei knapp 12 Millionen Euro.

Ziel des Bebauungsplans ist es, den Wirtschaftsstandort Attendorn zu stärken und zur nachhaltigen Sicherung der heimischen und mittelständischen Gewerbe- Industriestruktur beizutragen, indem Flächen zur Generierung von Arbeitsstätten bereitgestellt werden.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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