Nachrichten Blaulicht
Kreis Olpe, 26. Februar 2018

Beckehoff: „Jeder Verkehrstote ist einer zu viel“

Zahl der Unfälle im Kreis Olpe steigt / Drei Menschen sterben

Landrat Frank Beckehoff (links) und Hans-Jürgen Schüttler bei der Bilanzpressekonferenz der Kreispolizeibehörde Olpe.
Landrat Frank Beckehoff (links) und Hans-Jürgen Schüttler bei der Bilanzpressekonferenz der Kreispolizeibehörde Olpe.
Foto: Nils Dinkel
Kreis Olpe. Die Zahl der registrierten Verkehrsunfälle ist 2017 im Kreis Olpe um 3,46 Prozent angestiegen. 4516 Mal hat es auf den Straßen im Kreisgebiet geknallt. 2016 waren es 4349 Verkehrsunfälle. Drei Menschen verloren dabei auf tragische Weise ihr Leben. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden sank um 7,71 Prozent auf 383 (2016: 415). Außerdem verzeichnete die Kreispolizeibehörde Olpe 789 Wildunfälle, was 17,12 Prozent aller registrierten Unfälle ausmachte.
„Nachdem im vergangenen Jahr die Verkehrsunfallzahlen gesunken waren, sind sie im Jahr 2017 wieder leicht angestiegen“, sagte Landrat Frank Beckehoff bei der Bilanz-Pressekonferenz der Kreispolizeibehörde am Montag, 26. Februar, in Olpe. „Erfreulicherweise verzeichnen wir bei den schweren Verkehrsunfällen, bei denen Tote oder Verletzte zu beklagen sind, deutlich gesunkene Zahlen, was auch einen Rückgang bei den verletzten Verkehrsteilnehmern zur Folge hatte.“ In der Fünfjahres-Statistik hatte es von 2002 bis 2007 durchschnittlich 10,8 Verkehrstote jährlich gegeben. Seither liegt der Durchschnitt unter fünf. Zwei Krad- und ein Autofahrer sterbenDrei Verkehrstote 2017: Ein Kradfahrer starb am 9. April bei einem Alleinunfall in Olpe, Grube Rhonard. Eine Pkw-Fahrerin geriet am 11. Juli in Saalhausen in den Gegenverkehr. Die Ursache dafür ist bis heute nicht bekannt. Die Frau erlag ihren Verletzungen noch am Unfallort. Ein Kradfahrer wurde am 13. Juli an der Lenscheider Straße in Finnentrop von einem Pkw auf seiner Fahrbahn erfasst. Das Verfahren läuft noch.
Bei diesem Frontalzusammenstoß in Saalhausen ist eine Frau ums Leben gekommen. Der Unfall wirft bis heute Fragen auf.
2016 waren es noch sechs Menschen, die im Kreis Olpe bei Unfällen ums Leben kamen. Statistisch gesehen ein Rückgang von 50 Prozent. „Wir wissen, dass mit jedem Verkehrsteilnehmer, der im Straßenverkehr sein Leben verliert, großes Leid verbunden ist“, sagte Landrat Frank Beckehoff. Positive Statistiken seien kein Trost für Angehörige. „Trotzdem liegen wir seit Jahren bei der Anzahl der Verstorbenen im Straßenverkehr in einem niedrigen Bereich."Schwerpunkt liegt auf jungen FahrernWeiterhin liege der Fokus auf verunfallten jungen Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren. „Bezeichnend ist hier, dass als Hauptunfallursache unangemessene Geschwindigkeit wieder in der Statistik führend ist“, so der Landrat.  Die jungen Fahrer verursachen 18,2 Prozent aller Unfälle und waren an 26,5 Prozent aller Unfälle mit Personenschäden als Verursacher beteiligt. „Die Personengruppe macht aber im Kreis Olpe nur 8,52 Prozent der Gesamtbevölkerung aus“, verdeutlichte der Landrat diese hohen Zahlen. In enger Zusammenarbeit mit der Kreisverkehrswacht sei daher eine neue Aktion ins Leben gerufen worden.

