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Lennestadt, 22. Mai 2017

Rundgang während des Kulturfestes

Meggener Moschee hat einen besonderen Gebetsraum

Der Neubau der
Der Neubau der "Ditib Yesil Moschee" an der Karl-Knoche-Straße
Foto: Ina Hoffmann
Meggen. Der Moscheeverein der „Ditib Yesil Moschee für Lennestadt und Umgebung“ lud während des Kulturfestes am Samstag, 20. Mai, und Sonntag, 21. Mai, zu Rundgängen durch den noch in der Bauphase befindlichen Neubau an der Karl-Knoche-Straße. Zahlreiche interessierte Besucher machten sich bei dieser Gelegenheit ein Bild von der neuen Moschee.

Auf einer Fläche von gut 1800 qm entstehen hier Bildungsräume, Teestuben, ein Jugendtreff, ein Multifunktionssaal und eine etwa 80 qm große Wohnung für den Imam. Der Vorbeter wird für vier Jahre eingestellt und lebt in dieser Zeit in der Moschee. „Es ist wichtig für uns, dass der Imam im gleichen Ort lebt, in der auch die Moschee ist, damit er schnell hier sein kann. Deshalb ist es am einfachsten, ihm eine Wohnung zur Verfügung zu stellen“, erklärte Bekir Akkus bei dem Rundgang.
Der Festsaal der "Ditib Yesil Moschee"
Er wird auch nach Fertigstellung neben vier weiteren Mitgliedern für Moscheeführungen zuständig sein und Kindergartengruppen, Schulklassen und Vereine durch die Räumlichkeiten führen. „Früher mussten die Mitglieder der Moscheevereine alles für den Imam übersetzen, wenn er einkaufen wollte oder zum Rathaus musste. Der Vorbeter sprach meist kein Deutsch. Das ist heute anders: Der Imam muss, bevor er nach Deutschland kommen kann, einen Deutschkurs bestehen. Er sollte die Sprache verstehen und auch anwenden können“, weiß Bekir Akkus.Gästezimmer für Menschen in Not„In unserem Gästezimmer wird Platz für jeden sein, der in Not gerät oder kurzfristig ein Dach über dem Kopf braucht. Bei uns ist Platz für jeden - egal welcher Glaubensgemeinschaft oder Nationalität er angehört“, erklärte er. „Der Dialog mit anderen Menschen ist besonders wichtig. Diese Moschee soll ein Ort der Begegnung mit interkulturellen Angeboten sein“.

Zudem gibt es auch eine Fläche für einen Supermarkt und Büroräume, die nur von außen zu erreichen sind und vermietet werden sollen.
Das Herzstück der Moschee ist der Gebetsraum, in dem die Männer auf 350 qm und, getrennt von ihnen, die Frauen auf einer 200 qm großen Empore beten werden. „Der Gebetsraum an sich ist aber nicht heilig - das Gebet ist es. Solange man einen Teppich hat und Richtung Mekka betet, ist es gleich, wo man ist“, erklärte Bekir Akkus. „Der Gebetsraum ist zwar wichtig, aber es ist auch ein Ort der Begegnung. Hier dürften sogar die Kinder außerhalb der Gebetszeiten Ball spielen. Sie sollen keine Angst vor der Moschee haben, sondern wissen, dass sie hier erwünscht sind“. Kein Kronleuchter, keine GebetsnischeDer Gebetsraum der „Ditib Yesil Moschee“ wird ein wenig anders gestaltet als der anderer Moscheen: Er wird über keine Gebetsnische verfügen. „Die halboffene Gebetsnische und auch die Kuppel waren früher nur eine Hilfe, um den Schall ideal in den Räumen zu verteilen, dass jeder das Gebet hören kann. Heute in Zeiten von Lautsprechern ist das nicht nötig. Deshalb wird es hier keine Gebetsnische geben“, erläuterte Akkus.

Stattdessen werden zwischen den sechs bodentiefen Fenstern Richtung Mekka fünf Säulen stehen. Diese repräsentieren die fünf Säulen des Islam, die wichtigsten Regeln für Muslime: Sie setzen sich aus dem öffentlichen Glaubensbekenntnis, dem täglichen Gebet, der sozialen Spende, dem Fasten während des Ramadan und der Wallfahrt nach Mekka zusammen.
Zudem soll kein Kronleuchter von der Kuppel, die sich neun Meter über dem Gebetsraum erstreckt, herabhängen. Stattdessen wird diese mit einzelnen Lampen und Spots beleuchtet. Eine weitere Besonderheit: Per Beamer werden alle Gebete, die auf Türkisch abgehalten werden, auf eine Wand im Gebetsraum projiziert. „Viele Muslime sprechen kein Türkisch, weil sie beispielsweise aus Albanien stammen oder konvertiert sind. Damit alle verstehen, was gebetet wird, möchten wir es gerne übersetzen lassen“, so Akkus. „Unsere Moschee soll anders werden - schön und besonders“, fasste er zusammen.

Erst wenn die Moschee fertig gestellt worden ist, soll ein etwa 17 Meter hohes symbolisches Minarett entstehen. Der Bauplatz verfügt zudem noch über 1200 qm Außenfläche und 30 Parkplätze. Vor zwei Jahren BaubeginnObwohl der Bau bereits vor zwei Jahren begonnen wurde, befindet sich die Moschee noch im Rohbau. „In anderen Moscheen wie etwa in Attendorn und Finnentrop wurde sehr viel in Eigenleistung gemacht. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir lassen alles von Handwerkern fertigen. Da kann es schonmal zu Verzögerungen kommen - sie müssen ja auch noch auf anderen Baustellen arbeiten“, erklärte der Moscheeführer. Für den Bau wurden ausschließlich Firmen aus einem Umkreis von 25 Kilometern Entfernung beauftragt. Finanzierung durch Spenden und MitgliedsbeiträgeDie 290 Mitglieder helfen durch Spenden und Mitgliedsbeiträge, damit die Moschee fertiggestellt werden kann. Bisher sieht es so aus, als könnten die anfangs geplanten 1,8 Millionen Euro für den Bau der Moschee eingehalten werden. „Wann genau wir einziehen können, steht noch nicht fest. Wir hoffen, dass wir es bis zum Anfang nächsten Jahres schaffen“, so Bekir Akkus.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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