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Geschichten aus der Region, 01. September 2018

Fahrschule Block & Kirchhoff

Lorena Hanses: Fahrlehrerin im Praktikum

Michael Kirchhoff und Lorena Hanses.
Michael Kirchhoff und Lorena Hanses.
Foto: Wolfgang Klein
Finnentrop. Lorena Hanses ist zurzeit Fahrlehrerin - im Praktikum? Diese Information auf einer Homepage hat mich etwas irritiert. Und so wollte ich herausfinden, was sich hinter dem Zusatz „im Praktikum“ verbirgt. Um das herauszufinden, musste ich nochmal eine Fahrschule besuchen, genauer gesagt das Unternehmen Block & Kirchhoff in Finnentrop. Meine Gesprächspartner waren Michael Kirchhoff, einer der Chefs, und Lorena Hanses, Kollegin und Fahrlehrerin im Praktikum am Standort Finnentrop.

Herr Kirchhoff, seit wann gibt es Ihr Unternehmen? 

MK: Die Fahrschule Block & Kirchhoff GmbH besteht seit 2012. 

Waren Sie vorher Einzelkämpfer? 

MK: Ja. Ich habe die Fahrschule von meinem Vater übernommen und dann 16 Jahre alleine geschult. 

Wann gab es den Zusammenschluss mit der Fahrschule Ihres Kollegen Block? 

MK: Die ersten Gespräche haben wir schon 2011 geführt, aber der gemeinsame Startschuss war im Mai 2012 mit der Eröffnung unserer Zweigstelle in Plettenberg. 

An wie vielen Standorten sind Sie aktuell vertreten? 

MK: An vier. Finnentrop, Heggen, Attendorn und Plettenberg, und ab Oktober kommt wahrscheinlich noch ein Standort hinzu. 

Wie sind die Schülerzahlen? Man hört doch, dass viele sehr früh ihren Führerschein haben wollen, gerade bei uns auf dem Land wegen der Mobilität.

MK: Seit Jahren haben wir steigende Schülerzahlen. Im Schnitt melden sich 25 pro Monat an unseren Standorten an. Zusatzlich zu diesen Anmeldungen kommen dann noch viele Firmen auf uns zu, um ihre Mitarbeiter in verschieden Seminaren aus- bzw. weiterzubilden. Wie Stapler oder Kranausbildung oder zum Beispiel Unterweisungen innerhalb der Ladungssicherung und natürlich die Berufskraftfahrerweiterbildungen in unserem Haus. "Es fehlt an Nachwuchs"Und wie sieht´s auf der anderen Seite aus? Gibt es genug Fahrschulen bzw. Fahrlehrer und Fahrlehrerinnen, und wie hart ist der Wettbewerb untereinander? 

MK: Eigentlich fehlt es an Nachwuchs im Fahrlehrerberuf, sodass damit zu rechnen ist, dass in einigen Jahren dieser Beruf sehr gefragt sein wird. Der Wettbewerb hier auf dem Land ist nicht so hart wie in den Städten und Ballungsräumen. 

Herzlichen Dank für die interessanten Infos bisher, Herr Kirchhoff. Die Kollegin Hanses neben Ihnen wartet schon mit Spannung auf meine Fragen. Hallo Frau Hanses! Oder darf ich Lorena und Sie sagen? 

LH: Natürlich. Ich soll Ihnen etwas über meine Ausbildung zur Fahrlehrerin sagen. Sie dauert mindestens 12 Monate und beginnt mit einer 4-wöchigen „Einführungsphase“. Da werden die sogenannten Fahrlehreranwärter auf die sich anschließende fahrpraktische Prüfung vorbereitet. Wir müssen quasi eine erneute Führerscheinprüfung ablegen. Allerdings unter verschärften Bedingungen. 

Was passiert dann? 

LH: Dann drücken wir für 8 Monate die Schulbank in einer der Fahrlehrerfachschulen. In NRW gibt es sie zum Beispiel in Düsseldorf, Köln, Bielefeld oder Unna. In diesem Zeitraum werden die Anwärter in etwa 1000 Unterrichtseinheiten in den Fächern Pädagogik, Verkehrsrecht, Verkehrsverhaltenslehre und Kfz-Technik geschult und weitergebildet. Den Abschluss bildet eine schriftliche und mündliche  Fachkundeprüfung. 

Und, schwierig? 

LH: Ohne Fleiß kein Preis! (lächelt) 

Jetzt zu meinem und unser aller Verständnis. Sie tragen aktuell die Berufsbezeichnung  „Fahrlehrerin im Praktikum“. Was heißt das konkret, Lorena? 

LH: Der sogenannte Fahrlehrer, die Fahrlehrerin im Praktikum (die Insider nennen uns FliP oder FiP), ist nicht der Praktikant/die Praktikantin, die nur Kaffee kochen oder den Hof fegen (lächelt wieder) soll. Ich werde oft gefragt, ob ich denn als „Praktikantin“ schon alleine Fahrschüler/innen unterrichten und ausbilden kann. Meine Antwort dazu: Ja, darf ich!

Ich erkläre aber auch, dass dieses Praktikum für die Ausbildung gesetzlich vorgeschrieben ist und mindestens 4 Monate dauert. Am Anfang habe ich mir die theoretischen und praktischen Unterrichtsstunden meines Ausbildungsfahrlehrers Patrick genau angeschaut, um die speziellen Inhalte kennenzulernen. In der Fahrlehrerfachschule wird nämlich ausschließlich gelehrt und vermittelt. "Die jungen Leute kommen zu mir"Ist Patrick auch bei Ihren Unterrichtsstunden in der Fahrschule dabei?