„Verunglückt ein Fahrer dieser Altersgruppe bei einem Verkehrsunfall mit Personenschaden, so wird er im Nachgang durch das Verkehrskommissariat angeschrieben, das ihm ein Angebot über ein Fahrsicherheitstraining unterbreitet. Für dieses Fahrsicherheitstraining muss der Teilnehmer bei entsprechender Rückmeldung nur die Hälfte der Kosten begleichen, die andere Hälfte wird von der Kreisverkehrswacht und dem Verkehrssicherheitszentrum (VSZ) übernommen“, sagt Beckehoff.
Landrat Frank Beckehoff (von links), Polizeihauptkommissar Hans-Jürgen Schüttler (Direktion Verkehr), 1. Polizeidirektor Diethard Jungermann, Polizeihauptkommissar Marcus Zeppenfeld (Direktion Verkehr) sowie Polizeihauptkommissar Michael Klein (Pressesprecher, nicht auf dem Foto) haben am Montag, 26. Februar, die Verkehrsunfallzahlen des Jahres 2017 für den Kreis Olpe bekanntgegeben.
118 Mal verunglückten junge Erwachsene 2017, 25 davon wurden schwer, 93 leicht verletzt. Die Zahl blieb im Vergleich zu 2016 konstant. Häufigste Unfallursache war unsachgemäße Geschwindigkeit (28 Unfälle), gefolgt von Abstand (15 Unfälle), Vorfahrt/Vorrang (12 Unfälle), Überholen (9 Unfälle) und Alkohol/Betäubungsmittel (8 Unfälle). Weniger Unfälle mit Personenschaden3194 Kollisionen ereigneten sich 2017 (2016: 3072 Unfälle), bei denen es Sachschaden gab. Ein Zuwachs um 3,97 Prozent. Hingegen sanken die Zahlen der Unfälle mit Personenschaden (2017: 383/ 2016: 415). Ein Rückgang von 7,71 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren ereigneten sich nur 2014 weniger Unfälle mit Personenschaden (379). Die Zahl der Verunglückten lag im Jahr 2017 bei 502 (2016: 550). Auch hier sind die Zahlen rückläufig.

