Nachrichten Karneval
Attendorn, 06. März 2019

Veilchendienstags-Zug in Attendorn

Karneval von oben: LokalPlus auf dem Mottowagen des Ihnetaler Männerballetts

Das Ihnetaler Männerballett war zum ersten Mal im Attendorner Umzug mit einem Festwagen dabei - und nahm auch LP-Mitarbeiterin Sina Schneider mit.
Das Ihnetaler Männerballett war zum ersten Mal im Attendorner Umzug mit einem Festwagen dabei - und nahm auch LP-Mitarbeiterin Sina Schneider mit.
Foto: Sina Schneider
Attendorn. Wohl jeder Karnevals-Verrückte hat während einer der großen Umzüge schon einmal hoffnungsvoll zu den bunt geschmückten Wagen hinauf geschaut und gehofft, die geliebten Kamelle zu ergattern. Aber wie ist es, selbst auf einem der Wagen durch die Menge zu fahren? LokalPlus ist beim Karnevalsumzug in Attendorn am Dienstag, 5. März, auf dem Jubiläumswagen des Männerballetts Ihnetal mitgefahren. Soviel sei gesagt: Es macht verdammt viel Spaß.

Laut singen und gröhlen die Ihnetaler Männer auf ihrem Festwagen zur Karnevalsmusik. Plötzlich stoppt das Lied mitten im Refrain. Was ist passiert? Hastig öffnet einer der Männer die Luke in der Mitte des Wagens. „Das Kabel ist gerissen“, ruft er. Verdutzt gucken sich die Jecken an. Karneval ohne Musik? Nicht mit dem Männerballett! Laut stimmt einer von ihnen ein eigenes Lied an: Und alle steigen ein. Nur kurze Zeit später gibt es Entwarnung. Die Musik läuft wieder.
Es ist 10.30 Uhr. Nur noch eine halbe Stunde bis sich der Karnevalszug in Bewegung setzen soll, und schon jetzt dröhnt laut Tobee's „Helikopter 117“ durch die große Box auf dem pink-weißen Wagen des Männerballets Ihnetal. Batman, der Joker, Captain America und gar Van Helsings „Frau“ Anna hüpfen und springen bereits freudig trotz Nieselregen zur Musik. Weiße und pinke Blüten schmücken die Ecken des weiß-gestrichenen Wagens mit dem pinken Geländer. „40 Jahre Männerballett“ ist das Motto der Ihnetaler. Außen am Wagen ist jedes der Mottos, zu denen sie seit 2002 getanzt haben, in Kreisen aufgemalt. Zwei schwarze Ballerina-Figuren schmücken den vorderen Teil des Festwagens.

Eine kleine graue Leiter führt auf die kleine Plattform. Etwa zwölf Leute haben dort Platz, der Rest der insgesamt 25 Ihnetaler Jecken, die zum Karneval in Attendorn gekommen sind, laufen neben dem Wagen her. In der Mitte der Plattform stehen zwei große Kartons. Ein Blick hinein verrät, dass sie bis oben hin mit Süßigkeiten gefüllt sind. Unzählige Bonbons, Schokoriegel und Gummibärchen, die darauf warten, in der Menge der Zuschauer zu verschwinden. Pünktlich, als sich der Zug um 11.11 Uhr in Bewegung setzt, lässt auch der Regen nach. Jetzt heißt es, die Einkerbung am Rand des Wagens schnell mit Kamelle und Konfetti zu füllen, denn die ersten Kinder warten schon am Straßenrand. „Kamelle“ rufen sie durcheinander, und die Meute auf dem Wagen nimmt hastig eine Handvoll Süßigkeiten, gemischt mit Konfetti, in die Hand und schmeißt es ihnen entgegen. Kurz sind nur die bunten Fitzel des Konfettis in der Luft zu erkennen, bis die Kinder die Schokoriegel und Bonbons auf dem Boden erkennen und sich eilig danach bücken.

Mittlerweile scheint sogar die Sonne über Attendorn. Viele der Zuschauer winken dem Wagen zu oder strecken ihre Hände nach den begehrten Süßigkeiten aus. Tiger, Prinzessinnen, Frösche und sogar eine lebensgroße „Hello Kitty“ tummeln sich am Straßenrand von Attendorn. Sie tanzen zur Musik vom Festwagen und freuen sich über jede Kamelle- und Konfetti-Dusche, die sie bekommen. Karneval zeigt einmal mehr, dass sogar kleine Gesten, wie das Verteilen von Süßigkeiten, für viele lachende Gesichter sorgt. Eine Gruppe verkleiderter Rentner steht in der hinteren Reihe am Straßenrand. Sie erfreuen sich an den Festwagen, aber lassen den Kindern vor ihnen den Vortritt auf die Süßigkeiten. Konfetti, Gummibärchen und Bonbons fliegen in Richtung der Rentner - mit einem schallenden Lachen greifen sie nach den Süßigkeiten und wedeln das fliegende Konfetti mit den Handflächen weg.

Auf dem Wagen kocht die Stimmung mittlerweile. Laut singen die Ihnetaler die aus der Box dröhnenden Lieder mit, tanzen und hüpfen auf dem Wagen. Auf jeder Seite fliegen Kamelle und Konfetti in die Menge. „3...2...1“, zählen sie plötzlich runter, als sie die Attendorner Innenstadt erreicht haben. Auf „1“ werfen sie Kamelle treffsicher in eins der geöffneten Fenster und zaubern den Bewohnern ein riesiges Lächeln ins Gesicht. Kaum zu glauben, dass das Ihnetaler Männerballet zum ersten Mal mit einem Wagen im Attendorner Karnevalszug dabei ist. Obwohl sie seit 2002 im Zug mitlaufen, haben sie erst in diesem Jahr den Wagen der „Unbegreiflichen“ übernommen und sich so einen Platz im Umzug gesichert. Seit Ende Oktober haben die fünf Wagenbauer aus dem Verein am Jubiläumswagen gearbeitet. Und die Mühe hat sich gelohnt: Die Ihnetaler Männer werfen freudig Kamelle ohne Ende in die Menge und feiern ausgelassen auf ihrem Festwagen.
Phillip Neu, Christopher Zeppenfeld, Simon Zeppenfeld, Jannick Bach und Patrick Kaltemorgen (von links) haben seit Oktober an dem Festwagen gebaut.
„Was jeden hier anspornt, ist Freude zu schenken“, erzählt Thorsten Becker. Der 48-Jährige ist seit 1989 im Ihnetaler Männerballet: „Lachende Kinderaugen, Frohsinn und karnevalistisches Brauchtum: Das ist, wie ich finde, die Essenz.“ Auch im nächsten Jahr wollen die Ihnetaler Männer wieder im Karnevalsumzug mit dabei sein. Dann vielleicht mit mehr Sonne, aber definitiv mit derselben guten Stimmung.
Ein Artikel von Sina Schneider

Bildergalerie: Karneval von oben: LokalPlus auf dem Mottowagen des Ihnetaler Männerballetts