Nachrichten Kultur
Attendorn, 23. April 2018

LokalPlus verlost 3 X 2 Tickets

Der Postillon in Attendorn: Interview mit Anne Rothäuser und Thieß Neubert

Anne Rothäuser und Thieß Neubert stellten sich den Fragen von LokalPlus.
Anne Rothäuser und Thieß Neubert stellten sich den Fragen von LokalPlus.
Foto: SALON kultur
Attendorn. Anne Rothäuser und Thieß Neubert, die regelmäßig als Nachrichtensprecher bei „Postillon24 - Wir berichten, bevor wir recherchieren“ zu sehen sind, gastieren am Mittwoch, 16. Mai, in der Stadthalle Attendorn. Im Interview mit LokalPlus haben die beiden verraten, was die Besucher erwartet, was das Besondere am Postillon ist, welche Wahrheit hinter dem Pizzakarton aus Attendorn steckt und woher sie ihre Ideen für ihre satirischen Berichte nehmen.

Sie frühstücken morgens einen Clown?
Thieß Neubert: Nein, ich bin Vegetarier.

Anne Rothäuser: Ja.
Wie kommt man auf diese ganzen Berichte?
Thieß Neubert: Das weiß ich doch nicht. Wir lesen sie ja nur vor und sehen dabei gut aus. Geschrieben werden sie in dunklen Kämmerlein von hässlichen, meist fetten Autoren.
Wie arbeitet eine Satire-„Nachrichtenredaktion“ im Gegensatz zu einer „seriösen“? Wo liegen die Schwierigkeiten?
Thieß Neubert: Die einen sitzen mit einem Team aus kompetenten Redakteuren täglich gemeinsam am Tisch und recherchieren akribisch nach tagesaktuellen Themen, über die man die Leser informieren möchte. Die anderen schreiben sich, nachdem sie ausgeschlafen sind, am späten Vormittag per Mails irgendwelche lustigen Pointen und machen daraus einen absurden, unterhaltsamen Artikel.  Wer nun die Satire- und wer die „seriöse“ Redaktion ist, dürfen Sie sich aussuchen.

Anne Rothäuser: Die Schwierigkeit liegt darin, den Geschmack der Leser zu treffen. Das wiederum unterscheidet eine Satirezeitung nicht wesentlich von einem seriösen Magazin wie ‚Der Postillon’
An welche(n) Artikel denken Sie besonders gerne zurück?
Anne Rothäuser:  Hm? Tja.... „In einer Buchstabensuppe ist jeder Buchstabe genau 5 mal enthalten. Außer das E, das ist 6 mal drin.“

Thieß Neubert: An keinen. Ich persönlich finde alle scheiße.
Es soll Menschen geben, die Satire nicht als solche erkennen. Gibt es besonders amüsante Beispiele dazu, an die Sie sich noch gut erinnern können?
Anne Rothäuser: Das passiert tatsächlich täglich. Schwer, da einzelne Beispiele herauszufiltern. Geht man allein nach den Reaktionen auf den sozialen Netzwerken wie Facebook, kann man den Eindruck bekommen, dass 70 Prozent der Leser keine Satire verstehen. Glücklicherweise sind diese aber ja nicht repräsentierend für den Rest der Menschheit. Das hoffe ich zumindest…

Thieß Neubert: Ich selbst verfolge die Reaktionen nicht. Da müssen Sie meinen Chef fragen.
Fake-News sind ein längst allgegenwärtiger Begriff und machen Nachrichtenmedien die Arbeit oft schwer. Wie schätzen Sie das Phänomen Fake-News ein?
Thieß Neubert: Dazu kann ich leider überhaupt nichts sagen, da wir im Bereich der Fake News ja nicht aktiv sind.

Anne Rothäuser: Muss hart sein.
 
