Nachrichten Karneval
Attendorn, 03. Oktober 2017

50 Jahre Tanz und gute Laune

Regimentstöchter Attendorn feiern Jubiläum in der Wagenbauhalle

Von heutigen Akteuren bis zu den Gründungsmitgliedern: Alle waren zum Feiern in die Wagenbauhalle gekommen.
Von heutigen Akteuren bis zu den Gründungsmitgliedern: Alle waren zum Feiern in die Wagenbauhalle gekommen.
Foto: Barbara Sander-Graetz
Attendorn. Mit der Teilnahme am BDK-Qualifikationsturnier am Sonntag, 1. Oktober, in Polheim sind die Attendorner Regimentstöchter in die neue Tanzsportsaison gestartet. Zum Saisonauftakt wurden ein siebter Platz im Marschtanz und ein fünfter Platz im Schautanz erreicht. Nach der Pflicht kam dann am Montag, 2. Oktober die Kür. Da feierten die „Regimentstöchter“ ihr 50-Jähriges Bestehen in der Wagenbauerhalle.

Rund 150 Regimentstöchter aus 50 Jahren Tanzsport waren gekommen, darunter mit Brigitte Trilling, Zita Scheele, Anneliese Wilmes und Inge Kniep vier der acht Gründungsmitglieder und Tänzerinnen der ersten Stunde. Präsident Marc Rohrmann und Gardenbeauftragte Viola Maiworm ließen es sich nicht nehmen, ihnen einen Blumenstrauß zu überreichen und ihnen für ihre Pionierarbeit zu danken.

Zuvor waren 90 ehemalige und heutige Regimentstöchter zur Melodie von „Valencia“, dem Markenzeichen der Tanzformation, in die Wagenbauerhalle einmarschiert. Da hatte so mancher die eine oder andere Träne  im Auge vor Rührung. Regimentstöchter ein "Aushängeschild" der HansestadtAuch Uli Selter als stellvertretender Bürgermeister freute sich über so viele Regimentstöchter zusammen. „Ihr seid ein Aushängeschild für die Stadt Attendorn weit über die Grenzen hinaus.“ Der Stadtvertreter kam nicht mit leeren Händen und überreichte das beliebte sauerländer Flachgeschenk. Zu den Gästen gehörten auch die Meinerzhagener Fanfaren. Sie begleiten die „Regis“ seit 40 Jahren im Karnevalszug. Daher hatten sie das ein oder andere Ständchen im Gepäck. Auch ein paar Urgesteine hatten sich mit auf den Weg gemacht, so wie der damalige Dirigent, der für ein Stück noch einmal den Dirigentenstab übernehmen durfte und  mit Leidenschaft und vollem Körpereinsatz dirigierte.

Neben dem leiblichen Wohl gab es auch eine große Tombola. Hauptpreis war ein Tanz der Regimentstöchter. Das Gewinnerlos ging an Bianca Klimpel. Als nächstes sind die Regimentstöchter beim 19. Kattfiller-Tanzturnier am 14. und 15. Oktober in Attendorn zu sehen.
Die Geschichte der Regimentstöchter:
Die  Idee zur Gründung einer weiblichen Garde entstand während der Silvesterfeier der Roten Funken zum Jahreswechsel 1966/67. Die Gardisten hatten ihre Frauen und Freundinnen schon lange vor diesem Termin „gehänselt“, nichts Eigenständiges im Verlauf der Karnevalstage auf die Beine stellen zu können. Da die Damen sich diesem Vorwurf nicht länger gefallen lassen wollten, kam es somit zur Gründung der Regimentstöchter.

