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Finnentrop, 25. Mai 2017

Kilian Kreutz schmiedet Messer und Metallobjekte

Handwerk trifft Design

Metallbaumeister Kilian Kreutz bei der Arbeit in seiner Werkstatt.
Metallbaumeister Kilian Kreutz bei der Arbeit in seiner Werkstatt.
Foto: Ina Hoffmann
Rönkhausen. Das Feuer in der Esse lodert. Mit dem Lufthammer bearbeitet Kilian Kreutz den glühenden Schmiederohling. In der Kilianstraße in Rönkhausen ist die Werkstatt des Metallbaumeisters beheimatet. Hier entstehen unter dem Motto „Traditionelles Schmiedehandwerk trifft modernes Design“ handgeschmiedete Messer und hochwertige Metallobjekte.

„Das Schmieden hat mich schon von Kindesbeinen an fasziniert“, erinnert sich Kilian Kreutz, während der Schmiederohling erneut in der Glut des Feuers liegt. „Mein Vater hat sich damals aus eigenem Interesse eine Feldesse gekauft. Mit zwölf Jahren habe ich da unter Anleitung zum ersten Mal geschmiedet. Da stand für mich fest: Das ist der perfekte Job für mich." So kam nach dem Schulabschluss für ihn nur eine Ausbildung zum Metallbauer mit der Fachrichtung Metallgestaltung in Frage. Sprung in die Selbstständigkeit gewagt Im Jahr 2008 konnte der Rönkhauser dann die Weiterbildung zum Metallbaumeister abschließen und wagte noch im gleichen Jahr den Sprung in die Selbstständigkeit. „Angst, dass es nicht klappen könnte, habe ich bis heute nie gehabt. Ich habe es einfach gewagt. Die Menschen denken zu viel an die Vergangenheit und grübeln über die Zukunft. Dabei vergessen viele das Heute“, so Kreutz. Angestellter zu sein, kann sich der Metallbaumeister heute gar nicht mehr vorstellen. „Ich finde es toll, immer wieder meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Das ist echte Freiheit“, so Kreutz.

Die ehemalige private Werkstatt über seinem Elternhaus richtete er nach seinen Bedürfnissen ein. Nach und nach kamen immer mehr Maschinen wie Bandschleifer, Drehbank oder Härteofen dazu. „Die meisten Maschinen haben schon einige Jahre auf dem Buckel. Die Presse ist beispielsweise aus den 1940er Jahren. Aber sie funktionieren alle einwandfrei. Und ich finde es auch spannend mich zu fragen, was diese Maschinen alles erlebt haben oder wer damit gearbeitet hat“, erklärt der 31-Jährige. Auch der Amboss des Großvaters ist heute noch im Einsatz.
Neben dem Schmieden von individuellen Metallobjekten wie Zäunen, Toren oder Geländern ist das Schmieden von Messern aus verschiedenen Stahlarten die große Leidenschaft von Kilian Kreutz. Auf Kundenwunsch oder aus seinen eigenen Entwürfen fertigt er handgeschmiedete Messer. Ob für Freizeit, Jagd oder den Einsatz in der Küche, verspielt oder gradlinig, klassisch oder modern - jedes ist ein Einzelstück. Einzigartige Muster aus 240 Lagen Stahl „Es ist sehr spannend, wie aus verschiedenen Lagen aus einzelnem Stahl, die zusammengeschweißt und mehrfach gefaltet werden, durch Legierungen, Ätzungen und natürlich das Schmieden langsam ein Muster auf der Klinge entsteht“, erklärt er. So erhält jedes Messer ein individuelles Muster aus 240 Lagen Stahl.
Mehr als 100 Stunden Arbeitszeit stecken in jedem handgefertigten Messer.
Zum Schluss fertigt Kreutz ebenfalls von Hand einen passenden Griff. Dazu verwendet er edle Hölzer wie Palisander, heimische Hölzer wie Birke und Eiche oder fossile Materialien wie Mammutelfenbein.

„Aus Respekt vor der Natur und der Nachhaltigkeit halte ich mich eher an heimische Hölzer, bei denen man auch weiß, wo sie herkommen. Hörner von noch lebenden Arten, wie etwa Rindern, möchte ich nicht verwenden, weil ich nicht möchte, dass ein einziges Tier extra geschlachtet wird, damit daraus Messergriffe entstehen können“, erklärt der Metallbaumeister. Die Hölzer werden von ihm eigens mit Kunststoff stabilisiert, damit sie keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen und so länger halten. Spaß an jedem ArbeitstagMehr als 100 Stunden Arbeit steckt in einem solchen Messer, bis es an den Kunden ausgeliefert wird. Da Kilian Kreutz als Ein-Mann-Betrieb arbeitet, wird oft bis spät in die Nacht gehämmert und geschmiedet. Gerade die Nähe zum Wohnhaus verleitet oft dazu, noch schnell etwas zu erledigen, zu skizzieren oder vorzubereiten. „Ich freue mich auf jeden Arbeitstag. Wenn ich mal einen Tag nicht arbeite, weil ich unterwegs bin, vermisse ich die Arbeit. Gerade die Abwechslung macht es für mich so spannend“, erklärt er. Selbst wenn er nicht in der Werkstatt ist, wird noch gearbeitet: „Ob im Supermarkt oder beim Spazieren gehen - ich habe immer Ideen, was ich gestalten oder wie ich eine Arbeit umsetzen möchte. Das muss natürlich gleich skizziert werden“, lacht er. Demnächst möchte der Metallbaumeister auch verschiedene Möbelstücke herstellen. Dazu soll der Dachboden der Werkstatt ausgebaut werden, um der Kreativität noch mehr Raum zu bieten.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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