„Wacken ist nur einmal im Jahr“

Festival-Besucher Tobias Grewe schildert erste Eindrücke


Das Wacken-Festival lockt jährlich etwa 75.000 zahlende Gäste nach Schleswig-Holstein. von s: Tobias Grewe
Das Wacken-Festival lockt jährlich etwa 75.000 zahlende Gäste nach Schleswig-Holstein. © s: Tobias Grewe

Mit den Auftritten der ersten Bands fällt am Donnerstag, 4. August, der Startschuss für das 26. "Wacken Open Air Festival". Damit wird die kleine Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein wieder zur Hochburg für Metal-Fans. Tobias Grewe aus Lennestadt ist seit Dienstag mit einigen Freunden auf dem Campingplatz des Festivalgeländes. LokalPlus hat ihn telefonisch erreicht.


Am Montagabend, 1. August, brach die siebenköpfige Gruppe um 22 Uhr auf. Unterwegs sammelten Grewe und Co., bepackt mit Anhänger, Kühlschränken, Dosenbier, Softdrinks, Wasser, Musik, Grillzeug, Campingkochern, Fahnen, etc., noch einen achten Mitfahrer ein. „Den haben wir vor einigen Jahren hier kennengelernt“, sagte Grewe. „Seither treffen wir uns jedes Jahr hier oder sammeln ihn bei Paderborn ein“. Gegen sechs Uhr am Dienstagmorgen, 2. August, traf Grewe auf dem Gelände ein. Zeltplatz J. „Die Hartgesotteten sind wohl schon am Sonntag angereist, und die guten Plätze sind weg“, erzählte Grewe. Damit trennt die Lennestädter ein etwa 15- bis 20-minütiger Fußmarsch vom Festivalgelände.
Immerhin hätten sie reihum nette Nachbarn. „Hier sind schätzungsweise 1000 Gruppen wie unsere“, sagte Grewe. „Hier ist es schon recht ruhig. Ein Nachbar wirft gerade den Smoker an, einer hat einen Hochsitz dabei, und noch ein anderer kam mit einem Leichenwagen vorgefahren“, schildert Grewe die Zeltplatzsituation.
Im Vergleich zum Vorjahr perfektes Wetter
Das wechselhafte Wetter sehen die Metal-Fans gelassen: „Eine Unwetterwarnung für das Festival wurde, soweit ich weiß, wieder aufgehoben. Alles cool. Letztes Jahr sind wir hier im Matsch ersoffen. Aber aktuell ist das Wetter top. Nicht zu warm und trocken“, sagt Grewe. Ihren Pavillon hättem die Lennestädter in letzter Sekunde vor den Windböen retten können. Die Wege seien trotz immer wiederkehrenden Regens gut zu laufen und sie kämen überall hin. „Heute bleibt es trocken. An meinem Geburtstag hat es noch nie geregnet“, ruft das Geburtstagskind im Hintergrund. Die Stimmung bei den Metal-Fans aus Lennestadt ist super: „Wenn man um 13 Uhr eiskalten Sambuca trinkt, ist alles okay“, sagt Grewe.
Die Gruppe hat sich das Ziel gesetzt, die Band „Iron Maiden“ zu sehen. „Die spielen hier das letzte Konzert ihrer zweijährigen Welttournee mit hunderten Konzerten. Das wird ein Highlight“, sagt Grewe, der sich in diesem Moment eine in Wasser aufgelöste und nach Salz schmeckende Kopfschmerztablette gönnt. „Das soll helfen“, meinen seine Kumpels. Bei den anderen Bands splittet sich die Gruppe, was die Musikgeschmäcker angeht. „Da hat jeder andere Vorstellungen. Wir haben bei uns eine große Altersspanne von 20 bis 43 Jahren“, sagte Grewe.
Da gebe es andere musikalische Interessen. Unbedingt wolle er aber Dee Snider mit seiner Band „Twisted Sister“ sehen. Auch die aus dem sauerländischen Arnsberg stammenden „Orden Ogan“ würde Grewe gerne sehen. „Das schafft keiner von uns“, fürchtet der Lennestädter. Die Band spielt bereits am Freitag, 5. August, ab 11 Uhr.
"Wacken ist eher eine Einstellung"
Ein Teil der Gruppe ist bereits zum zehnten Mal zum „Wacken Open Air“ gefahren. Weil es ein großes Festival mit den besten Bands der Szene sei. Und ein Spektakel, das auch unabhängig von der Musik einen Besuch wert sei. „Wacken ist immer gut. Man kann hier auch anders Spaß haben“, sagt Grewe. Das Festival sei eher eine Einstellung als ein Festival. Und: „Wacken ist halt nur einmal im Jahr!“ An einen Wacken-Vorfall von 2008 kann sich Grewe noch gut erinnern. Damals sei er vom Zeltplatz abgehauen, ohne dass er sich den Zeltplatz gemerkt habe. Am Supermarkt habe er dann stundenlang ausgehaart und dabei "das eine oder andere Bier" getrunken. Bis ihn jemand angesprochen habe, ob er die Zeit nicht sinnvoll nutzen wolle. So half er tagelang im Camp-Supermarkt aus und verdiente noch „ein paar Euro“.
Aus Fehler gelernt
„Bis mir dann nach zweieinhalb Tagen die Idee kam, meine Sim-Karte in ein anderes Handy zu tun. Dann holte mich jemand ab“, sagt Grewe. Daraus habe er gelernt: „Den Buchstaben unseres Zeltplatzes werde ich nicht mehr vergessen. Notfalls habe ich ihn auch mit dem Handy abfotografiert.“ Außerdem sei der Lennestädter auf dem Festival nur noch in Gruppen unterwegs, damit er nicht mehr verloren geht.
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