LH: Er unterstützt mich bei der Vermittlung der Inhalte, gibt Tipps und leistet Hilfestellung, wenn es Probleme gibt. Das war zu Beginn des Praktikums schon komisch für mich, nun Lehrerin zu sein. Die jungen Leute kommen nämlich zu mir, dass ich sie prüfungstauglich für ihren Führerschein machen soll und muss. 

Und das mit erst 25 Jahren, Lorena! 

LH: Genauso ist das, Herr Redakteur. 

Warten am Ende des Praktikums auch Prüfungen oder Tests? 

LH: Die dürfen natürlich nicht fehlen und heißen Lehrproben in Theorie und Praxis. 

Also kein normales Praktikum.

LH: Nicht wirklich! 

Eine Frage, die  für viele Leser und Interessenten nicht unwichtig ist: Wie teuer ist eine solche Fahrlehrerausbildung, und gibt es unter Umständen Fördergelder oder Zuschüsse? 

LH: Die Lehrgangskosten an den Fachschulen in NRW betragen insgesamt ca 11.000 Euro. Und die 8 Monate Vollzeitschule bedeuten ja auch gleichzeitig 8 Monate Verdienstausfall. Die Kosten für die Fahrten zur Schule und/oder eine Unterkunft am Standort kommen noch hinzu.

Zur Frage der Förderung: Sie ist möglich über Bildungsgutscheine, das Arbeitsamt oder über Meister BAfög. Wie immer sind auch hier die Lebensumstände, Vorbildung und die existenziellen Voraussetzungen entscheidend. Man muss sich also informieren und kümmern.

Letzte Frage, Lorena: Wie geht’s nach dem Praktikum weiter? 

LH: Ich werde weiter im Unternehmen Block & Kirchhoff bleiben. Super Chefs, super Kollegen, das Arbeitsklima ist sehr okay, was will ich mehr? 

Lorena, viel Glück und Erfolg für die noch anstehenden Lehrproben. Und bleiben  Sie so sympathisch, authentisch und selbstbewusst. Jetzt muss ich Ihren Chef nochmal nerven. Herr Kirchhoff, wie viele Kollegen sind im Unternehmen? 

MK: „Sechs festangestellte Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, und seit diesem Monat haben wir noch einen weiteren Fahrlehrer in der Ausbildung.“ 

Sind heute Spezialisten gefragt? 

MK: Ja, wir haben einen Ausbilder speziell für Zweirad und Lkw und einen für die Ausbildung mit Anhänger im Pkw-Bereich, der aber auch in der Hauptausbildung Pkw eingesetzt wird.“ 

Wie erreichen Sie Ihre Zielgruppe zwischen 18 und 50 +?

MK: Das  beste und wirksamste Mittel ist die „Mundpropaganda“, wenn die neuen Führerscheininhaber uns weiterempfehlen. Unsere erfolgreichen ehemaligen Fahrschülerinnen/-schüler sind die sogenannten  mobilen Werbeträger, die täglich auf den Straßen im Kreis Olpe unterwegs sind.

Ferner machen wir im Internet und in den Printmedien auf uns aufmerksam. Aber wir statten auch Sportvereine mit Textilien (Trikots) aus, auf denen unser Firmenlogo zu sehen ist. Keine Vergleiche zu früherLetzte Frage auch an Sie: Wie teuer ist heute z.B. der Pkw-Führerschein? 

MK: Das ist individuell völlig unterschiedlich. Sie werden sich über den Begriff der Selbstreflexion vor  über 50 Jahren bei Ihrer Führerscheinprüfung keine  Gedanken gemacht haben. Ein paar Fahrstunden, Prüfung, fertig - oder?

Nicht ganz. 5x2 Stunden Theorie, dann am Samstagmittag ohne Vorankündigung vier Stunden lang durch Attendorn, weil am Montag danach dort Prüfung angesetzt und ich mit angemeldet war. Grund: Vier Prüflinge  waren ausgefallen. Fazit: Innerhalb der Ortschaft zu schnell, außerhalb zu langsam. Bestanden! Drei Monate vor dem achtzehnten Geburtstag. Wann und wo sollte ich damals Selbstreflexion betreiben, Herr Kirchhoff? 

MK: Wahrscheinlich haben Sie schon mit 14 Jahren im Wald und auf den Wegen rund um Elspe geübt. Gab es überhaupt schon Autos damals?

Wir vermitteln in jeder Fahrstunde die Grundsätze der Selbstreflexion, die sich der Fahrschüler stellen und beantworten sollte. Zum Beispiel: Wie bin ich heute gefahren? Was ist gut gelaufen, was eher nicht so gut? Was kann ich besser machen, wo liegen meine Stärken? Wenn ich mich nicht dieser Selbstprüfung stelle und unterziehe, werde ich den Anforderungen wie mehr Menschen, mehr Verkehr auf den Straßen, fortgeschrittene Technik, mehr neue Situationen und Gefahrenquellen nicht standhalten.

Daher ist der Zeitaufwand individuell höher und intensiver. Sie müssen mit ca 20 Übungsstunden und 12 Sonderfahrten (Pflichtteil) rechnen, um das Fahrzeug vernünftig, regelgerecht und ohne Schaden für die anderen Verkehrsteilnehmer bewegen zu können.

Der Preis dafür in unserer Landgegend liegt bei ca 1.800 bis 2.200 Euro. Wer länger üben muss, landet dann auch mal bei 4.000 Euro. Bitte daher keinen Vergleich zu früher bemühen!“ 

Herr Kirchhoff, herzlichen Dank für Ihre fachmännische Offenheit, Ehrlichkeit und nachhaltige Überzeugungskraft und viel Glück für Sie  und alle Ihre aktuellen und zukünftigen Fahrschülerinnen/-schüler!
Ein Artikel von Wolfgang Klein

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