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Kreis Olpe, 07. April 2018

Rekord in NRW

Ausbildung bei der Polizei: Bewerberzahlen im Kreis Olpe regelmäßig hoch

Für Sicherheit sorgen und Präsenz zeigen, wie hier auf dem Stadtfest in Lennestadt 2017, gehört zu den zahlreichen Aufgaben von Polizisten.
Für Sicherheit sorgen und Präsenz zeigen, wie hier auf dem Stadtfest in Lennestadt 2017, gehört zu den zahlreichen Aufgaben von Polizisten.
Symbolfoto: Sven Prillwitz
Kreis Olpe. Neuer Rekord für die Polizei in Nordrhein-Westfalen: 11.200 junge Frauen und Männer haben sich im vergangenen Jahr für eine Ausbildung zum Kommissarsanwärter beworben. 57 davon kommen aus dem Kreis Olpe. Georg Melcher, Personalwerber in Diensten der Kreispolizeibehörde, spricht von einer erneut „sehr guten Zahl“ – und über die Anforderungen, die die Ausbildung und der Beruf mit sich bringen.

Seit rund fünf Jahren arbeitet Melcher jetzt als Personalwerber. Seit 2013 also, dem Jahr des doppelten Abitur-Jahrgangs in NRW. Der brachte damals 56 Bewerber aus dem Kreis Olpe hervor, die sich für den Polizeidienst bewarben. Seitdem stieg die Bewerberzahl hierzulande jährlich – passend zum landesweit zunehmenden Trend. Mit dem Unterschied allerdings, dass der Rekordwert im Kreis Olpe bereits 2016 erreicht wurde mit insgesamt 72 Bewerbern.

Dass die Zahl der Kandidaten für den Dienst in der dunkelblauen Uniform seit Jahren hoch ist, freut Melcher, zumal der Kreis Olpe als Teil einer „starken Industrieregion“ zahlreiche Ausbildungs- und Job-Alternativen biete. Besonders erfreulich sei aber auch die stets hohe Qualität der Bewerbungen. Melcher muss es wissen, denn fast alle zentral in Münster eingereichten Unterlagen, die von Kandidaten aus dem Kreis Olpe verschickt wurden,  gehen bei ihm als zuständigem Personalwerber ein. Er nimmt dann auch Kontakt zu den Bewerbern auf, die anhand der Postleitzahl ihres Wohnortes auf die insgesamt 47 Landesverbände in NRW verteilt werden. Dreistufiges Auswahlverfahren Wer es bis hierhin geschafft hat, steht vor dem dreistufigen Auswahlverfahren. Das beinhaltet einen Test am Computer, eine ausgiebige polizeiliche Untersuchung – beides in Münster – sowie die Einschätzung von Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit jedes Kandidaten. Dieses Verfahren wird als „Assessment Center“ bezeichnet. Darüber hinaus sind eine Vor- bzw. Nachauswahl – abhängig von der Menge der Bewerber – möglich. In NRW werden derzeit und bis 2022 insgesamt 2300 Ausbildungsstellen vergeben. Gemessen am Bewerberrekord bedeutet das, dass nur etwa jeder Fünfte zugelassen wird.
47 Polizeidienststellen gibt es in Nordrhein-Westfalen.
Ein statistischer Wert, der aber nicht auf den Kreis Olpe zutrifft. Im Gegenteil: Hier schaffen es laut Melcher regelmäßig deutlich mehr Bewerber tatsächlich zur „Polizeischule“. Von den 57 heimischen Bewerbern aus dem Vorjahr haben bereits 18 das Auswahlverfahren erfolgreich beendet – und damit fast jeder Dritte. Außerdem könnten noch „sechs bis sieben“ weitere hinzukommen, bei denen noch Tests ausstehen. Hohe Durchfallquote Die Ausbildung zum Kommissar dauert drei Jahre und wird als duales Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW absolviert. Diese hat sieben Standorte; Kandidaten aus dem Kreis Olpe landen laut Melcher meist in Hagen. Die Ausbildung umfasst theoretische Inhalte (zum Beispiel Grundlagen der Kriminalistik, Verkehrssicherheit und Strafrecht) sowie praktische Anteile, darunter Praktika in Dienststellen sowie Schieß- und Einsatzhundertschaft-Training. Die Durchfallquote gilt als hoch, allein im ersten Ausbildungsjahr scheitern zwischen zehn und zwölf Prozent der Kandidaten. Aus diesem Grund forderte die Gewerkschaft der Polizei kürzlich, 150 weitere Ausbildungsstellen als „Puffer“ einzuplanen.

