Nachrichten Karneval
Lennestadt, 13. Januar 2017

Stefanie Picker trainiert 13 Männer

Offiziersgarde des Schützenvereins Altenhundem tanzt an Karneval erstmals

Die Offiziersgarde übt für ihre ersten Auftritte.
Die Offiziersgarde übt für ihre ersten Auftritte.
Foto: Nils Dinkel
Altenhundem. „Schatz, ich bin beim Tanzen.“ An diesen und ähnliche Sätze müssen sich die Partnerinnen der 13 Männer wohl erst noch gewöhnen: Die Karnevalisten in Altenhundem bekommen nämlich männliche Unterstützung: „Die Offiziersgarde des Schützenvereins Altenhundem.“ Eine Gruppe von Schützen, die in diesem Jahr unter Leitung von Stefanie Picker zum ersten Mal auftreten.

Manch einer kennt vielleicht noch die Rosenmontagsdisco oder den Altweiberball. In Altenhundem war an Karneval eigentlich immer etwas los. Diese Veranstaltungen gibt es nicht mehr. Ähnlich sah es bei den „Spassbacken“ aus: Im vergangen Jahr mussten die Frauen ihren Karneval kurzfristig absagen und waren alles andere als begeistert.

Auch die Altenhundemer Martin Vollmert und Carsten Schmidt beschäftigte das Thema. „Warum ist das so?“, fragten sich die Offiziere bei zwei, drei Bierchen. Und warfen schließlich eine Idee in den Raum: Eine Offiziersgarde des Schützenvereins Altenhundem – sowas könne doch nicht so schwer sein. Damit, waren sich beide einig, könnte man die Frauen bestimmt unterstützen.

Der Gedanke war gerade ausgesprochen, da kam Susanne Schneider von den „Spassbacken“ die Idee schon zu Gehör. Und sie zeigte sich direkt begeistert. Karneval war dann vorbei, niemand hatte weiter über die Idee gesprochen. Aber dass Frauen vergessen, dass Männer freiwilligen tanzen wollen – sowas kommt nicht vor. Zumindest nicht bei den „Spassbacken“. Die kamen also auf die Idee der beiden Altenhundemer zurück.
Die Offiziersgarde mit Trainerin Stefanie Picker.
„Da nahm das Drama seinen Lauf“, lacht Carsten Schmidt. Also wurde nach weiteren Mutigen im Schützenverein gesucht. 13 aktive Tänzer aus dem Schützenverein Altenhundem zählt die neue Offiziersgarde nun. Irgendwann musste dann auch eine Trainerin her. Dabei hatten die Männer an Stefanie Picker gedacht. Die 32-Jährige hat selbst jahrelang in einer Garde getanzt und die Mädchen-Garde aus Langenei trainiert.

Im November meldeten sich die Tänzer in spe bei ihr. November, der Monat, in dem andere Gruppen ihren Tanz schon lange einstudiert haben. „Habt ihr mal in den Kalender geguckt? Ihr seid ein bisschen spät dran“, sagte Picker damals - und sagte trotzdem zu. Nicht ohne im selben Atemzug zu denken: „Worauf habe ich mich da nur eingelassen?“

13 Männer, die auf das Kommando der 32-Jährigen hören sollen? Im ersten Moment auch für sie unvorstellbar. „Aber beim ersten Treffen war ich positiv überrascht“, erzählt sie. Die Jungs und Männer seien sehr diszipliniert und nähmen die Sache auch ernst. „Die Männer hören zu und machen, was ich ihnen sage“, erzählt sie. „Aber dann sind sie auch froh, wenn sie nach zwei Stunden Training ihr Bierchen bekommen“, lacht die Trainerin.
Das Bier und der gesellige Teil des Trainings sind aber nur die Belohnung und Nebensache, denn: Die „Jungs“ seien sich der Sache bewusst und wollten am Ende auch einen guten Auftritt hinlegen. Was ihr die Truppe sofort erzählt habe: „Steffi, wir sind jetzt alle in einem Alter, wo sich keiner mehr blamieren will. Das Ganze soll nicht lächerlich wirken“, erzählt Picker.

Auch Carsten Schmidt erzählt, dass er anfangs dachte, die ganze Sache gehe nach hinten los. „Aber komischerweise funktioniert es und geht uns leicht von der Hand.“ Der Spaß dürfe dabei natürlich nicht auf der Strecke bleiben, aber „wir wollen auch Qualität liefern“, so der Offizier. Zwei Auftritte Bei zwei Auftritten will die Offiziersgarde ihre rhythmischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Beim Frauenkarneval der „Spassbacken“ am Sonntag, 12. Februar, und in der „Schunkelnden Sauerlandhalle“ am Samstag, 18. Februar, können die 13 Tänzer dann zeigen, dass nicht nur Frauen „Beine schmeißen“ können.

Dass sie anfangs daran zweifelte, ob das gut geht, gesteht Picker zwar ein. Mittlerweile hat sich die Skepsis aber in Zuversicht verwandelt: „Es macht wirklich Spaß, jeder aus der Gruppe bringt sich ein.“ Und lachend fügt sie hinzu: "Einer der Männer meinte neulich, das Training sei der lustigste Abend in der Woche.
Ein Artikel von Christine Schmidt

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