Nachrichten Karneval
Lennestadt, 18. Januar 2017

Auftritte beim Frauenkarneval der „Spassbacken“ Altenhundem sind Kult – aber keine Routine

Monika „Lille“ Lillpopp: Wie aus Alltagsgeschichten eine Büttenrede wird

Seit rund 13 Jahren hält Monika Lillpopp die Büttenreden.
Seit rund 13 Jahren hält Monika Lillpopp die Büttenreden.
Foto: Christine Schmidt
Altenhundem. Für den Busen eine Creme, die Männer immer leiden sehn, immer älter im Gesicht und sowieso viel zu viel Gewicht: So oder so ähnlich hat Monika Lillpopp schon so manche Themen aus dem Alltag in ihrer Büttenrede scherzhaft verpackt. Sie gehört zu den drei Gründerinnen der Altenhundemer Karnevalistinnen „De Spassbacken“. Seit rund zwölf Jahren geht sie beim Frauenkarneval in Altenhundem als „Lille“ verkleidet in die Bütt. Am kommenden Sonntag, 12. Februar, tritt sie wieder in der Sauerlandhalle auf.

„Die anderen Frauen sagen immer, ich kann das so gut, weil ich einfach einen so trockenen Humor habe und mit meiner Mimik spielen kann. Ein dummes Gesicht machen, kann ich – glaube ich – ganz gut“, lacht Monika Lillpopp. Und dann braucht es natürlich noch Themen für die Büttenrede. Probleme mit dem Mann, mit den Kindern, aber auch alle Sorgen, die man halt so als Frau hat, versucht „Lille“ mit ihrer trockenen Art amüsant verpackt zu erzählen.

Ihr ist es dabei wichtig, dass sich ihr Publikum in den Geschichten wiederfindet. Von ihrem Rednerpult aus hat sie die weiblichen Jecken genau im Visier, beobachtet das Publikum und die Reaktionen auf ihre Gags. „Da sieht man dann auch Frauen, die zu den Freundinnen sagen: ‚Ja, das ist uns auch passiert‘, und die sich vor Lachen nicht mehr einkriegen.“
„Lille“ verkleidet sich jedes Jahr anders für die Bütt.
Das ganze Jahr über hält sie Augen und Ohren offen, um lustige Geschichten aufzuschnappen. Auch Freundinnen erzählen Monika Lillpopp Geschichten aus deren Leben, die sie dann wiederum gerne für ihre Bütt benutzt. Manchmal allerdings auch zum „Leid“ der anderen Familienmitglieder. Ihre zwei erwachsenen Kinder und ihr Mann etwa müssen oft für die peinlichen Geschichten herhalten. „Ich habe meinen Mann ja vorher gefragt, und er war einverstanden“, erzählt die Altenhundemerin mit einem Augenzwinkern. Wenn sie Erlebnisse von anderen Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten in ihre Büttenrede einbaut, werden deren Namen natürlich gegen andere ausgetauscht.

Monika Lillpopp greift nach einem Stapel Papier und liest zwei oder drei Abschnitte aus einer ihrer Reden vor. Die Betonung sei natürlich mit das Wichtigste, erklärt sie. Alles müsse ganz dramatisch dargestellt und übertrieben werden. Aber auch Spontanität gehört bei ihr dazu, an Karneval sollen die Leute ja auch Spaß haben. „Wenn jemand im Publikum gar nicht mehr aufhört zu lachen, schimpfe ich auch spaßeshalber mit ihm: Jetzt ist aber mal gut da vorne, Mensch“, lacht die „Spassbacke“. „Wenn ich eine andere Person bin, geht die Post ab.“Ein Kostüm gehört selbstverständlich beim Karneval auch dazu. „Egal ob Nase oder Hut, ich muss mich verkleiden“, erzählt die Büttenrednerin. „Wenn ich eine andere Person bin, dann geht die Post ab.“ Sie könne sich dann besser auf die Person, von der sie erzählt, konzentrieren. Ob Rentner, Putzfrau oder einfach nur ein dicker Hintern mit Kissen bauen, Monika Lillpopp steht jedes Jahr mit einem anderen Kostüm auf der Bühne.  

Der Ablauf unmittelbar vor jedem Auftritt: Schnell noch ein Sekt „zum Runterkommen“. Dann kommt das Einzugslied, und die ganze Halle weiß: „Lille“ kommt. Genau das sei eben auch das Besondere an ihr und an Altenhundem: „Die Leute kennen mich und meine Familie und sie kennen die Stadt.“ Stünde dort ein Redner aus Köln auf der Bühne, würde der lokale Bezug fehlen. „Ich habe zum Beispiel mal erzählt, wie ich mich in Altenhundems erstem Kreisel verirrt habe“, erinnert sich Monika Lillpopp. Ein guter Witz von einer Einwohnerin für Einwohner kommt eben an.
Die Büttenrednerin "in Zivil".
 Die Leute können sich dank der Büttenrede mitunter ein ganz deutliches Bild davon machen, wie es bei Lillpopps zu Hause zugeht. Ein Beispiel: Monika bekommt von ihrem Mann eine Creme für einen straffen Busen zu Weihnachten geschenkt. Schön verpackt mit goldenem Geschenkpapier, ist der Ehegatte stolz, so ein tolles Beautyprodukt gefunden zu haben. Monika weiß derweil gar nicht mehr, was sie sagen soll. Genauso passiert, nicht ausgedacht, versichert sie – und perfekt für den Frauenkarneval: geeignet, denn: Dass sich in solchen Storys die Frauen in den Reihen der Karnevalssitzung wiederfinden, ist sicher – und das Gekreische ist dementsprechend groß.

„Wenn die Leute dann nach dem Auftritt kommen und sagen: Du hast mich so richtig zum Lachen gebracht, ist das das Größte für mich“, findet Monika. „Schon mal bekomme ich auch nur einen Schulterklopfer. Dann bin ich einfach nur glücklich.“ Lampenfieber als ständiger Begleiter Obwohl sie schon mehrfach auf der Bühne gestanden hat, sind die Auftritte noch längst keine Routine, noch immer spielt das Lampenfieber mit, bevor es in die Bütt geht. „Die Aufregung gehört aber dazu, sonst wäre das ja Normalität und nicht mehr so lebendig.“ Dass nach so einem Ausflug in die Bütt alle Last abfällt, ist gewiss. Man wisse nie, wie die Damen drauf sind, ob sie es lustig finden und mir überhaupt zuhören. Gleichzeitig erinnert sie sich aber auch an Büttenreden, bei denen die Karnevalisten so gefesselt waren, dass man eine Nadel hätte fallen hören können.

Für den kommenden Frauenkarneval der „Spassbacken“ ist die Büttenrede übrigens schon fertig. Über welche Anekdoten „Lille“ diesmal erzählt, verrät sie natürlich nicht.

Ein Artikel von Christine Schmidt

Bildergalerie: Monika „Lille“ Lillpopp: Wie aus Alltagsgeschichten eine Büttenrede wird