Wie gehe ich mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen um?

Fachtag in Grevenbrück


Das Jugendreferenten-Team Kristina Ashoff (Mitte) und Sven Vorderbrück mit Sabine Haupt-Scherer aus dem Amt für Jugendarbeit der EKvW. von privat
Das Jugendreferenten-Team Kristina Ashoff (Mitte) und Sven Vorderbrück mit Sabine Haupt-Scherer aus dem Amt für Jugendarbeit der EKvW. © privat

Lennestadt/Attendorn. Unter dem Titel „Out of order!?“ hatten die Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt und das Amt für Jugendarbeit der EKvW zu einem Fachtag zur Traumasensiblen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nach Grevenbrück eingeladen.


Das Jugendreferenten-Team Kristina Ashoff und Sven Vorderbrück hatte den Tag unter Corona-Bedingungen organisiert. 17 Teilnehmende aus ganz NRW waren gekommen, eine bunte Mischung aus Jugendreferenten, Gemeindepädagogen, Lehrer, Erzieher sowie Mitarbeiter der OGS, aus der Offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und von den Pfadfindern.
Junge Leute „out of order“
Thema waren Kinder und Jugendliche, die sich unverständlich verhalten, „out of order“ wirken und stören – sogenannte „Systemsprenger“ eben.

Schon vor Jahren hatten sich Sven Vorderbrück und Kristina Ashoff auf den Weg gemacht, hier mehr zu verstehen und handlungsfähig zu werden.
Auch alltägliche Grausamkeiten prägen
Ein Traumapädagogik-Schnuppertag von Sabine Haupt-Scherer aus dem Amt für Jugendarbeit der EKvW wurde für beide zum „Augenöffnertag“: Alles, was uns in unserer Existenz bedroht und ohnmächtig macht, kann traumatisieren. Und das sind eben nicht nur Fluchterfahrungen, Messerstechereien und der 11. September, sondern auch die „alltäglichen“ Grausamkeiten des Lebens: u.a. Trennungen, Todesfälle, häusliche Gewalt, massive Demütigung oder Beschämung.

Im Gehirn entsteht eine Art „schreibgeschützte Datei“, ein Muster, das in aktuellen Situationen wieder ausgelöst werden kann und nicht steuerbar ist - passend für die alte Situation, aber unpassend heute. Das zu wissen, macht manches Verhalten verstehbarer und den Umgang damit leichter.
Ausgebildete Traumapädagogen
Davon wollten Kristina Ashoff und Sven Vorderbrück mehr. So hatten sie sich durch das Amt für Jugendarbeit zu Traumapädagogen ausbilden lassen, jetzt wollten sie ihr Wissen weitergeben.  

Vormittags referierte Sabine Haupt-Scherer zu den neurobiologischen Grundlagen der Traumapädagogik. Denn Traumata verändern etwas im Gehirn und im Gedächtnis, und das hat Folgen für das Denken, Fühlen und Verhalten. Nachmittags stellten Kristina Ashoff und Sven Vorderbrück Möglichkeiten vor, Situationen zu deeskalieren, Kinder und Jugendliche zu unterstützen und im Gruppenalltag damit umzugehen.

Auch Hilfen zur Unterstützung der Mitarbeitenden, für die die Arbeit mit traumatisierten Menschen sehr belastend sein kann, kamen zur Sprache.
Auch Corona war ein Thema
Und natürlich war Corona Thema. Wo schränkt Corona die Möglichkeiten ein, betroffene Kinder und Jugendliche zu unterstützen? Wo lässt Corona traumatische Erfahrungen wieder lebendig werden?  

Am Ende waren sich alle einig, dass es sich gelohnt hat, ins Sauerland gekommen zu sein. Und dass es sich lohnt, sich mit diesem Thema weiter zu beschäftigen.
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