Nachrichten Blaulicht
Kreis Olpe, 11. April 2018

Gefahrenschwerpunkte gibt es im Kreis Olpe nicht mehr

Polizei: Maßnahmen gegen Motorrad-Raser wirken sich positiv auf Unfallzahlen aus

An Wochenenden und nachmittags setzt die Polizei an beliebten Motorradstrecken verstärkt auf Kontrollen.
An Wochenenden und nachmittags setzt die Polizei an beliebten Motorradstrecken verstärkt auf Kontrollen.
Symbolfoto: Nils Dinkel
Kreis Olpe. Nach dem ersten sonnigen Wochenende, dem endgültigen Auftakt der Motorradsaison, ist Hans-Jürgen Schüttler zufrieden: Nicht ein einziger Kradunfall mit Personenschaden hat sich im Kreis Olpe ereignet. Für den Leiter der Verkehrsdirektion der Kreispolizeibehörde Olpe ist das ein Beleg dafür, dass das Maßnahmenpaket von Polizei und Kreisverwaltung für beliebte und gefährliche Motorradstrecken weiter funktioniert. Ein Problem allerdings bleibt: die Lärmbelästigung.

Im März 2016 hatte die Unfallkommission des Kreises Olpe erklärt, in den Vorjahren insgesamt 80 Unfallhäufungsstellen im Kreisgebiet erfolgreich entschärft zu haben. Mit einer Ausnahme: Die L687 zwischen Rönkhausen und „Wilde Wiese“ (Lenscheider Straße) wurde in dem Bericht weiter als Gefahrenschwerpunkt aufgeführt.

In diese Kategorie fällt die Strecke laut Schüttler mittlerweile nicht mehr. Geschwindigkeitsbeschränkungen auf 70 bzw. 50 Stundenkilometer, stellenweises Überholverbot, Rüttelstreifen und große Warntafeln hätten zu einer deutlichen Verbesserung der Verkehrssicherheit auf der L687/Lenscheider Straße geführt. „Es handelt sich hier nicht mehr um eine Unfallhäufungsstelle im klassischen Sinne“, sagt der Erste Poliziehauptkommissar. Vier Strecken sind bei Rasern beliebt Das gelte auch für drei weitere Strecken im Kreis Olpe, die bei Motorradfahrern und den Rasern darunter besonders beliebt seien. Schüttler zählt auf: die L553 von Oberhundem in Richtung Rüspe im Bereich des Rhein-Weser-Turms; die L711 von Kruberg nach Neuenkleusheim und die L697 von Attendorn nach Neuenkleusheim im Bereich Repetal. „Generell hat sich die Unfalllage wesentlich verbessert“, sagt der Chef der Verkehrsdirektion.

Neben den straßenbaulichen Maßnahmen und der Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit seien auch verstärkte Polizeikontrollen entlang beliebter Motorradstrecken ein entscheidender Teil des „Gesamtpakets für die Verkehrssicherheit“. Um Raser abzuschrecken und Unfällen vorzubeugen. Und um die Lärmbelästigung durch Motorräder im Rahmen zu halten, jenes Hauptärgernis von Anwohnern, das immer wieder auch als Beschwerde bei der Polizei vorgebracht wird. Lärm-Eindämmung erweist sich als schwierig Den Lärm aufheulender Motoren gering zu halten, erweist sich aber auch mit erhöhter Polizeipräsenz als schwieriges Unterfangen. „Das ist schon allein aus technischen Gründen kaum möglich“, sagt Heinz Kirchhoff, Leiter Fachdienst Straßenverkehr des Kreises Olpe. Immerhin: „Bei den Kontrollen sind es nur wenige Motorradfahrer, die auffallen“, so Kirchhoff. Er meint Lärmverursacher und Raser.

Das bestätigt auch Hans-Jürgen Schüttler mit Verweis auf die Statistik des Vorjahres. Danach ereigneten sich 49 Motorradunfälle mit Personenschaden. In 36 Fällen hatten die Kradfahrer den Unfall verursacht. Bei 50 Prozent davon handelte es sich um sogenannte „Wiederaufsteiger“. Die definiert die Kreispolizeibehörde als Fahrer, die 40 Jahre oder älter sind, sich nach einer mehrjährigen Auszeit wieder auf ein Motorrad setzen und einen Unfall bauen, weil die Fahrpraxis verloren gegangen ist. Sperrungen für Motorräder aktuell kein Thema „Wenn die ein Warnschild sehen oder über einen Rüttelstreifen fahren, verstehen die das auch als Warnsignal dafür, dass sie auf einer gefährlichen Strecke unterwegs sind.“ 50 Prozent der Unfälle, die Motorradfahrer verursacht haben, ereigneten sich hingegen wegen überhöhter Geschwindigkeit. „Die Unbelehrbaren kriegt man mit Warnhinweisen und Rüttelstreifen auch nicht gebändigt“, sagt Schüttler. Dafür brauche es dann verstärkte Kontrollen.

Anders als im Märkischen Kreis, wo seit kurzem eine Sperrung der Nordhelle bei Herscheid für Motorradfahrer gilt, ist eine Sperrung im Kreis Olpe derzeit kein Thema. „Das ist die Ultima Ratio, wenn man eine Unfallstelle über Jahre hinweg nicht in den Griff bekommt“, sagt Kirchhoff. Das sei im Kreis Olpe aber nicht der Fall. Im Juni 2015 hatte sich der Rat der Gemeinde Finnentrop für eine temporäre Sperrung der L687 zwischen Rönkhausen und „Wilde Wiese“ ausgesprochen.
Zwei tödliche Motorradunfälle 2017

Zwei der insgesamt 49 Motorradunfälle im Jahr 2017 endeten tödlich. Überhöhte Geschwindigkeit war nach Angaben von Hans-Jürgen Schüttler nachweislich in keinem der Fälle die Unfallursache.

Im April kam ein 33-Jähriger aus Kreuztal von der B54 zwischen Altenkleusheim und Rhonard in einer Kurve von der Straße ab, stürzte und erlag noch vor Ort seinen Verletzungen. Warum er die Kontrolle über sein Motorrad verlor, ist laut Schüttler nicht geklärt. Zu schnell sei der Mann aber definitiv nicht unterwegs gewesen.

Im Juli verunglückte ein 63-Jähriger, der die L687 in Richtung Rönkhausen mit seinem Motorrad befahren hatte. Er prallte gegen ein Auto, das auf seine Fahrspur geriet.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

Bildergalerie: Polizei: Maßnahmen gegen Motorrad-Raser wirken sich positiv auf Unfallzahlen aus