Haben Sie von dem Jungen aus Attendorn gehört, der dafür bestraft wurde, dass er einen Pizzakarton in einem öffentlichen Mülleimer entsorgt hat? Das hätte, würde es nicht der Wahrheit entsprechen, doch sicherlich Postillon-Potential gehabt?
Thieß Neubert: Nun können wir’s ja sagen: Diese Meldung stammt vom Postillon. Witzig, oder?
Warum, glauben Sie, ist der Postillon so erfolgreich?
Anne Rothäuser: Erfolgreich?? Jede Bitte um eine Gehaltserhöhung wird seit Jahren vom Vorstand abgelehnt, mit der Begründung, dass das Blatt nicht läuft.

Thieß Neubert: Es hat sich gezeigt, dass viele Leser einst renommierten Tageszeitungen nicht mehr vertrauen können und eine Instanz brauchen, bei der sie wissen, was sie daran haben.  Und das bietet die BILD. Moment, wie war die Frage?
Bringen Sie selbst Ideen in die redaktionelle Berichterstattung ein?
Anne Rothäuser: Haha, guter Witz!

Thieß Neubert: Würde ich das tun, hätte ich jetzt keinen Job mehr.
Ist das Ihre erste Live-Tour?
Thieß Neubert: Nein, wir haben im vergangenen Jahr damit gestartet. Aufgrund der großen Nachfrage haben wir uns entschieden, die Tour zu verlängern.
Was ist das Besondere an der Tour? Wo liegt der Unterschied zwischen Live-Unterhaltung und dem Dreh vor einer Kamera?
Anne Rothäuser: Das eine ist gemeinhin eine Live-Unterhaltung. Das andere ein Dreh vor einer Kamera.

Thieß Neubert: Na, die Reaktion des Publikums. Beim Dreh vor der Kamera lacht höchstens der Regisseur, weil man mal wieder seinen Text vergessen hat. Vor Publikum ist das dann schon alles eine Spur unangenehmer.
Immer wieder kommt es vor, dass Sie mit Ihren Recherchen der Zeit voraus waren. Das WLAN in Kirchen ist eines der bekanntesten Beispiele wahr gewordener Nachrichten. Können Sie in die Zukunft blicken, oder muss Satire einfach irgendwann real werden?
Anne Rothäuser: Das ganze Leben ist doch Satire pur. Das macht die Arbeit für uns natürlich umso schwieriger.

Thieß Neubert: Hätten wir vor drei Jahren einen Artikel über einen frauenverachtenden, rassistischen, narzistischen und politisch desinteressierten Immobilientycoon gemacht, der neuer US-Präsident und damit mächtigster Mensch der Welt wird, hätte man die Nachricht vermutlich als übertriebene Satire abgestempelt. Heute dagegen würde man denken: „Na und? Wo bleibt der Witz?“
Gewinnspiel
LokalPlus verlost 3x2 Karten für die Veranstaltung am Mittwoch, 16. Mai, in Attendorn. Dazu ist folgende Frage zu beantworten:

Was frühstückt Anne Rothäuser morgens?

Die Antwort ist bis Sonntag, 29. April, 18 Uhr per E-Mail an info@lokalplus.nrw unter Angabe des vollständigen Namens und der Adresse zu senden. Unter allen richtigen Antworten werden die Tickets dann verlost. Diese können dann gegen Vorlage des Personalausweises an der Abendkasse abgeholt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Für alle, die kein Glück hatten, sind Tickets im Vorverkauf erhältlich. Karten gibt es ab 28,90 Euro bei der Tourist-Info in der Rathauspassage in Attendorn, im Bürgerbüro, in der Buchhandlung Frey, online, über die Tickethotline 0180/6 05 04 00 (0,20 Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz, maximal 0,60 Euro/Minute aus allen Mobilfunknetzen) sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
Ein Artikel von Nils Dinkel

Bildergalerie: Der Postillon in Attendorn: Interview mit Anne Rothäuser und Thieß Neubert