Nachrichten Kultur
Kirchhundem, 21. August 2019

Geschenk zum Jubiläum

In Stein gemeißelt: Skulptur vor dem Kirchhundemer Rathaus nimmt Gestalt an

Noch haut Gautam fleißig mit Hammer und Meißel an der Skulptur. Am 22. September wird sie offiziell überreicht.
Noch haut Gautam fleißig mit Hammer und Meißel an der Skulptur. Am 22. September wird sie offiziell überreicht.
Foto: Christine Schmidt
Kirchhundem. Jeder, der am Kirchhundemer Rathaus entlang fährt, kennt ihn inzwischen - zumindest vom Sehen: Bildhauer Gautam. Seit April beobachten die Bürger und Autofahrer die Entwicklung des Kunstwerkes, das er dort zum 50-jährigen Jubiläum der Gemeinde Kirchhundem anfertigt. In vier Wochen wird das Geschenk offiziell überreicht.

„Stein ist mein Leben. Wenn ich Hammer und Meißel in die Hand nehme, vergesse ich alles“, sagt Gautam, der mit bürgerlichem Namen Herbert Kleinbruckner heißt, über sich.

Vier Monate schon hockt er vor dem Rathaus und haut die Skulptur in den großen Sandstein. Mittlerweile sind deutliche Gesichtszüge und Details zu erkennen.

„Kommunikation“ heißt das Projekt, das die Gemeinde von der Sparkassen-Stiftung Attendorn-Lennestadt-Kirchhundem zum 50. Geburtstag geschenkt bekommt. Das Kunstwerk zeigt einen S-förmigen Stuhl, der auf einem schmalen Sockel steht.

Zwei Männer sitzen sich gegenüber und unterhalten sich. „Wenn einer der beiden aufsteht, gerät die Situation aus dem Ruder“, erklärt der Bildhauer. Nur gemeinsam gelingt das Gespräch.
Die rechte Person soll den Künstler Gautam abbilden. Wen er links darstellt, verrät er noch nicht.
Die Intention dahinter: Die Leute sollen miteinander kommunizieren. Deshalb war für Gautam direkt klar: „Ich haue den Stein nur vor Ort.“ Denn so kommt auch er mit den Bürgern ins Gespräch.

Kunst gefalle eben nicht jedem, und wenn die Bürger einfach einen fertigen Stein vor die Nase gesetzt bekämen, wäre das nicht gut. „Aber jetzt sehen sie ja, was passiert, und können mit mir sprechen“, so der Bad Berleburger. „So werden die Leute den Stein sicher annehmen.“

Denn bislang sei das Feedback von Passanten nur positiv gewesen, alle seien angetan von seiner Arbeit. Erst hätten die Leute gemunkelt, wer die zwei Figuren wohl sein könnten. „Das sind bestimmt Bürgermeister Reinéry und Tobias Middelhoff“, meinten viele. Falsch. Geheimnis um die zweite Person Tatsächlich schafft sich Gautam an der Hundemstraße selbst ein Denkmal. Wer die andere Person ist, verrät der 69-Jährige noch nicht. „Es ist ein Freund von mir, der vielen sehr bekannt ist“, verrät Gautam. „Er ist jedenfalls in der Lage, die Massen positiv zu bewegen. Wegen ihm habe ich immer weitergemacht, wenn ich an einem Tiefpunkt war.“

Manche hätten das Gesicht der Figur bereits erkannt. Schwer sei es für den Künstler nicht, Details wie Augen und Nase in Stein zu meißeln. Das Material – der Sandstein – sei es, was ihm Schwierigkeiten bereite. „Oft brechen Stücke heraus, so dass ich improvisieren muss“, erzählt Gautam. Damit ist er nicht so zufrieden.
Der Sandstein erschwert dem Künstler das Arbeiten, da schnell etwas abbrechen kann.
Der Bildhauer bekommt zwischenzeitlich immer mal Besuch, unter anderem auch von der Grundschul-AG „Freaky Friday“. Der Künstler ließ jedes Kind mal an der Skulptur schlagen. „Die waren begeistert“, erzählt er mit einem Strahlen.

Eines der Mädchen sei so schüchtern gewesen, dass sie ganz unauffällig für sich ein Herz aus Steinresten raspelte. „Das hat sie mir dann zum Abschied geschenkt“, erinnert sich der Künstler.

Wird die Skulptur denn passend zum Gemeinde-Jubiläum fertig? „Nein“, lacht der 69-Jährige, da ist er sich sicher. Die richtigen Feinheiten im Gesicht oder an den Händen bearbeitet er noch nach der Übergabe. „Erst wenn ich sage, dass ich fertig bin, höre ich auf“, lächelt der Bildhauer.
Ein Artikel von Christine Schmidt

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