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Attendorn, 11. April 2017

Semmelsegnung, Baumschlagen und Porten-Feuer

Übersicht: Das Osterbrauchtum in Attendorn

Tradition und Highlight: das Semmelsegnen am Ostersamstag.
Tradition und Highlight: das Semmelsegnen am Ostersamstag.
Foto: Barbara Sander-Graetz
Von Barbara Sander-Graetz
Redaktion
Attendorn. Das Osterbrauchtum in Attendorn ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Mit großer Sorgfalt werden die zahlreichen Traditionen Details gehegt und gepflegt. Alljährlich kommen zahlreiche Besucher und „Exil-Attendorner“ in die Hansestadt, um Ostern in Attendorn zu feiern. Um 1870 organisierten sich die vier Osterfeuervereinigungen, die auch heute noch bestehen und sich nach den ehemaligen Stadttoren benennen: Ennester-, Kölner-, Niederstes- und Wassertor (oder Plattdeutsch „Pote“).

Schon an den vergangenen Samstagen trafen sich die Poskebrüder dieser vier Porten, um Holz zu stellen. Hierbei wird vor allem Laubholz verwendet. Die Äste werden zu „Bürden“ von rund einem Meter Länge zusammengelegt und dann mit Draht gebunden. Anschließend werden sie zum Feuerplatz geschafft und zum Trocknen aufgestellt.
Die Poskebrüder schlagen im Stadtwald den Baum für ihr Osterkreuz. Gefällt werden die Bäume mit Axt und Säge.
Wenn dann am Gründonnerstag, 13. April, während des Abendgottesdienstes Orgel und Glocken verstummen und „nach Rom fliegen“, beginnt das Osterbrauchtum in Attendorn. So werden am Karfreitag und Karsamstag „die Stunden geblasen“. Dabei sind vom Kirchturm der Pfarrkirche zwei langanhaltende Töne zu hören, die auf einem alten Nachtwächterhorn in alle vier Himmelsrichtungen geblasen werden. Gleichzeitig ziehen Messdiener mit sogenannten Ratschen, die ein weit hörbares Geräusch verursachen, um die Kirche. Ebenso laufen in der Karwoche die Vorbereitungen zur Herstellung der Ostersemmel auf Hochtouren. Wettstreit ums Kreuz und Semmelsegnung Am Karfreitagmorgen, 14. April, treffen sich die Poskeväter, um im Stadtwald den richtigen Baum für das jeweilige Osterkreuz auszusuchen. Jede Porte möchte natürlich das längste und größte Kreuz haben. Wer letztlich bei diesem nicht ganz ernst gemeinten Wettstreit gewinnt, entscheidet sich Karsamstag.

Doch zunächst ist 14 Uhr am Karsamstag, 15. April, die magische Zeit. Dann strömen Tausende Attendorner und Besucher mit ihrem Ostersemmel in der Hand zum Sauerländer Dom. Der Ostersemmel, dessen Teig mit Kümmel durchsetzt ist, hat an den beiden Enden je einen Einschnitt, so dass sich zwei „Hörner“ bilden. Die Form erinnert an die Schwanzflosse eines Fisches, das Erkennungszeichen der Frühchristen. Die Semmeln werden an der Nordseite der Pfarrkirche gesegnet. Seit 1658 ist dieser Brauch nachweisbar und hat sich, in der Tradition der mittelalterlichen Brotsegnung stehend, in Attendorn erhalten. Der Semmel wird traditionsgemäß mit Butter und Knochenschinken gegessen. Osterkreuze werden zu den Porten gebracht Im Anschluss ziehen die Poskebrüder in den Stadtwald, um die zuvor ausgesuchten Baum für ihr Osterkreuz zu schlagen. Gefällt werden die Bäume nach alter Väter Sitte mit Axt und Säge. Dieser wird gegen 17.30 Uhr feierlich und unter großem Besucherandrang auf dem Alter Markt vor dem Südsauerlandmuseum vermessen und anschließend zu den vier Porten gebracht. Ab 21 Uhr sind alle eingeladen zur Feier der Osternacht im Sauerländer Dom.

Nach dem Osterhochamt an Ostersonntag gehen die Poskebrüder gegen 13 Uhr  zu ihren Porten, um ihr Osterkreuz aufzurichten. Zuvor muss es mit Langstroh umwickelt werden, was eine besondere Fertigkeit voraussetzt. Pünktlich um 21 Uhr, wenn das Kreuz auf dem Sauerländer Dom erstrahlt, werden die vier Osterfeuer auf den Köppen abgebrannt. Um 21.20 Uhr geht eine Prozession mit den „Lüchten“  (alte, bleiverglaste Laternen) aus den Porten zur Osterabendandacht in die Pfarrkirche. Im Anschluss singt der  MGV „Cäcilia“ vor dem Pfarrhaus.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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