Nachrichten Kultur
Attendorn, 09. April 2017

"Bei uns sind alle Menschen jederzeit willkommen"

Feierliche Eröffnung der Attendorner Moschee

Gemeinsam zerschnitten die Redner und Ehrengäste ein symbolisches rotes Band zur Eröffnung der Moschee.
Gemeinsam zerschnitten die Redner und Ehrengäste ein symbolisches rotes Band zur Eröffnung der Moschee.
Foto: Ina Hoffmann
Von Ina Hoffmann
Redaktion
Attendorn. Schon vor 30 Jahren entstand bei den in der Hansestadt lebenden Muslimen der Wunsch nach einer eigenen Moschee. Vor drei Jahren wurde schließlich mit der Grundsteinlegung der Bau an der Kölner Straße begonnen. Nun konnte die Moschee am Samstag, 8. April, feierlich eröffnet werden.

Zahlreiche Besucher hatten sich auf dem Platz neben der Moschee eingefunden, um den Festrednern zu lauschen, die auf der eigens aufgebauten Bühne sprachen. Der Architekt Mehmet Tümce, Vertreter des Generalkonsulats in Essen, Prof. Dr. Nevzat Yasar Asikoglu vom Dachverband Ditib, Landrat Frank Beckehoff, Bundestagsabgeordneter Matthias Heider und Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil richteten Grußworte an die Zuhörer. „Ich bin stolz und glücklich, dass heute der Tag der Eröffnung gekommen ist“, sagte Ahmet Özdemir, der Vorsitzende des Moschee- und Kulturvereins. Er lebt seit 45 Jahren in der Hansestadt und bezeichnet sich selbst als „türkischstämmigen Attendorner“. Deshalb ist er sehr froh, dass der Moscheeverein in seiner Heimat ein eigenes Gotteshaus für die Muslime bauen konnte. „Bei uns ist jeder Mensch jederzeit willkommen. Ganz gleich, ob Muslim oder nicht. Wir hoffen, dass dies ein Ort der Begegnung der Kulturen wird“, so Özdemir.

Von der Schönheit der neu erbauten Moschee konnten sich die Besucher nach der feierlichen Eröffnung, bei der alle Redner und Ehrengäste gemeinsam ein symbolisches rotes Band durchschnitten, selbst überzeugen und bei Führungen das Gebäude erkunden.1453 qm auf vier EtagenDas 1453 qm große Gebäude verfügt über vier Etagen. Hier befinden sich Klassenräume für den Islamunterricht, Teeküchen, Waschräume, eine Kinderbetreuung, Aufenthaltsräume für die Frauen, Büros und Räume für das Kulturzentrum. Alle Etagen sind über einen Aufzug verbunden, sodass alle Räume barrierefrei zu erreichen sind.

Das Herzstück der Moschee bildet der 300 qm große Gebetsraum im Erdgeschoss, dessen Fenster nach Mekka ausgerichtet sind. In einer Gebetsnische wird der Imam vorbeten, während die Männer und, getrennt von ihnen auf einer Empore, die Frauen auf einem reich verzierten 14 cm dicken Teppich knien. Über den Betenden hängt ein 375 Kilogramm schwerer Kronleuchter von der Kuppel herab.In der zweiten Etage befindet sich die 100 qm große Wohnung des Imam, des Vorbeters. Hier gibt es ein Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlaf- und Kinderzimmer, denn der Vorbeter kommt meist mit seiner Familie. „Der Imam bewirbt sich in der Türkei um eine Stelle bei uns und kommt dann für fünf Jahre hierher. Da er extra für die Arbeit in der Moschee nach Deutschland kommt, ist es Tradition, dass wir ihm auch ein Dach über dem Kopf bieten“, weiß Schriftführer Ismet Coskunsu.

„All das wäre ohne die tatkräftige Hilfe unserer 285 aktiven Mitglieder nicht möglich gewesen. Viele kamen am Wochenende und haben beim Bau der Moschee mitgeholfen. Alles was uns möglich war, haben wir selbst vorbereitet und bearbeitet“, erklärte Ahmet Özdemir. „Alles wird über die Mitgliederbeiträge und Spenden finanziert. Wir bekommen keine Fördergelder. Das ist eine große Leistung für uns“.Eigentlich war die Fertigstellung der Moschee schon ein Jahr früher geplant, doch der Bau verzögerte sich. „Da wir vieles in Eigenleistung gemacht haben, hat es sich länger hingezogen, als wir erst dachten. Es gab Gerüchte, der Moscheeverein sei pleite. Aber in Wahrheit gingen die Arbeiten manchmal nur langsam voran, damit wir nicht am Ende pleite sind. Wir haben immer gründlich nach günstigen Alternativen gesucht, damit die Finanzierung dieses Projektes möglich ist“, erklärte Özdemir.

Wer die Räumlichkeiten der Moschee besuchen möchte: Während des Kulturfestes am Samstag und Sonntag, 29. und 30. April, werden weitere Führungen angeboten.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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