Von Bogotá nach Halberbracht: Eine „große Schwester“ aus Kolumbien
Willkommen bei den Schlüngermanns
- Lennestadt, 07.03.2023
- Verschiedenes
- Von Christine Schmidt
Halberbracht. Zum ersten Mal im Leben hat sie Schnee gesehen, das erste Mal Karneval gefeiert und auch bunte Ostereier sind ganz neu für sie: Nikola Zahret Osorio Salinas lebt als AuPair-Mädchen bei Familie Schlüngermann in Halberbracht - von Kolumbiens Hauptstadt Bogotá mitten ins Sauerland.

„Hallo, ich heiße Nikola“, sagt die junge Frau mit dunklem geflochtenem Zopf. Seit September lebt die 21-jährige Kolumbianerin führ ein Jahr bei der sechsköpfigen Familie in Halberbracht. Ihr Deutsch werde immer besser, sagt sie. Dazu tragen schon die vier Kinder der Familie bei, die das AuPair-Mädchen auf Trab halten. Und das sind Jasmin (12), Sophie (10), Mattis (3) und Kaja (1).
Gerade die beiden älteren Mädels Jasmin und Sophie sehen in „Niko“, wie sie liebevoll von allen genannt wird, eine große Schwester. Nur die kleine Kaja kann es noch nicht aussprechen und sagt einfach nur “Nana„.

„Es war wirklich ein bisschen wie Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Mama Steffi und lacht. Und trotzdem war es beim ersten realen Aufeinandertreffen in Frankfurt wie ein Blind-Date. „Ich war auf jeden Fall aufgeregt“, erzählt die 35-jährige Mutter.
Im Vorfeld hatte das Ehepaar Schlüngermann viel über Videotelefonie mit der 21-Jährigen in Kolumbien gesprochen. Und trotzdem: Wie es dann wird, wenn erst mal jemand Fremdes im Haus wohnt, weiß man nicht. Ist sie freundlich? Mögen die Kinder sie? Alles Fragen, die einen beschäftigen.
Aber schon 2022 war für die Schlüngermanns klar: „Wir brauchen ein bisschen Hilfe“. Mutter Steffi erzählt, dass sie und ihr Mann sich teilweise nur die Türklinke in die Hand gegeben haben, irgendwer war immer unterwegs. Für vier Kinder brauche man entsprechend viel Zeit und alles will getaktet sein. Also recherchierte die 35-Jährige viele Stunden im Internet, was er für Unterstützung gibt.
Ein AuPair-Mädchen, wieso eigentlich nicht, dachten sich die Schlüngermanns und ließen sich auf ein neues Abenteuer ein. Schnell fanden das Ehepaar und Nikola über eine Plattform für AuPair zusammen. „Mit Nikola hat es sofort gepasst“, erinnert sich Mutter Steffi. „Wir haben direkt Glück gehabt.“
Täglich gab es Kontakt und sogar Nikolas Eltern wollten das Ehepaar aus Halberbracht über Videocall kennenlernen. Voraussetzungen wie ein eigenes Zimmer und mindestens ein Kind müssen Familien erfüllen, die ein AuPair bei sich unterbringen möchten.

Die 21-jährige Kolumbianerin erzählt, dass sie schon zu Schulzeiten unbedingt mal nach Deutschland wollte. „Wenn ich etwas im Kopf habe, dann mache ich das auch“, sagt die junge Frau. Nach ihrem AuPair-Jahr möchte sie Architektur studieren – auch in Deutschland.
Als Voraussetzung für ihr Auslandsjahr musste Nikola Deutsch-Kurse absolvieren. Durch den Alltag bei Familie Schlüngermann hat sie inzwischen schon viel dazu gelernt. Und auch andersherum: „Buenos dias“, „Gracias“ – die Kids werfen spanische Wörter ein, die Nikola ihnen beigebracht hat
Und ob die junge Frau schon perfektes Deutsch spricht, ist den Kids sowieso egal. Hauptsache ihr neues Familienmitglied hat Zeit für alle. Jeder will sie für sich beanspruchen. „Sie kann richtig gut zeichnen“, sagt Jasmin. Und mit Sophie will sie im Frühjahr endlich Inliner fahren.


„Wir haben uns schnell daran gewöhnt, hier noch jemanden im Haus zu haben. Das ist schon toll“, sagt Vater Marius Schlüngermann. Und natürlich ist sie eine große Unterstützung für die Eltern. Kinderbetreuung, Haushalt und manchmal auch Kochen gehören zu Nikolas Aufgaben.
30 Stunden in der Woche muss die 21-Jährige arbeiten, am Wochenende hat sie frei. Nikola sagt selbst, dass sie kein Partymensch sei, sondern ihre freie Zeit lieber ruhig verbringt. Zeichnen, lesen, Deutsch lernen zum Beispiel.

Außer Karneval: den hat sie mit anderen AuPairs zusammen in Köln gefeiert. „Und auch auf den Halberbrachter Frauenkarneval habe ich sie mitgenommen“, sagt Steffi Schlüngermann. Wenn das Ehepaar daran denkt, was Nikola im Juni mit Schützenfest noch erwartet, müssen sie ein wenig lachen.
Nur ein bisschen Wehmut kommt manchmal auf. Denn Nikola kann nur bis Oktober bleiben. „Da wird schon jemand fehlen“, sagt Mama Steffi, „Aber bis das soweit ist, genießen wir die Zeit zusammen.“
