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Olpe, 03. August 2018

„Die 3 Liköre“

Swingende Rheinländer erobern den Olper Marktplatz

Keine Berührungsängste: „Die 3 Liköre“ mischten sich in Olpe auch direkt unter das Publikum.
Keine Berührungsängste: „Die 3 Liköre“ mischten sich in Olpe auch direkt unter das Publikum.
Foto: Sven Prillwitz
Olpe. Mit Swing, Charme und Publikumsnähe: „Die 3 Liköre“ haben am Donnerstagabend, 2. August, die Open-Air-Konzertreihe „donnerstags auf dem Marktplatz“ eröffnet. Das Trio eroberte das anfangs zurückhaltende Olper Publikum kurz vor der Pause mit Tanzeinlagen mit und mitten unter den Zuhörern.
Schwarzer Frack und schwarze Fliege, weißes Hemd und weißes Einstecktuch, schwarze Lackschuhe: Das Outfit, das „Die 3 Liköre“ tragen, ist alles andere als luftig für diesen Auftritt bei schwül-warmen Temperaturen um die 30 Grad Celsius. Aber der feine Zwirn gehört bei den drei Sängern und Vollblut-Entertainern eben zum Image. Und zur eleganten Swing-Musik, die an diesem Donnerstagabend nicht von einer Bigband kommt, sondern vom Band.
Gut gelaunte und vielseitige Entertainer: (von links) Frank, Arvid und Daniel.
Für das augenzwinkernd angekündigte „Broadway-Feeling“ sorgen die drei selbst auf dem Marktplatz. Leichtfüßig bewegt sich das Trio über die Bühne, schwingt locker die Hüften, schnipst im Takt mit den Fingern. Und alle drei haben stets ein Lächeln, manchmal ein verschmitztes Grinsen im Gesicht, wenn sie singen oder sich zwischen den Liedern an das Publikum wenden. Das wirkt locker, das wirkt professionell, das wirkt charmant – und ins Schwitzen scheint die drei auch nicht zu kommen. Sicherheitsabstand schmilzt langsam Vor der Bühne hat sich ein Halbkreis aus Zuhörern gebildet, mit mehreren Metern „Sicherheitsabstand“ zur Bühne. Nur unterbrochen von vier, zwischendurch sechs Kindern, die sich ganz nahe herantrauen. Bestimmt 200 Menschen stehen auf dem Marktplatz, einige schunkeln vorsichtig mit. Die Tische und Stühle der umliegenden Außengastronomie sind voll besetzt. Die „Liköre“ arbeiten sich dreistimmig durch Bing Crosbys „Clementine“, ein Lied über ein Mädchen, das nicht schwimmen kann und ertrinkt. „Macht euer Seepferdchen“, haben die drei Sänger den Zuhörern vorab geraten. Und dann singen sie Peter Alexanders gemütlichen Gassenhauer „Die kleine Kneipe“ in einer Swing-Version. Das Publikum taut bei immer noch 30 Grad Celsius langsam auf. Vermehrtes Klatschen, aber immer noch mit dieser Sauerländer Zurückhaltung. Tanzeinlage auf Kopfsteinpflaster Also gehen die Wahl-Kölner in die Offensive. „Wenn ihr nicht zu uns kommt, kommen wir eben zu euch“, sagt Daniel, der den Großteil der Ansagen übernimmt. Zum Höhner-Schunkler „Schenk mir dein Herz“ schnappen sich Frank, der Mann mit der Tolle und der tiefen Stimmfarbe, sowie David jeweils eine Dame aus dem Publikum und legen mit diesen gekonnt eine spontane Tanzeinlage auf dem Kopfsteinpflaster des Marktplatzes hin.
Frank mit einer Zuhörerin bei einer spontanen Tanzeinlage.
Und Arvid, der skandinavische Bariton des Dreiergespanns, fordert die Zuhörer mit einer energischen und doch eleganten Handbewegung auf, näher an die Bühne zu kommen. Ebenso wie Frank. Das funktioniert, der Sicherheitsabstand schmilzt um ein paar Meter. Einige Männer aus dem Publikum verlagern kurzerhand ihre Biertische näher an die Bühne. Jetzt sind die Olper warm geworden mit den swingenden Rheinländern.

Und die werden nun auch mutiger. Zurück auf der Bühne, stimmen sie das italienische Lied „Tu Vuo Fa L´Americano“ an. Weil keine Italiener im Publikum sind – zumindest hat sich auf seine Frage niemand gemeldet –, könnten sie es trotz wahrscheinlich falscher Aussprache riskieren, sagt Daniel. Lächelnd, charmant. So gehen die drei kurz darauf in die Pause – und so kommen sie auch zurück zur zweiten Halbzeit eines ungewöhnlichen, aber vielseitigen und gut gelaunten Auftritts auf dem Olper Marktplatz.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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