Ein großes Problem war allerdings die rechtzeitige Beschaffung der Kostüme. Aufgrund der guten Kontakte des Gerätewartes Richard Korte mit der Firma Karl Hintzen, Korschenbroich (von der die Karnevalsgesellschaft seit mehr als 40 Jahren die erforderlichen Kostüme ausleiht beziehungsweise ankauft), konnten jedoch die Kostüme rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden. Auch das Problem fehlender Gardestiefel löste sich noch vor Karneval. 1967: Erste Teilnahme am VeilchendienstagszugDaher bereicherten die folgenden Regimentstöchter erstmals den Veilchendienstagszug 1967: Doris Morsch, Zita Scheele (geb. Menneckes), Anne Wilmes, Martina Kost, Ingrid Kniep, Brigitte Kost (geb. Trilling), Anne Kost (geb. Beseke) und Ilona Weber.

Bis 1974 gestalteten die Regimentstöchter ihre Tänze selbst. Danach übernahm Rosi und Raimund Isphording die Leitung der Garde, da die Mädchen künftig an Tanzturnieren teilnehmen wollten. Aus diesem Grund konnten sie ihre Tänze nicht in der bisherigen gewohnten Art fortführen. Sie mussten sich den Richtlinien der Tanzturnierordnung des Bundes Deutscher Karneval anpassen. So wurde auch die Zahl der Regimentstöchter von acht auf zehn Tänzerinnen erhöht.

Bei ihrer ersten Turnierteilnahme am 15. November 1975 in Bocholt belegten die Mädchen einen überraschenden achten Platz im Marschtanz. Da es bei Tanzturnieren für Garden nicht nur die Disziplin „Gardetanz“, sondern auch den „Schautanz“ gibt, wurde 1976 erstmals ein Schautanz (Hawaii-Tanz) einstudiert. Dieser Tanz war ein so großer Erfolg, dass er 1977 im Rahmen der Endausscheidung der karnevalistischen Hitparade in Frimmersdorf vom Fernsehen übertragen wurde. 1982: Qualifikation zur Deutschen MeisterschaftIm selben Jahr wurde die Stärke der Garde von zehn auf zwölf Mädchen erhöht. Der eigentliche Durchbruch bei Tanzturnieren gelang den Regimentstöchtern, die seit der Session 1979/80 von zwölf auf 16 Mädchen angewachsen waren, zu Beginn des Jahres 1982, als sie sich in Düren sowohl im Marschtanz, als auch im Schautanz für die Deutschen Meisterschaften 1982 qualifizierten. Vorausgegangen war aber ein schwaches Abschneiden beim Westfalenturnier in Münster, wo man nur einen Mittelplatz erreichen konnte.

Nachdem die erste Enttäuschung überwunden war und der Elferrat noch dazu neue Schautanzkostüme genehmigt hatte, packte die Mädchen der Ehrgeiz und ein intensives Training für das nächste Jahr begann. Der Doppelerfolg in Düren, und vor allem der unerwartete Sprung unter die zehn besten Tanzgarden Deutschlands bei den Deutschen Meisterschaften in Karlsruhe, waren natürlich der schönste Lohn für die vielseitigen Anstrengungen. Diesen Rang innerhalb der zehn besten deutschen Tanzgruppen konnten die Regimentstöchter bis heute behaupten und festigen. 1987: Auftritt in der Wiener Hofburgredoute Ein Höhepunkt in der Geschichte der Regimentstöchter war sicherlich der Auftritt der Garde in der Wiener Hofburgredoute am 14. Februar 1987 anlässlich der Verleihung des Ordens „Der liebe Augustin“. Dieser Orden ist die höchste karnevalistische Auszeichnung Österreichs und wird von der Wiener Faschingsgesellschaft an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vergeben. Nicht nur durch ihr tänzerisches Können, sondern auch auf Grund ihrer wirkungsvollen, neuen Gardeuniformen hinterließen die nunmehr 20 Regimentstöchter in der österreichischen Bundeshauptstadt einen nachhaltigen Eindruck.

Um solch schöne Erfolge erringen zu können, müssen natürlich wesentliche Voraussetzungen erfüllt werden. Neben einer guten Choreographie, sportlichem und tänzerischem Können, Trainingsfleiß und Verzicht auf manche Stunde Freizeit, gehören vor allem eine gute Kameradschaft und selbstverständlich manchmal etwas Glück dazu.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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