Nachrichten Kultur
Lennestadt, 09. Mai 2019

Ausstellung eröffnet

Zeitzeuge berichtet am GymSL von seinem Leben in der DDR

Im voll besetzten Foyer des Gymnasiums berichtete Christoph Becke von seinem Leben in der DDR.
Im voll besetzten Foyer des Gymnasiums berichtete Christoph Becke von seinem Leben in der DDR.
Foto: Kerstin Sauer
Altenhundem. Aufgewachsen in der DDR, Einschränkungen, Überwachung, Fluchtversuch, Gefängnis: Am Mittwoch, 8. Mai, hat Christoph Becke den Schülern der EF und Q1 am Gymnasium der Stadt Lennestadt ganz persönliche Einblicke in sein Leben gegeben. Ein Zeitzeuge berichtet.

Es ist ruhig im Foyer des Städtischen Gymnasiums. Fast 200 Schüler sitzen in den Stuhlreihen und hören konzentriert dem Mann zu, der vorne mit dem Mikrofon in der Hand steht. Christoph Becke berichtet ruhig, gefasst, ohne Übertreibungen, präsentiert den jungen Menschen Fakten aus einem Leben, das ihnen absolut fremd ist: vom Leben und Großwerden in der Deutschen Demokratischen Republik.
Christoph Becke (3.v.l.) und Kerstin Muckenhaupt (4.v.l.) zeigen mit einigen Schülerinnen die Ausstellung der Konrad-Adenauer-Stifung zum Thema „Die DDR – Mythos und Wirklichkeit“ .
Es sei ein besonderes Datum, heute, der 8. Mai 2019, hatte zuvor Kerstin Muckenhaupt, Koordinatorin Gesellschaftswissenschaften am GymSL und Organisatorin der Veranstaltung, den Schülern erklärt. Denn: Am 8. Mai 1945 sei der 2. Weltkrieg zu Ende gegangen.

Ein Krieg, aus dem das geteilte Deutschland und die DDR hervor gegangen waren. Ein Staat und Lebensumstände, die die Schüler nur noch aus dem Erzählen kennen. Kerstin Muckenhaupt: „Viele können gar nicht wertschätzen, dass sie heute in einem demokratischen Staat leben.“ Freiwillig in die DDR Christoph Becke kennt den Unterschied. 1952 in München geboren, siedelte seine Familie Mitte der 50er-Jahre in die DDR über. „Meinem Vater gefielen die sozialistischen Ideen“, begründet Becke eine Entscheidung, die bei vielen Zuhörern für Verwunderung sorgt.

Seine Mutter indes habe schnell erkannt, „dass das Sozialismus-Gerede nur leere Worthülsen waren.“ Um näher am Westen zu sein, zog die Familie 1961 nach Berlin – nur, um dann kurz danach mitzuerleben, wie eine Mauer durch die Stadt gezogen wurde. Im Westen schicke Autos, Kleidung, ausreichend Lebensmittel – im Osten Einschränkungen, Unterdrückung, „sozialistische Wartegemeinschaften vor den Läden“, wie Becke den Gymnasiasten erklärt. In der Schule habe man ihnen einen Maulkorb verpasst, freie Meinungsäußerung sei verboten gewesen.

„Das war das Schwierigste“, erinnert sich Christoph Becke, „dass man mit gespaltener Zunge sprechen musste: In der Öffentlichkeit mussten wir den Staat lobpreisen – aber in Wirklichkeit haben wir ganz anders gedacht.“ Heirat nach drei Wochen Nach Jahren entschließt sich Christoph Becke, aus der DDR zu fliehen. Mit seiner Ehefrau Gitta, die er kurz zuvor, nur drei Wochen nach dem Kennenlernen, geheiratet hat. Der Grund: „Wir haben zu 99 Prozent eingeplant, dass wir erwischt werden und ins Gefängnis kommen. Als Ehepaar wird man dann zusammen aus dem Gefängnis entlassen.“

Zwei Tage lang, so berichtet Becke, sei in jenem Jahr 1978 alles nach Plan gelaufen. Dann habe plötzlich „einer mit einem Maschinengewehr“ vor ihnen gestanden. Es folgen Gefängnis in Budapest, der Rücktransport in die DDR, tagelange Verhöre, nach der Verurteilung monatelange Inhaftierung unter menschenunwürdigen Bedingungen.  

„Wir hatten keine Namen mehr, sondern waren nur noch Nummern“, erinnert sich der Zeitzeuge. Mit den Mitinsassen habe man des Nachts per Klopfzeichen an den Wänden oder durch die Toilettenrohre kommuniziert. Ein neues Leben mit alten Wurzeln Christoph Becke hat die Haft überstanden. Und die DDR. In den ersten Maitagen 1979 hatte sein Leidensweg ein Ende: Er und seine Frau Gitta erhielten die Entlassungsurkunde aus der DDR-Staatsbürgerschaft und durften kurz danach in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen.

Ein neues Leben – mit alten Wurzeln, denn: Die Zeit in der DDR hat ihn geprägt und ihm die Bedeutung von Demokratie tagtäglich vor Augen geführt. „Ich schätze meine mir geschenkte Freiheit bis zum heutigen Tag als mein größtes Gut“, sagt er.
Ausstellung zur DDR im GymSL
Mit dem Zeitzeugengespräch wurde am Gymnasium der Stadt Lennestadt gleichzeitig die Ausstellung „Die DDR – Mythos und Wirklichkeit“ eröffnet, die die Fachschaft Geschichte in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung organisiert. Auf großen, detaillierten Stellwänden wird der Alltag in der DDR dargestellt und erläutert. 

Bis Freitag, 24. Mai, kann die Ausstellung von allen historisch interessierten Privatpersonen und Schulklassen besucht werden: Der Schlüssel für den Ausstellungsraum ist an allen Schultagen nach telefonischer Anmeldung im Sekretariat erhältlich (Tel. 02723/608900). Die Fachschaft Geschichte hat außerdem didaktisches Begleitmaterial (Quizfragen zu den Plakaten) für Schulklassen (ab Jahrgang 9) erstellt – eine entsprechende Kopiervorlage befindet sich ebenfalls im Sekretariat.

Konzeptioneller Hintergrund:

Das Gymnasium der Stadt Lennestadt bietet –  beginnend mit diesem Schuljahr – Veranstaltungen an, deren Vorbereitung Jahr für Jahr jeweils eine andere Gesellschaftswissenschaft übernimmt, die das fächerübergreifende Konzept „Demokratie und interkulturelle Kompetenzen stärken, leben und gestalten“ dabei in ihrem Sinne aufgreift und eigene inhaltliche Schwerpunkte setzt.
Ein Artikel von Kerstin Sauer

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