Nachrichten Kultur
Drolshagen, 15. Januar 2018

Zerstrittenes Paar in „Die Wunderübung“ und harmonische Partnerschaft im Bahnhof

Erfolgreiche Premiere: Zusammenarbeit von Konnex-Theater und Dorfverein Hützemert

Die Darsteller des Konnex-Theaters überzeugten und begeisterten das Publikum mit hochprofessionellen Darbietungen.
Die Darsteller des Konnex-Theaters überzeugten und begeisterten das Publikum mit hochprofessionellen Darbietungen.
Foto: Rüdiger Kahlke
Drolshagen. Sie haben sich gesucht – und gefunden: das Konnex-Theater und der Dorfverein Hützemert. Die Theaterleute, deren Bühne bisher das St. Clemens-Haus war, hatten eine kleine Spielstätte gesucht. Intim, nah dran am Publikum sollte sie sein. Passend zum Stück. Der Dorfverein konnte punkten: mit dem Saal im altem Bahnhof und seinem Sinn für Kultur.

Das Ergebnis: eine harmonische Partnerschaft, die auf Anhieb ein durchschlagender Erfolg wurde. Ganz anders als die Partnerschaft in „Die Wunderübung“. In dem Stück wird nämlich heftig gestritten. Sieben Vorstellungen von Mitte November bis Mitte Januar waren geplant und flugs auch ausverkauft. Jetzt legen das Konnex-Theater und der Dorfverein nach. Wegen der großen Nachfrage gibt es noch einen zusätzlichen Auftritt am Sonntag, 21. Januar. Interesse an Karten gibt es immer noch. Professioneller Auftritt Aus gutem Grund. Was Anke Strugalla und Christian Rahrbach als sich fetzendes therapiebedürftiges Ehepaar und Stefan Ratay als Therapeut in dem Zwei-Stunden-Stück bieten, ist großes Theater. Klar, es werden auch Klischees bedient: Sie, die emotionale, vernachlässigte Ehefrau. Er, der coole Typ, beruflich erfolgreich, der sich aber nicht mit häuslichen Problemen belasten will. Dazu der Therapeut, der versucht, dem Paar durch „Übungen“ und Erinnerungsbrücken Wege aus der Krise aufzuzeigen. Wie die Laien-Schauspieler die Charaktere zeichnen, ist hochprofessionell. Da stimmen Stimmlage, Mimik und Gestik in jeder Phase des Spiels.

Als es für die Akteure in die dringend benötigte Sitzungspause geht, sind sich die Zuschauer schon einig. Gespräche auf dem Weg in die Gaststube beginnen häufig mit „Einfach klasse“ oder ähnlich begeisterten Bemerkungen. Dass das Stück nach der Pause weiter Fahrt aufnimmt und zu einer überraschenden Wendung führt, ahnt da noch niemand. Man ist nah dran, ja, mittendrin im Geschehen. Der Zuschauer leidet mit. Besser geht es nicht. Eigens Empore für Zuschauer gebaut Dass auch mehr an Vorstellungen nicht mehr geht, liegt auch am rührigen Dorfverein. Der hatte auf kleine Mängel wie mangelnde Bühnensicht reagiert. Für „Die Wunderübung“ war eine kleine Bühne eingebaut worden. Da im hinteren Teil des Saales die Sicht dennoch schlecht war, besserten die Hützemerter nach. Aus Holzpaletten wurde eine kleine Empore gebaut und die hintere Reihe zusätzlich mit Hochstühlen bestückt – Service für die Besucher und ein Feeling wie im großen Kino oder Theater. Jetzt muss die Bühne weg. Denn: Am 27. Januar steht der nächste Kracher auf dem Programm. Dann gastieren die „Driem Boys“ mit Kölsch Rock im alten Bahnhof. Da muss die Bühne raus, weil sie federe, heißt es beim Dorfverein. Das muss nicht das Ende einer erfolgreichen Aufführung sein. Im Herbst, so Überlegungen beim Konnex-Theater, könnte man „Die Wunderübung“ vielleicht nochmal auf die Bühne bringen, die auf Anhieb erfolgreiche Arbeit mit den Hützemerter fortsetzen. 

Die Akteure, das machen sie im Gespräch deutlich, haben das Stück und die Location lieb gewonnen. Auch wenn es schwierig sei, über zwei Stunden so intensiv in kleiner Besetzung zu spielen. Früher, erinnert sich Christan Rahrbach, wurden mit zwölf, später sechs Leuten Boulevard-Stücke gespielt. „Schenkelklopfer“ halt. Jetzt ist deutlich anspruchsvoller, anstrengender auch. Aber es macht auch mehr Spaß. In der Nachbarschaft sind Kulturfreunde und -Veranstalter bereits auf das Stück aufmerksam geworden. Wenn es im Herbst eine Neuauflage von „Die Wunderübung“, dann vielleicht auch anderswo. Kein Wunder, wenn sich Klasse rumspricht.
Kurz & knapp: das Konnex-Theater

Das Konnex-Theater ist 1995 als Theater-AG aus dem Konnex-Club hervorgegangen, der in den Bereichen Sport, Fun und Kultur tätig ist.

Mehr als zwei Jahre nach seiner letzten Produktion "Ein Mann in jeder Beziehung" hat sich das Konnex-Theater im November 2017 mit „Die Wunderübung“ zurückgemeldet.

Erstmals führt das Konnex-Theater die Stücke im Alten Bahnhof Hützemert auf. Begründung: „Die Wunderübung“ benötige die intime Nähe zum Publikum, deshalb fiel die Wahl des Aufführungsorts auf eine vergleichsweise kleine Bühne, bei der der direkte Kontakt zu den Zuschauern gegeben ist.
   
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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