Wer die Ausbildung bestanden hat, ist Kommissar und Landesbeamter – und darf sich überraschen lassen, wo die Polizeikarriere weitergeht. Denn: Die neuen Ordnungshüter werden nach Bedarf auf die 47 Polizeibehörden im Land verteilt. Diese sogenannte „Erstverwendung“ dauert vier Jahre. Erst danach dürfen Anträge auf eine Versetzung gestellt werden, sagt Melcher. Und erinnert sich an zehn Polizisten aus Ostwestfalen, die 2014 nach erfolgreicher Ausbildung der Kreispolizeibehörde Olpe zugeordnet wurden. Karriereleiter reicht bis zum Staatssekretariat Als junger Kommissar geht es zunächst mit Streifendienst und Einsätzen bei der Bereitschaftspolizei los und danach wahlweise bei der Kriminal-, Schutz- oder Verkehrspolizei weiter. Wer hoch hinaus will auf der Karriereleiter, kann es bis in den höheren Dienst schaffen – etwa zum Polizeioberrat, zum leitenden Polizeidirektor oder sogar zum Staatssekretär. „Auch Jürgen Mathies (aktueller NRW-Staatssekretär, Anm. d. Red.) hat in Uniform angefangen“, sagt Melcher.

Übrigens weist der Personalwerber darauf hin, dass es sich bei den 11.200 genannten Bewerbern lediglich um diejenigen handelt, die sich online für eine Polizeiausbildung angemeldet und damit den ersten Schritt des Bewerbungsverfahrens gemacht haben. Knapp zehn Prozent – auch das zeige die Erfahrung – reichten letztendlich keine Unterlagen ein.

Ob es bei diesem Durchschnittswert und den erfreulichen Daten für den Kreis Olpe bleibt, wird sich demnächst wieder zeigen: Im Juni beginnt die neue, etwa vier Monate dauernde Bewerbungsphase für die Polizeiausbildung 2019.
Kurz & knapp
  • Der Polizeiberuf scheint im Kreis Olpe eher als typischer Männerberuf angesehen zu werden. Nur etwa zwischen 30 und 40 Prozent der Bewerbungen für eine Kommissarsausbildung kommen von Frauen, schätzt Melcher. Unter den 18 angenommenen Bewerbern für dieses Jahr sind sogar nur drei Frauen. Im Vorjahr waren es 8 von 21.
  • Wer eine Ausbildung zum Polizeidienst beginnen will, muss die Fachhochschulreife nachweisen können. Wer eine anerkannte Lehre abgeschlossen hat und drei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, wird aber ebenfalls als Bewerber anerkannt.
  • Die Voraussetzungen, als Auszubildender angenommen zu werden, sind streng: Bewerber müssen beispielsweise mindestens 163 Zentimeter Körpergröße und einen Body-Maß-Index zwischen 18 und 27,5 haben und darüber hinaus körperlich fit sein. Verschiedene Erkrankungen führen zu einer eingeschränkten Tauglichkeit oder zum sofortigen Ausschluss, darunter Stoffwechselkrankheiten und psychische Krankheiten. Und: Wer vorbestraft oder verschuldet ist, wird ebenfalls abgelehnt.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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