Die „Straßenbauer“ aus Kirchhundem

Der Firmensitz von Straßen- und Tiefbau befindet sich in Kirchhundem.
Der Firmensitz von Straßen- und Tiefbau befindet sich in Kirchhundem.
Foto: Straßen- und Tiefbau
Kirchhundem. Unsere Ausbildungsinitiative zeigt erste Resonanzen in eine erfolgreiche Richtung. Auf die Geschichte aus der Schreinerei Hömberg, wo Louisa Spanier ein duales Studium, bestehend aus Tischlerlehre und Studium der Holztechnik in Lemgo, absolviert, haben sich eine Menge Interessenten nach weiteren Informationen dazu erkundigt. Eine Rückmeldung aus Norderstedt, 30 km nördlich von Hamburg, hat Thomas Hömberg besonders erstaunt. Der junge Anrufer wollte unbedingt bei ihm diese Alternative realisieren. Mit seinen Eltern sei er einige Male im Hochsauerland zum Wintersport gewesen. Und da in Schleswig-Holstein die Kombination Tischlerlehre + Studium Holztechnik nicht angeboten werde, würde er gern dafür ins Sauerland ziehen.

Da sage einer noch, unsere Heimat sei langweilig und wenig attraktiv für die digitale Generation. Auch die Aktivitäten der hiesigen mittelständischen Betriebe sorgen für erhöhte Aufmerksamkeit wie z.B. die Eigeninitiative im Bereich Ausbildung der Firma Straßen-und Tiefbau GmbH aus Kirchhundem. Da hat man schon vor einiger Zeit einen hauseigenen mehrseitigen Flyer entwickelt und drucken lassen. Unter dem Aufruf: „Wir wollen Dich!“ wird offensiv für die Ausbildung Straßenbauer/in geworben.

Da gibt es Infos über die Firma, die Ausbildung, die Vergütung und z.B. welche Lieblingsfächer die Bewerber haben sollten. Mathe, Physik und technisches Interesse wären nicht schlecht!

Das Straßen-und Tiefbau GmbH gibt es seit mehr als 60 Jahren und schon früh  hat das familiengeführte Unternehmen sich auf die Bereiche Erdbau, Straßenbau und Kanalbau spezialisiert. Aktuell arbeiten hier 200 Beschäftigte, deren Arbeitseinsätze sich im Radius von bis zu 80 Kilometern um den Firmensitz Kirchhundem befinden.

Unsere Gesprächspartnerin in Sachen Ausbildungsinitiative ist Aline Witzel, die sich als Personalfachkauffrau sehr intensiv um die einzelnen Ausbildungsbereiche kümmert und alle Lehrlinge persönlich begleitet. Aus ihrer Feder stammt auch der interessante neue Ausbildungsflyer.

Frau Witzel, das Unternehmen Straßen- und Tiefbau hat ja eine Menge Ausbildungsberufe im Angebot. Wie viele Lehrstellen haben Sie in diesem Jahr besetzen können?

A.W.: „4 Straßenbauer + 1 dualen Studienplatz, 1 Kaufmann für Büromanagement und 1 Bauzeichnerin.“

Wie viele Bewerber haben Sie im Allgemeinen jedes Jahr?

A.W.: „Wir setzen uns als Ziel, jedes Jahr mind. 4 Straßenbauer/innen auszubilden und alle ein bis zwei Jahre ein duales Studium im Bereich Bauingenieurwesen anzubieten. Die Ausbildungsberufe Bauzeichner/in und Kaufmann/ Kauffrau für Büromanagement bilden wir zurzeit nur bei Bedarf aus. Grund ist, dass wir jedem eine Übernahme garantieren. Trotzdem wünsche ich mir eine größere Anzahl an Bewerbungen, damit die Auswahl interessanter wird – speziell im Beruf des Straßenbauers oder der Straßenbauerin!

Und warum?

A.W.: „Wir denken, dass der Ausbildungsberuf Straßenbauer/in viel positiver besetzt werden sollte. Die Interessenten denken oft an „Hacke und Schippe“.

Dabei ist die Ausbildung eine spannende Mischung aus „mit Hand und Kopf gestalten“ unter Einbeziehung modernster Technik. Straßenbauer/innen errichten u.a. auch Sport- und Spielanlagen und verlegen Leitungen für die Versorgung und Entsorgung, z.B. beim Kanalbau.

Daneben hat der Job tolle Zukunftsperspektiven. Die Bauwirtschaft braucht heutzutage zunehmend mehr qualifizierte Fachkräfte. Zum einen haben Straßenbauer/innen die nächsten Jahre mehr zu tun denn je. Denken Sie nur an die maroden Verkehrswege in NRW. Zum anderen gibt es Aufstiegschancen durch Weiterbildungen, wie die Meisterprüfung.

Frau Witzel, in diesem Zusammenhang werden Sie uns auch den neuen Auszubildenden im Bereich Straßenbau, Leon Klünker, vorstellen.

A.W: „Genau! Leon hat am 1. August bei uns die Ausbildung zum Straßenbauer begonnen. Aber vorher hat er bereits ein spezielles Langzeitpraktikum bei uns absolviert. 

War das ein Ferienpraktikum?

A.W.: „Nein, aber wir bieten die Möglichkeit nicht nur 4 Wochen bei uns zu praktizieren, sondern auf Wunsch auch bis zu einem Jahr. Das bedeutet aber keine tägliche Anwesenheit, sondern max. 1 Tag pro Woche.

