Weihnachten ohne die Familie: Anders und doch so schön

Zu Besuch in der Wohngruppe „Hof Melbecke“


  • Lennestadt, 24.12.2021
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Jason feiert zum ersten Mal Weihnachten in der Wohngruppe Melbecke. Luna hat 2020 Heiligabend hier verbracht. von Christine Schmidt
Jason feiert zum ersten Mal Weihnachten in der Wohngruppe Melbecke. Luna hat 2020 Heiligabend hier verbracht. © Christine Schmidt

Melbecke. Ein Adventskranz mit roten, dicken Kerzen, ein Adventskalender, auf jedem Türchen ein Kinder-Name und große Sofas, auf denen sich neun Kinder tummeln: So ist die Weihnachtszeit in der GFO-Wohngruppe Hof Melbecke. Oder wie der Laie sagen würde, im Kinderheim.


Der negativ behaftete Begriff Heim passt hier gar nicht. Das Wort „Zuhause“ viel mehr. Nämlich das von neun Kindern, zwischen 8 und 13 Jahren. „Es ist ein überholtes Wort“, sagt Stephan Vitt, Sozialpädagoge und stellvertretender Leiter der Wohngruppe. „Die Kinder haben hier vielmehr die tolle Möglichkeit, aufzuwachsen.“

Aus unterschiedlichsten Gründen leben die Kinder hier. Manche haben an den Weihnachtstagen Besuchskontakt, andere bleiben über die Tage auf dem Hof. Die einen sehen Eltern oder auch andere Familienmitglieder an einzelnen Tagen, ganz individuell. Etwas Neid und auch traurige Gesichter blieben dann schon zurück, sagt Vitt.

Ein ganz besonderer Dienst

Aber für diejenigen werde das Weihnachtsfest genauso schön gemacht, erzählt Vitt, der am 24. Dezember Dienst hat. „Ich mache das gerne. Es ist schon etwas Besonderes, gerade die leuchtenden Augen zu sehen. Auch, wenn es mal chaotisch sein kann“, lächelt er.

Der neunjährige Jason feiert hier zum ersten Mal Weihnachten. „Ich freue mich auf die Geschenke und die Weihnachtsfeier“, sagt er schüchtern. „Aber auch auf die Überraschung.“ Er freut sich auf die Gesichter der anderen Kinder, wenn sie ihre Geschenke auspacken, erzählt er. Was an Heilig Abend auf den Tisch kommt, weiß Jason noch nicht. „Hoffentlich Ente. Das mag ich“, strahlt der Junge.

Das, was sich die Kinder wünschen

Etwas Festliches gab es auch schon auf dem Tisch. Dieses Jahr wird der Wunsch der Kinder angenommen. „Es gibt Chicken Nuggets und Pommes“, muss Stephan Vitt ein bisschen schmunzeln. Aber Wünsche gehen ja bekanntlich zu Weihnachten in Erfüllung.

Pünktlich um 16 Uhr gibt es in der Adventszeit hier jeden Tag eine gemütliche Runde. Mit Kinderpunsch, Geschichten und – natürlich etwas Süßem. Im großen Wohnzimmer kommen alle zusammen. Die einen turnen auf dem Sofa herum, andere schmiegen sich an Stephan Vitt, der etwas vorliest.

Kinderpunsch darf am Nachmittag nicht fehlen. von Christine Schmidt
Kinderpunsch darf am Nachmittag nicht fehlen. © Christine Schmidt

Ein Junge verteilt den roten Punsch an alle. Jeder hat seine eigene Tasse mit Namen. Und dann wird das nächste Kläppchen am Adventskalender geöffnet. „Ich freue mich auch auf die Geschenke“, sagt ein Mädchen, „und auf Mama und Papa.“

Weihnachten wieder mit der Familie

Luna hat im vergangenen Jahr Heilig Abend in der Wohngruppe gefeiert. Dieses Jahr freut sie sich, wieder mit der Mutter und Schwester zusammen sein zu können. An letztes Weihnachten in der Wohngruppe erinnert sich die Neunjährige noch.

Alle waren erst gemeinsam spazieren und dann gab es die Bescherung. Direkt auspacken gibt es hier nicht. Um die Spannung aufrecht zu erhalten, wird nacheinander gewürfelt. Und erst, wer eine 6 würfelt, darf sein Geschenk auspacken. Die einen spielen zusammen im Wohnzimmer, andere verkriechen sich mit den Geschenken auf ihr Zimmer, so erzählt Luna.

Das Fest in Gemeinschaft

Verschenkt hat die Neunjährige vergangenes Jahr auch etwas. Den Besitzern ihres Ponys „Fritzchen“ hat sie ein Bild mit „Frohe Weihnachten“ und am 1. Weihnachtsmorgen vorbeigebracht.

Es ist schon etwas Besonderes das Weihnachtsfest auf dem Hof Melbecke. Ob Geschenke auswürfeln, Chicken Nuggets als Weihnachtsmenü oder auch ein bisschen Chaos – die Hauptsache ist doch, die Kinder erleben das Fest in Gemeinschaft an einem ganz gemütlichen Ort.

Info

Der Hof Melbecke wurde im Mai 1999 als erste Außenwohngruppe des Josefshauses Olpe in Lennestadt-Melbecke eröffnet. Hierzu wurde eine ehemalige Scheune zu einem Wohnhaus mit ländlichem Charme umgebaut.

Das Josefshaus Olpe – Heilpädagogisches Heim für Kinder und Jugendliche ist eine Einrichtung der stationären Jugendhilfe und der Sozialhilfe mit einem differenzierten und dezentralen Leistungsangebot in Trägerschaft der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO).

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