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Lennestadt, Lennestadt-Altenhundem, 27. August 2016

Die Sauerlandhalle kocht: 600 Besucher erleben einen besonderen Abend

Mitreißend, bewegend, berührend und bunt: Das Hospizkonzert 2016

Ganz in seinem Element: Kapellmeister Matty Cilissen begeisterte seine Musiker und das Lennestädter Publikum.
Ganz in seinem Element: Kapellmeister Matty Cilissen begeisterte seine Musiker und das Lennestädter Publikum.
Fotos: Kerstin Sauer
Es scheint, als hielten 600 Menschen den Atem an. Fasziniert schauen sie nach vorne auf die große Bühne, ihre Blicke springen zwischen den Musikern umher, beobachten Klarinette, Querflöte, Posaune. Und den Dirigenten, der mal ausladend begeistert, mal bedächtig ruhig den Taktstock schwingt. Nach einigen Minuten endet das Stück. Und der Applaus ist ohrenbetäubend. Die Uraufführung der Orchesterphantasie „Weg des Lebens“, die eigens für das St.-Elisabeth-Hospiz geschrieben worden ist, ist eindeutig ein Höhepunkt des Hospizkonzertes am Freitag, 26. August. Einer von vielen.

Es ist heiß in der Sauerlandhalle. Mit den Programmheften fächeln sich viele Damen Luft zu, einige Herren tupfen sich in regelmäßigen Abständen den Schweiß von der Stirn. Nicht so die Musiker des Abends: Gelassen, beinahe stoisch sitzen sie auf ihren Stühlen, die Instrumente in der Hand, die Uniformjacken zugeknöpft. Profis – allesamt.

„The Royal Band of the Belgian Air force“ eröffnet den Abend. Ein strahlender, beschwingter Hauptmann Matty Cilissen betritt die Bühne, verbeugt sich vor dem Publikum, lächelt seinen Musikern aufmunternd zu – und legt los. Anders ist das, was in den kommenden 60 Minuten auf der Bühne geschieht, kaum zu beschreiben. Der belgische Dirigent nimmt den Saal innerhalb von Sekunden für sich ein, begeistert sein Publikum, zieht seine Musiker mit. Ganz in seinem Element schwingt der den Taktstock, mal weit ausholend, mal sacht schwingend, scheint zwischendurch auf dem Podest zu jubeln und zu tanzen. Musikalische Geschichten Und das Orchester? Antwortet in derselben Sprache. Die Instrumente scheinen mal lautstark zu jubilieren, mal bedächtig zu flüstern. Und erzählt dabei Geschichten, aus der Wagner-Oper „Lohengrin“, von Richard Strauss‘ Till Eulenspiegel. Das Adamo-Medley ist eine Hommage an den heimischen Künstler, während die Zuschauer beim Marine’s Medley zu Auszügen aus „Yellow Submarine“, „In the Navy“ oder „I am sailing“ klatschen, summen, schunkeln.

In charmantem, gebrochenem Deutsch dankt Kapellmeister Matty Cilissen dem Lennestädter Publikum. Betont, wie ihn der Besuch im St.-Elisabeth-Hospiz beeindruckt habe. „Sie machen eine sehr gute Arbeit“, lobt er. Und schenkt den Zuschauern gemeinsam mit seinen Musikern zwei Zugaben. Nahtlos an den ersten Part des Hospizkonzertes schließt sich die zweite Hälfte an, gestaltet vom Luftwaffenmusikkorps Erfurt unter der Leitung von Burkard Zenglein. „Wir möchten Ihnen unsere Heimat mit klingenden Postkarten vorstellen“, begrüßt der freundlich lächelnde Zenglein das Publikum – und beweist von da an sein musikalisches Fachwissen.

Zu jedem Stück – dem „Torgauer Parademarsch“, den Auszügen aus der Wagner-Oper „Tannhäuser“ oder zu „El Toro Loco“, selbst zum Elton-John-Medley – gibt der Dirigent einige kurze Informationen, erklärt, welche Geschichten die Musik erzählt, was sie bewirken, was sie darstellen möchte. Uraufführung So wie beim „Weg des Lebens“: Zenglein erläutert, dass die einzelne Klarinette zu Beginn das Wunder eines jeden neuen Lebens beschreibt, wie die Instrumente den Zuhörer mit durch die Kindheit, die Jugend und das Erwachsenenleben führen, wie sie Schicksalsschläge und Glücksmomente darstellen. Und wie das Leben mit einem mächtigen, großen Finale endet, nicht dunkel und hoffnungslos, sondern mit dem Ausblick auf ein Leben nach dem Tod. Hochkonzentriert führen Oberstleutnant Zenglein und seine 50 Musiker das Lennestädter Publikum über den „Weg des Lebens“, um an Ende – gemeinsam mit dem anwesenden Komponisten Siegmund Goldhammer – bewegt den ohrenbetäubenden Applaus der Zuhörer entgegen zu nehmen.

Beim Finale stehen dann 80 Musiker beider Orchester auf der Bühne und verabschieden sich unter anderem mit einem sinfonischen Porträt der Beatles von den Lennestädtern. Langanhaltender Beifall dankt den Musikern und ihren Dirigenten für einen unvergesslichen Abend.
Sparkassen-Vorstand Bernd Schablowski überreichte eine Spende über 5000 Euro an Pastor Heinrich Schmidt und Martin Schäfer vom Hospizverein.
Ein Artikel von Kerstin Sauer

Bildergalerie: Mitreißend, bewegend, berührend und bunt: Das Hospizkonzert 2016