Unfallursache Nummer eins mit 69 Unfällen mit Personenschaden war nicht angepasste Geschwindigkeit. Vorfahrts-/Vorrangverstöße (47 Unfälle), falscher Abstand (42 Unfälle), Überholen (27 Unfälle), Alkohol/ Betäubungsmittel (26 Unfälle) sowie Sonstige (97 Unfälle) waren weitere Ursachen. Die Zahl der schwerletzten Personen sank um 2,8 Prozent (2017: 103; 2016: 106). 2017 gab es im Kreis Olpe 396 leichtverletzte Personen (2016: 438). Ein Rückgang von 9,6 Prozent. Hier sticht der Kreis Olpe aus die Statistik auf Landesebene heraus: Dort gingen die Zahlen um 3,3 Prozent zurück. Zahl der Unfallfluchten steigtHans-Jügen Schüttler sieht in den ansteigenden Unfallfluchten einen Trend. Insgesamt 834 Unfallverursacher flüchteten (2016: 771), darunter bei 31 Unfällen mit Personenschaden (2016: 33). „Hier muss etwas getan werden. Es ist wünschenswert, dass sich Zeugen das Nummernschild notieren und sofort die Polizei anrufen“, sagte Schüttler. 
Polizeihauptkommissar (PHK) Michael Klein (von links), 1. Polizeidirektor Diethard Jungermann, Landrat Frank Beckehoff, PHK Hans-Jürgen Schüttler (Direktion Verkehr), sowie PHK Marcus Zeppenfeld (Direktion Verkehr).
Die Aufklärungsquote (2017: 44,96 Prozent, 2016: 46,17 Prozent) bei Unfallfluchten gestalte sich für Polizeibeamte als äußerst schwierig. Bei Unfallfluchten mit Personenschaden betrug sie 64,52 Prozent (2016: 63,64 Prozent). Die Zahl bei Unfällen verletzter Kinder ging leicht auf 36 zurück (2016: 39). Vier Kinder verletzten sich dabei schwer (2016: 6).Viele Fahrer abgelenkt Durch Ablenkung ereigneten sich 1319 Unfälle. Das begleitete Fahren für junge Verkehrsteilnehmer sei weiterhin ein bewährtes Erfolgsmodell, sagte Hans-Jürgen Schüttler. 904 Führerscheine wurden 2017 ausgestellt. Im Bereich der Kreispolizeibehörde Olpe seien jedoch nur zwei Verkehrsunfälle von einem 17-jährigen Fahranfänger verursacht worden. Insgesamt ereigneten sich im Kreis Olpe 2017 46 Krad-Unfälle (2016: 49). Davon galten 36 Zweiradfahrer als Verursacher, wovon wiederum 21 ortsunkundig waren. 18 Fahrer, und somit die Hälfte, galten als Wiedereinsteiger über 40. Schüttler: „Wir empfehlen Wiedereinsteigern ein Fahrsicherheitstraining, bevor man sich in die Kurve legt.“ Zwei HäufungsstellenAktuell gibt es noch zwei Unfallhäufungsstellen im Kreis Olpe. An der K36 in Drolshagen (Kreuzung Benolper Straße/Gerberstraße) wurde 2016 als Häufungsstelle identifiziert. Dort kam es 2017 zu vier Unfällen mit einer leicht verletzten Person.

Neun Unfälle mit drei leicht verletzten Personen ereigneten sich an der B55 Kreuzung Osterseifen/Westfälische Straße (Palottihaus) in Olpe. Dieser Schwerpunkt sei bereits analysiert worden. Dort sollen entsprechende Maßnahmen getroffen werden. „Die Zusammenstöße geschehen meist im Gegenverkehr, weil teilweise schlechte Sicht besteht“, so Schüttler.Mehr Unfälle mit Pedelec-FahrernSorgen bereiten den Polizeibeamten Unfälle mit Pedelec (Fahrrad mit Anfahrhilfe). Diese werden, so Marcus Zeppenfeld, überwiegend von Senioren genutzt. Dies belege auch das errechnete Durchschnittsalter: Die Altersstruktur der verletzten Pedelec-Fahrer beträgt 57,5 Jahre. 

13 Pedelec-Unfälle mit Personenschaden nahm die Polizei auf (2016: 8 Unfälle). Sechs davon waren Alleinunfälle/ Stürze. Die anderen Pedelec-Fahrer kollidierten mit einem Fahrradfahrer bzw. mit Pkw (6 Unfälle). „Hier handelt es sich im Wesentlichen um Unfälle im Zusammenhang mit dem Einfahren in den fließenden Verkehr von Pkw. Die Pedelec-Fahrer wurden dabei übersehen“, sagte Zeppenfeld. Maßnahmen - ein wichtiger Bestandteil der PolizeiarbeitVerkehrssicherheit bleibe weiterhin ein wichtiges Thema für Polizeibeamte, betonte Landrat Beckehoff. „Die repressive und präventive Bekämpfung von Verkehrsunfällen ist weiterhin wichtiger Bestandteil der polizeilichen Arbeit.“

Daher unternahmen die Beamten 2017 35.101 polizeiliche Maßnahmen gegen Verkehrsunfälle im Kreis Olpe. Überwiegend wurden Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt (26.489). Weitere Maßnahmen fanden im Bereich Alkohol/Drogen (205), Mobiltelefon (1319) und sonstige (7088) statt.
Ein Artikel von Nils Dinkel

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