Warum John aus Schweden sein Herz an Altenhundem verlor
Das hat uns 2025 bewegt
- Lennestadt, 31.12.2025
- Schützenfest
- Von Nils Dinkel
Altenhundem. Das Jahr geht zu Ende und die LokalPlus-Redaktion blickt zurück auf Menschen und Themen, die die Leserinnen und Leser und auch uns in der Redaktion besonders berührt haben. Bewegende Geschichten und Themen, die zum Freuen, Mitfühlen oder Nachdenken anregten. Heute: Der Kolumbianer John, der leidenschaftlich gerne das Schützenfest in Altenhundem besucht und dafür jedes Jahr aus Schweden anreist.

Der Originalartikel wurde am 13. Juli 2025 veröffentlicht.
Manchmal führt das Leben auf verschlungenen Wegen genau dorthin, wo das Herz zuhause ist – auch wenn dieses Zuhause rund 1.500 Kilometer entfernt liegt. So ergeht es John. Der 34-Jährige, geboren in Kolumbien, aufgewachsen in Schweden, verbringt seit Jahren einen Teil seines Sommers dort, wo viele nur kurz verweilen: in Altenhundem, beim Schützenfest.
„Wenn ich das Fest in einem Satz beschreiben müsste?“, überlegt John, bevor er mit einem breiten Grinsen sagt: „It’s simply the best weekend of the summer.“ Und das ist keineswegs übertrieben
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Johns Geschichte ist bunt. Nach seiner Adoption wuchs er in Schweden auf und knüpfte durch seine Familie Kontakt nach Altenhundem. Schon als Kleinkind war er hier. „Wir haben ein Foto, da bin ich mit meinem Cousin Henrik beim Fest. Flemming war da noch gar nicht geboren. Das muss so 1992 gewesen sein.“

Richtig gepackt hat ihn das Schützenfest dann aber erst 2015, als er während seines Studiums in Deutschland wieder hierherkam. „Ich hatte so viel Spaß, dass ich beschlossen habe: Nächstes Jahr wieder! Und dann kamen Freunde mit, und noch mehr. Seitdem ist es Tradition. Nur in den Corona-Jahren mussten wir aussetzen.“
Im vergangenen Jahr war John sogar Teil des Hofstaats beim Königspaar Alexander „Baddle“ und Anna Stupperich – mit einer Dame an seiner Seite marschierte er stolz durch Altenhundem. „Das war etwas ganz Besonderes. So nah am Fest war ich noch nie.“
Dabei liebt er vor allem das, was man hier „Gemütlichkeit“ nennt. „Das Wort gibt’s in Schweden gar nicht. Ich komme aus einer Großstadt, da ist alles hektisch. Hier dagegen ist es einfach locker und freundlich.“
Und: „Man trifft jeden. Gestern habe ich mit einem Zehnjährigen Fußball gespielt, danach mit einem 80-Jährigen Bier getrunken.“ Wobei „Bier“ relativ ist: „Ich mag lieber Cola-Bier. Das nervt meine Kumpels hier schon manchmal“, lacht John. „Aber Hauptsache, es ist ein Krombacher Pils.“
Seine Begeisterung hat längst auf seine Freunde in Schweden übergegriffen. Einer davon ist Tobias. „Den habe ich sechs Jahre lang versucht zu überreden, mitzukommen. Er meinte immer: ‚Ach, das ist doch nichts.‘ Dann kam er endlich – und war völlig baff, dass das Fest am Sonntag gar nicht vorbei ist.“

Kurzentschlossen musste Tobias montags Urlaub nehmen. „Er konnte nicht glauben, dass der wichtigste Tag erst noch kommt. Heute ist er genauso angefixt wie ich.“
Was das Schützenfest für John so besonders macht? „In Schweden ist es verboten, auf der Straße Alkohol zu trinken. Und bei uns würden Eltern nie mit ihren Kindern zusammen Bier trinken. Hier ist das anders, und ich finde das gut. Die Kinder lernen dadurch, vernünftig mit Alkohol umzugehen.“



Dazu kommen die Menschen. „Manche kommen auf mich zu und sagen: ‚Du bist doch der Schwede, der immer hier ist.‘ Viele Gesichter kenne ich gar nicht, aber sie erkennen mich und sprechen extra Englisch, damit ich mich wohlfühle. Das ist nicht selbstverständlich.“
Darum steht für ihn fest: „Solange ich gesund bin, komme ich jedes Jahr wieder. Es gibt für mich keinen besseren Ort im Sommer.“
Und natürlich gehört auch der ein oder andere Lacher dazu. „Ich dachte jahrelang, dieses Lied heißt ‚Pari (Paris)‘ und hab’s lauthals mitgesungen – bis ein Freund mich korrigiert hat: ‚Das heißt Leev Marie!‘ Seitdem lache ich jedes Jahr wieder darüber.“
John hat in Altenhundem viel erlebt, viele Menschen kennengelernt und den Ort längst in sein Herz geschlossen. Wer weiß, vielleicht sieht man ihn eines Tages ja sogar selbst als Schützenkönig durch den Ort ziehen.