Diese Alternative hat Leon gewählt. Und wie Sie sehen hat es auch geklappt! In jedem Fall setzen wir aber vor Beginn der Ausbildung ein Praktikum voraus. In diesem Jahr hatten wir 10 Bewerbungen für verschiedene Praktika.“

Gibt es auch weibliche Bewerber für diesen Ausbildungsberuf?

A.W.: „Bisher nicht. Aber es gibt Hoffnung. Das erste Mädchen hat bereits ein Praktikum absolviert und ihre Chancen auf den Ausbildungsplatz sind nicht gerade klein.“

Wie groß sind generell die Übernahmechancen bei Straßen- und Tiefbau?

A.W.: „Wir garantieren eine 100%ige Übernahme nach der Ausbildung. Jeder Azubi bekommt anschließend die Chance, in unserem Unternehmen seine Karriere zu starten.“

Arbeiten Sie bei den Angeboten auch mit Facebook und Social Media zusammen?

A.W.: „Auf unserer Facebook-Präsenz „posten“ wir unsere Stellenangebote regelmäßig. Besonders die Stellenanzeigen bei facebook zeigen bei den Jugendlichen eine sehr positive Resonanz. Auch bei Karriere Südwestfalen sind wir aktiv.“

Jetzt wollen wir uns dem Ausbildungsberuf „Straßenbauer“ konkret zuwenden. Stellen Sie uns den neuen Lehrling doch mal vor.

A.W.: „Leon, du hast vorher ein Langzeitpraktikum bei uns gemacht. Wolltest du dir sicher sein, dass der Beruf was für dich ist?

L.K.: „Das Langzeitpraktikum ist ein Pflichtprogramm für die Schüler der Klasse 10 der Hauptschule in Kirchhundem. Durch die Baustelle in Heinsberg (ich wohne ja in Heinsberg) bin ich dann auf Straßen- und Tiefbau gekommen. In der Schule lagen auch Flyer von der Firma aus. Ich habe mir einen mit nach Hause genommen und fand den Beruf gut.“

A.W.: „Jetzt bist du fast 100 Tage bei Straßen- und Tiefbau in der Ausbildung. War deine Entscheidung bisher richtig?

L.K.: „Ja. Ich wollte schon immer draußen arbeiten. Ich bin nicht der Typ, der im Büro sitzen kann. Letzte Woche hatten wir einen Arbeitstag, an dem es nur geregnet hat. Aber auch wenn die Arbeitskleidung komplett bis auf die Haut nass ist, macht mir die Arbeit noch Spaß.“

A.W.: „Was gefällt dir besonders gut an dieser Tätigkeit?

L.K.: „Dass man sieht, wie es unter den Straßen aussieht. Zum Beispiel würde ich im Winter nie mit Schneeketten über die Straßen fahren. Wenn man kein Straßenbauer ist, fährt man ohne sich Gedanken zu machen über Straßen und Brücken usw. So denke ich schon immer an die ganze Arbeit und die Kosten, die in so einem Bau stecken. Man bekommt ein Gefühl dafür, was für Materialien verbaut werden.

Außerdem ist es super, den ganzen Tag an der frischen Luft zu sein mit Leuten, die einen verstehen. Ich muss nie etwas alleine machen und kann ständig mit meiner Kolonne zusammenarbeiten.

Daneben werden wir in den Bereichen Straßen-, Kanal- und Industriebau eingesetzt. Das ist sehr abwechslungsreich, denn wir kommen dabei ganz schön durch NRW bis zu 80km im Umkreis.

Also 5x GUT für

Tolle Kollegen, lockeres Arbeitsklima

Lust an der Arbeit im Team – nicht nur mit Kollegen, sondern auch mit Auftraggebern und Subunternehmern auf der Baustelle

Interesse an Baumaschinen und moderner Technik

Keine Hemmungen sich mal „dreckig“ zu machen.“

A.W.: „Leon, hast Du schon eine Ahnung, was du mit deinem Beruf anschließend machen kannst?

L.K.: „Ich kann im Unternehmen bleiben oder bei anderen Firmen in der Baubranche,

Auf jeden Fall weiterbilden, z.B. zum gepr. Polier oder Straßenbauermeister. Ich könnte auch das Abi nachholen. Möglichkeiten gibt’s genug.“

Aline, welche weiteren Lehrberufe haben Sie noch im Angebot?

A.W.: „Kaufmann/ Kauffrau für Büromanagement, Bauzeichner/in und ab 2019 Land- und Baumaschinenmechatroniker/in. Die Lehrzeit ist natürlich unterschiedlich lang. Für Kaufmann/ Kauffrau für Büromanagement, Bauzeichner/in und Straßenbauer/in 3 Jahre und Land- und Baumaschinenmechatroniker/in 3,5 Jahre.“

Gibt es auch duale Studiengänge bei Straßen- und Tiefbau?

A.W.: „Aber klar. Im Angebot haben wir den dualen Studiengang „Bauingenieurwesen“. Der setzt sich zusammen aus der Ausbildung zum Straßenbauer und dem Studium. Die Praxis gibt’s bei uns. Das Studium in Siegen.

Wie beschäftigen Sie die Lehrlinge in der Winter- oder „Schlechtwetter-Zeit“?

A.W.: „Da arbeiten sie in unserer Werkstatt in Würdinghausen und nehmen an diversen Schulungen teil.

Letzte Frage, wie viele Mitarbeiter hat Straßen-und Tiefbau aktuell?

A.W.: „Mit den Auszubildenden sind es heute 200.“

Frau Witzel, Ihnen und Ihren 199 Kolleginnen und Kollegen wünschen wir eine tolle Weihnachtszeit und ein erfolgreiches Jahr 2019.
Geschäftsführer Andreas Behle.
Ein Artikel von Wolfgang Klein

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