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Kreis Olpe, 19. Februar 2017

Bis zu 50.000 Jahre alte Exponate im Südsauerlandmuseum

Ausstellung zeigt Kunst- und Kulturgeschichte des Kreises Olpe

Landrat Frank Beckehoff, Museumsleiterin Monika Löcken und der stellvertretende Bürgermeister Horst Peter Jagusch (v.l.) eröffneten mit ihren Reden die Ausstellung.
Landrat Frank Beckehoff, Museumsleiterin Monika Löcken und der stellvertretende Bürgermeister Horst Peter Jagusch (v.l.) eröffneten mit ihren Reden die Ausstellung.
Foto: Barbara Sander-Graetz
Attendorn. „Kunst- und Kulturgeschichte des Kreises Olpe in 100 Objekten“ heißt die Ausstellung, die im Attendorner Südsauerlandmuseum anlässlich des 200. Geburtstages des Kreises Olpe am Sonntag, 19. Februar, eröffnet wurde.

Doch zunächst konnte Landrat Frank Beckehoff die Gäste in der Rathausgalerie Attendorn begrüßen, denn der Platz im Museum ist begrenzt und bot nicht allen Gästen genügend Platz. Ein Besuch der Ausstellung folgte im Anschluss an die Grußworte und Ausführungen der drei Redner.

„Der Kreis Olpe hat eine Sonderstellung, denn die meisten Kreise sind nach der Reform 1969 und 1974 entstanden“, so Beckehoff. Der Kreis Olpe hingegen hat sich in den vergangenen 200 Jahren fast nicht verändert. „Wir sind klein, aber fein, mit einer großen wirtschaftlichen Stärke und einer hohen Lebensqualität als Markenzeichen“, so der Landrat weiter. Werkzeug von vor 50.000 Jahren ausgestelltNach der Begrüßung durch den stellvertretenden Bürgermeister und Hausherren Horst Peter Jagusch gab Museumsleiterin Monika Löcken wichtige Hintergrundinformationen zur Ausstellung. So gibt es auf zwei Etagen insgesamt 100 Objekte zu sehen, die die Geschichte der Region repräsentieren. Das älteste Exponat ist ein Werkzeug aus der Zeit der Neandertaler, gefunden von Gilbert Schmelzer. Der Fund ist mindestens 50.000 Jahre alt und reicht damit in die letzte Eiszeit zurück. Es ist dies der erste eindeutige Fund aus der Altsteinzeit überhaupt, der im Kreis Olpe nachweislich entdeckt worden ist.

Zu den alten Objekten der Ausstellung gehört aber auch die sogenannte Zuckerhutglocke aus Förde, die aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammt. Es handelt sich um die älteste erhaltene Glocke Westfalens, die aus der St. Nikolaus Kirche in Grevenbrück-Förde stammt. Aus dem Bereich der Klöster kommt eine Pergamenthandschrift, die im Frankreich des 9. Jahrhunderts entstand. Aufgeschrieben wurden Verse des antiken Schriftstellers Boethius, vermutlich über das Kloster Grafschaft gelangten die Pergamente in unsere Region, wo sie 1540 zum Einband eines Einnahmenbuches Verwendung fanden. Zeugnisse der Hexenprozesse in WestfalenEin besonderer Schatz stammt aus der Zeit der Gegenreformation. Dietrich von Fürstenberg schenkte seinem Bruder Kaspar zur Ausstattung der Kapelle auf der Burg Schnellenberg eine kostbare Altarausstattung, darunter ein kostbarer Kelch und ein silberner Bucheinband, die von Antonius Eisenhoit aus Warburg 1594/1601 hergestellt wurden.

Neben der silbernen Pracht, entstanden in dieser Zeit aber auch Protokolle, die die Befragungen von der Zauberei bezichtigten Männern und Frauen belegen. Denn das Herzogtum Westfalen war eine Hochburg der Hexenprozesse, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Verfahren als auch der Härte der Urteile.
Kreisstadt seit 1817Über die Zeit des Barock erzählt ein Hüftbildnis des Freiherr Ferdinand von Plettenberg als Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, der aus der Familie stammte, die auf dem Rittergut Lenhausen ihren Stammsitz hatte. Als Diplomat machte er eine Karriere in Köln und am kaiserlichen Hof in Wien.

Die kurkölnische Zeit endete in der Ära Napoleons 1802/03 mit der Aufhebung des Kurfürstentums Köln. In den folgenden 14 Jahren hessen-darmstädtischer Herrschaft blieb die Burg Bilstein Amtssitz und war nach der Inbesitznahme des Herzogtums Westfalen durch das Königreich Preußen im Jahre 1816 für kurze Zeit Landratssitz des neugebildeten Kreises Bilstein, bis am 1. Januar 1817 Olpe Kreisstadt wurde. Das Land wurde 1816 zur preußischen Provinz, 1817 wurde Olpe Kreisstadt des Landkreises Olpe. Hier übernahmen nun fünf Landräte aus der Familie Freusberg die Verwaltungsgeschäfte.Die Ausstellung endet mit einem Blick auf das Wahrzeichen des Kreises Olpe, den Aussichtsturm auf der Hohen Bracht. Zu sehen ist diese einmalige Zusammenstellung in Attendorn noch bis zum 30. Juni dieses Jahres.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

Bildergalerie: Ausstellung zeigt Kunst- und Kulturgeschichte des Kreises Olpe