Zwölf Stunden gegen den inneren Schweinhund

Triathlon: Heimische Starter berichten von der Teilnahme am „Challenge Roth“


Die heimischen Ausdauersportler: (von links) Christian Begemann, Andreas Berndt, Peter Dornseifer, Albert Wolfschläger, Daniel Kaufmann , Max Zbocna und Josef Grünhage von TV Attendorn
Die heimischen Ausdauersportler: (von links) Christian Begemann, Andreas Berndt, Peter Dornseifer, Albert Wolfschläger, Daniel Kaufmann , Max Zbocna und Josef Grünhage © TV Attendorn

Sieben Ausdauersportler des Skiclubs Olpe und von TV Attendorn „TRI TIME“ sind jetzt beim „Challenge Roth“-Triathlon an den Start gegangen. Der Bericht des TV Attendorn:


„Es ist das Mekka des – zumindest europäischen – Triathlons schlechthin. Der Begriff elektrisiert: Challenge Roth. Bereits drei Mal in Folge mit dem Triathlon-Award „best race oft the year“ geadelt. „Challenge“ Roth – Nomen est Omen – ist eine Herausforderung der höchsten Kategorie. Die Crème de la Crème der weltbesten Triathleten gibt sich in Roth die Ehre, und jetzt zum ersten Mal am Start die beiden amtierenden Weltmeister von Hawaii: Jan Fordeno und Daniela Ryf (Schweiz). Hochkaräter allesamt auch in den Jahren zuvor wie Chris McCormack, Andreas Raehlert und Lothar Leder, um nur einige zu nennen. Klangvolle Namen aber auch aus dem Kreis Olpe. Mit Christian Begemann, Andreas Berndt, Peter Dornseifer und Alber Wolfschläger nahm ein Quartett des Skiclub Olpe die ultimative Herausforderung an. Der TV Attendorn TRI TIME hatte für die Staffel gemeldet: Daniel Kaufmann 3,8 Kilometer Schwimmen, Josef Grünhage radelt 180 Kilometer und den Marathon absolviert Max Zborna. Doch ob Staffel oder Einzel: Für alle gilt, was Jan Frodeno nach seiner neuen Weltbestzeit zum Besten gab: „Ihr seid der Grund, warum dieses Rennen weltweit so legendär ist. Ein fettes Dankeschön für eure Unterstützung. Das ist echt unglaublich hier.“ Der Dank ging an die rund 6000 Helferinnen und Helfer, vor denen Jan Frodeno – stellvertretend für alle Finisher – verbal tief den Hut zog: „Diese vielen guten Geister machen diesen Wettkampf in dieser Form überhaupt erst möglich.“ (aus Homepage „challenge-roth.com“). Sieben Athleten aus Olpe und Attendorn waren mittendrin, nicht nur dabei. Nur dabei war neben den weiteren mitgereisten Fans auch Klaus Schneider, Abteilungsleiter des TV Attendorn TRI TIME: „Ja, es war klasse. Es hat irgendwie alles gepasst. Irgendwann stehe ich hier auch nochmal am Start. Ein paar Tränen sind bei mir schon gerollt...“
Daniel Kaufmann: Jüngster Teilnehmer aus dem Kreis
Schneider schildert die Leistungen seiner „Jungs“. Daniel Kaufmann, 18 Jahre, so jung war noch nie ein Teilnehmer aus dem Kreis. Er spulte sein Programm in 56:11 Minuten als 34. von mehr als 500 Staffel-Startern ab. 3800 Meter: im Schnitt etwa 1:30 Minuten pro 100 Meter, Hut ab. Josef Grünhage fand auf dem Rad für zwei Runden à 90 Kilometer ideale Verhältnisse vor: nicht zu heiß und fast windstill. Gänsehautfeeling am Solarer Berg, dem Alpe d’Huez in Roth. Nach 5:06:11 Stunden – etwa knapp 36 km/h – schickt er Max Zbocna auf die Marathonstrecke. Gute Einteilung: 1:30 Stunden nach der Hälfte, 3:09:08 Stunden im Ziel, auch das eine tolle Zeit. Der Lohn: mit 9:14:36 Stunden 36 unter rund 500 Staffeln. Sie waren besser als die schnellsten „Firefighter“. In einer separaten Feuerwehrwertung lag ein britisches Team mit 9:57:54 Stunden ganz vorne. Ein ganz starker Auftritt der Hansestädter, begleitet von einer großen Fangemeinde. Ab 6.30 ging’s für alle in die Fluten des Kanals. Vor dem Quartett aus Olpe lagen zwischen zehn und zwölf Stunden Kampf gegen den inneren Schweinehund. Sie hatten viel gemeinsam trainiert. „Zum Glück war es im ‚Sommer‘ 2016 dann doch noch möglich, einige Kilometer in der Lister gemeinsam zu Schwimmen, um die Orientierung im Freigewässer zu trainieren“, so „Bege“ zu den Vorbereitungen, die in einem gemeinsamen Trainingslager vor Ort im Juni ihren Höhepunkt fanden. Roth-Novize Albert Wolfschläger sollte vor allem die Strecke kennenlernen. Beim Dreikampf wurden alle Athleten getragen von der einmaligen Atmosphäre in der Stadt. Sambatrommeln auf dem Marktplatz, Glöckchen klingeln vor der Stadtkirche, Live-Musik, eine gigantische Freiluftdusche – die Rother gaben wirklich alles. Überall fröhliche und begeisterte Menschenmassen, die die Athleten feiern. Generationenübergreifende Partystimmung. (Infos Homepage „challenge-roth.com“).
City-Runde zum Finale
Beim Schwimmen und Radeln lagen die Zeiten von Begemann, Berndt, Dornseifer und Wolfschläger nicht so weit auseinander. Beim Marathon trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Immer wieder aufmunternde Zurufe, wenn sich Olper Läufer auf der Wendepunktstrecke begegnen. Zum Schluss die Cityrunde durch die Rother Altstadt und Zieleinlauf im Triathlonstadion – endlich. Andreas Bernd kann seinen sechs Monate alten Sohn in die Arme schließen, da sind alle Strapazen vergessen. Peter Dornseifer war noch nie so schnell mit dem Rad unterwegs: 5:21:13, entspricht 33,6 km/h. Dafür wurde der Marathon zur Quälerei. Mit schweren Beinen „nur“ 4:45 Stunden. Neuling Albert Wolfschläger (M60) zog sich hervorragend aus der Affäre: Platz 12 in seiner Altersklasse, im Gesamteinlauf immerhin im Mittelfeld. Christian Begemanns erste Gedanken nach Ziel-Durchlauf: : „Endlich etwas andere Nahrung als zuvor Bananen, Gels, isotonische Getränke und Müsli-Riegel.“ Was bleibt sind Erinnerungen. Emotionen pur an der Finishline. 3000 Menschen feierten ausgelassen nach dem Feuerwerk. Es ist der emotionale Abschluss eines emotionalen Tages." (LP)
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