Nachrichten Kultur
Lennestadt, 10. Mai 2019

Lesung und HipHop-Konzert im GymSL

Esther Bejarano: Auschwitz-Überlebende rappt gegen Rechts

Esther Bejarano mit Sohn Jorem und Kutlu Yurtseven.
Esther Bejarano mit Sohn Jorem und Kutlu Yurtseven.
Foto: Celine Kebben
Altenhundem. Nur wenige können noch berichten, was wirklich im Konzentrationslager Auschwitz geschah. Eine Überlebende des Holocaust ist die 94-jährige Esther Bejarano, die am Donnerstag, 9. Mai, im Gymnasium der Stadt Lennestadt von den Grausamkeiten der Nationalsozialisten, dem Überleben durch die Musik und dem Widerstand gegen Faschismus und Antisemitismus erzählte.

Bejarano macht seit einigen Jahren zusammen mit der Microphone Mafia, einer Kölner Hip-Hop Gruppe, Musik für ein Miteinander und gegen Rassismus. Der HipHop ist vielleicht für die ältere Generation gewöhnungsbedürftig, zeigt aber, wie notwendig es ist, angemessene Sprachen zu finden, um alle Generationen anzusprechen, sich für Solidarität und Menschlichkeit zu engagieren. Zusammen mit ihrem Sohn Joram und Kutlu Yurtseven von der Microphone Mafia tritt Esther Bejarano seit 2007 auf. Ein befreiender Abend Der stellvertretende Schulleiter des GymSL, Hubertus Schultze, begrüßte die circa 200 Gäste und betonte: „Wir wollen mit dieser Veranstaltung ein Zeichen gegen das Anwachsen autoritärer, rassistischer und nationalistischer Positionen in Politik und Gesellschaft setzen. Es ist wichtig, dass vor allem die Schüler erfahren, dass Demokratie und Freiheit keine Selbstverständlichkeit sind." 

Gregor Kaiser, Sprecher der AG es TUT sich WAS, ergänzte: „Es ist wichtig, in der Öffentlichkeit seine Meinung kundzutun, Faschismus und Antisemitismus entgegenzutreten. Ich wünsche uns allen einen nachdenklichen, informativen und vielleicht auch befreienden Abend." "Wir waren nur noch Nummern" Zunächst las die 94-Jährige einen Teil ihrer Biografie „Erinnerungen“ vor: „Auschwitz. Wir kamen in ein sogenanntes Sammellager. Nach Tagen nicht-beschreibbaren Erlebens stiegen wir aus den Viehwagons“, erzählte sie.

„Ich bekam die Nummer 41948 auf den linken Arm tätowiert - Namen wurden abgeschafft. Wir waren nur noch Nummern. Nachdem man uns die Sträflingskleidung austeilte, wussten wir, dass wir in keinem Arbeitslager, sondern in einem Konzentrationslager sind. Wir waren im von Deutschland besetzten Polen: Dem Auschwitz-Lager Birkenau. Niemand wusste, ob und wann man selbst ins Gas geschickt wird.“
Esther Bejarano: Eine starke Frau, die selbst mit 94 Jahren noch gegen das Vergessen und für die Freiheit kämpft.
Dort verbrachte die damals 19-jährige Jüdin ein halbes Jahr. Sie spielte im Mädchenorchester von Auschwitz das Akkordeon und später die Blockflöte, was ihr das Überleben im KZ etwas erleichterte. Im November 1943 wurde Esther Bejarano ins KZ Ravensbrück gebracht, wo sie nach vier Wochen Quarantäne zunächst schwere Kohlearbeit und dann Montagearbeiten verrichtete.

Im Januar 1945 wurde sie zusammen mit 70 anderen sogenannten „Mischlingen“ zu Ariern erklärt - sie gaben den Judenstern ab und erhielten den „Roten Winkel“, für politische Gefangene. „Das Ganze war sowieso alles Schwachsinn. In meinem Herzen blieb ich natürlich weiterhin Jüdin, nutzte nur die Vorteile meines neu gewonnenen Arier-Status'.“ Sieben Mädchen erleben die Freiheit Kurz vor der Kapitulation am 8. Mai 1945 konnte Esther Bejarano zusammen mit sechs Freundinnen nach fünf Tagen Todesmarsch durch Mecklenburg entkommen. Sie trafen auf US-amerikanische Soldaten, die sich um sie kümmerten.

In der Stadt Lübz erlebten sie die Befreiung Deutschlands durch die amerikanischen und russischen Truppen: „Ein russischer Soldat brachte ein großes Bild von Adolf Hitler und stellte es mitten auf den Marktplatz. Sie zündeten es an, die Soldaten und die Mädchen aus dem KZ tanzten um das Bild herum, und ich spielte Akkordeon. Auch dieses Bild werde ich nie vergessen - das war nicht nur meine Befreiung, sondern meine zweite Geburt“, erinnerte sich Bejarano. Zusammen performten Esther und Joram Bejarano mit Kutlu Yurtseven Lieder in der deutschen, jiddischen und hebräischen Sprache, wie zum Beispiel die Hymne der israelischen Friedensbewegung oder die Hymne des jüdischen Widerstandes. Seit mehr als 30 Jahren ist Esther Bejarano eine Kämpferin gegen das Vergessen, die ihre Geschichte an Schulen erzählt und mit den Mitteln der Musik leidenschaftlich gegen jede Art von Intoleranz angeht.

Veranstalter des Konzertes war die AG „es TUT sich WAS e.V.“. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Bäckerei Tröster, dem Lichtspielhaus Lennestadt, der Firma Gremako und LVM-Büro Behle sowie der Kulturförderung des Kreises Olpe.
Ein Artikel von Celine Kebben

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