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Attendorn, 09. Februar 2018

Geplanter Neubau der Höchstspannungsleitung

Amprion weist Vorwürfe aus Attendorn zurück

Amprion weist Vorwürfe aus Attendorn zurück
Symbolfoto: Barbara Sander-Graetz
Attendorn. Bürger, Grundstückseigentümer und Kommunalpolitiker aus Attendorn fordern für den Neubau der 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung Kompakt- statt Stahlgittermasten. Der Stadtrat unterstützt diese Forderung. Netzbetreiber Amprion allerdings erklärt auf LokalPlus-Anfrage, aus technischen und aus Sicherheitsgründen weiterhin mit Stahlgittermasten zu planen. Laut gewordene Kritik am Vorgehen und am Kommunikationsverhalten weist das Unternehmen mit Sitz in Dortmund zurück.

Die beiden Hauptargumente, die Befürworter von Kompaktmasten anführen: zum einen das schlanke und im Vergleich zum Stahlgittermast elegante Design, das weniger Platz braucht; zum anderen eine geringere elektromagnetische Strahlung und damit eine geringere Belastung für Mensch, Tier und Umwelt.

Dennoch plant Amprion für die neue Leitung, die von Kruckel (Dortmund) über rund 113 Kilometer unter anderem streckenweise durch Attendorn bis nach Rheinland-Pfalz führt, mit den herkömmlichen Stahlgittermasten. „Unser gesetzlicher Auftrag ist es, Strom zu leiten, und das müssen wir mit einer Technik machen, von der wir überzeugt sind, dass sie sicher und problemlos funktioniert. Das ist bei den Stahlgittermasten erprobt“, sagt Claas Hammes, bei Amprion für Projektkommunikation zuständig. Und: „Von unseren Stahlgittermasten geht keine Gesundheitsgefahr aus. Wir unterschreiten die zulässigen Grenzwerte außerdem um ein Vielfaches.“ Kompaktmasten: Erkenntnisse noch nicht ausreichend Bei Kompaktmasten dagegen, die Amprion als Vollwandmasten bezeichnet, gebe es in Deutschland noch keine ausreichenden technischen Erfahrungswerte für 380-Kilovolt-Leitungen. Zwar hat Amprion ein Pilotprojekt gestartet mit einer Höchstspannungstrasse zwischen Wesel und Doetinchem (Niederlande). Noch reichten die Erkenntnisse daraus aber nicht aus, um den Einsatz von Vollwandmasten schon zu planen, so Hammes.

Bei der Vorstellung des Pilotprojekts 2013 hatte der Netzbetreiber gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ darauf hingewiesen, dass die Strahlung von Vollwandmasten nach ersten Tests lediglich um 0,5 Mikrotesla geringer ausfalle. Zum Vergleich: Der in Deutschland zulässige Grenzwert beträgt 100 Mikrotesla. „Mit allen Eigentümern in Kontakt“ Vorwürfe, dass Amprion sich einem Dialog mit den Bürgern und Grundstückseigentümern entziehe, kann Claas Hammes „nicht nachvollziehen“. Er verweist auf den „gut besuchten“ Bürgerinfomarkt, den das Dortmunder Unternehmen im April 2016 in Attendorn angeboten hatte, und auf die Planungen, die „wir öffentlich kundgetan haben und die auch auf unserer Internetseite einsehbar sind“. Dass Amprion für Grundstückseigentümer, die von dem Bau der neuen Leitung betroffen sind, nicht zu erreichen sein soll, weist Hammes ebenfalls zurück: „Wir sind mit allen Eigentümern in Kontakt.“

Die sogenannte „Bogenvariante“ – eine Änderung des Trassenverlaufs in Helden mit Bogen um den Sportplatz – sei im Planfeststellungsverfahren beantragt worden. „Nun muss sich zeigen, ob die Bezirksregierung Arnsberg diesen Leitungsverlauf für genehmigungswürdig hält“, erklärt Hammes. Bürgersprechstunde am 15. Februar Außerdem verweist er auf die Bürgersprechstunde am kommenden Donnerstag, 15. Februar, im Pfarrheim Attendorn (17 bis 20 Uhr). „Wir wollen den Bürgern dabei helfen, sich in den komplexen Planfeststellungsunterlagen zurechtzufinden. Das ist eine öffentliche Veranstaltung, zu der jeder kommen kann. Unsere angedachten Zielgruppen sind die Bürger und die Träger öffentlicher Belange, die unmittelbar von den Planungen betroffen sind“, sagt Hammes. Das Wie und Warum der Amprion-Planung solle dann aber nicht noch einmal erläutert werden.

Bis zum 22. Februar sind die Unterlagen im Rathaus Attendorn noch einsehbar und außerdem online auf den Websites der Bezirksregierung Arnsberg und von Amprion zu finden (siehe Links). Bis zum 8. März läuft die Frist, um Einwände gegen das Vorhaben bei der Bezirksregierung Arnsberg vorzubringen, zu denen der Netzbetreiber dann Stellung nehmen muss.
Kurz & knapp
„Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens ist der ca. 37 km lange Abschnitt von Attendorn bis zur Landesgrenze Rheinland-Pfalz in Oberschelden, Stadt Siegen. Der Planungsraum der Trasse verläuft durch den Kreis Olpe mit den Städten Attendorn, Olpe, Lennestadt und den Gemeinden Kirchhundem und Wenden sowie durch den Kreis Siegen-Wittgenstein mit den Städten Kreuztal, Siegen und Freudenberg.

Der Neubau erfolgt in den bestehenden Trassenräumen der 220‐kV-Höchstspannungsfreileitung Koepchenwerk ‐ Kelsterbach, Bl. 2319, der Amprion GmbH sowie streckenweise der 110‐kV‐Bahnstromleitung Rudersdorf – Finnentrop, DB0474, der DB Energie GmbH. Dazu werden die vorhandene 220‐kV‐Freileitung sowie vorhandene 110‐kV‐Freileitungen teilweise demontiert. Die Stromkreise der 110‐kV‐Freileitungen werden auf dem neuen Mastgestänge mitgeführt. Es sind insgesamt 114 Neubau‐Masten geplant.“

(Quelle: Homepage der Bezirksregierung Arnsberg, „Planfeststellungsverfahren für das Amprion - Vorhaben Attendorn – Siegen (Landesgrenze Rheinland-Pfalz)“)
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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