Von Berlin nach Lennestadt: „Die Menschen sind hier sehr offen“
Museumsleiterin Dr. Ricarda Braun im LP-Interview
- Lennestadt, 22.08.2026
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Lennestadt. Zwei neue Mitarbeiter verstärken seit einigen Monaten das Team der Stadtverwaltung Lennestadt: Museumsleiterin Dr. Ricarda Braun und Mobilitätsmanager Philip Laister. Das Besondere: Beide sind von „weit wech“ ins Sauerland gezogen, aus der Stadt aufs Land. Grund genug für LokalPlus, einmal nachzufragen: Wie ist es in Lennestadt?

Seit Anfang April ist die studierte Archäologin Dr. Ricarda Braun neue Leiterin im Museum der Stadt Lennestadt in Grevenbrück. Über einen E-Mail-Verteiler erfuhr sie von der Stelle, 52 Bewerbungen gab es auf die Ausschreibung – den Zuschlag bekam die 38-Jährige, die damals noch in Berlin lebte. Fünf Monate lebt die sympathische junge Frau nun schon in Lennestadt, hat die Menschen kennengelernt, ihre ersten Spuren im Museum hinterlassen – und stellt sich heute bei LP vor.
Warum Lennestadt?
Zum einen hat mich die berufliche Perspektive, zum anderen der ländliche Raum gereizt. Ich finde es gar nicht so verwunderlich, aus der Stadt aufs Land zu ziehen: Jeder Ort hat seine Vorzüge. Und selbst kleinere, unbekanntere Orte sind für die Weltgeschichte wichtig – manchmal habe ich das Gefühl, dass das hier vergessen wird.

Außerdem: Wenn man in München oder Berlin ein Haus in der Natur finden würde, das nur eine Stunde von der Stadt entfernt ist, wäre das ein Riesen-Glücksgriff – und hier hat man gleich mehrere Großstädte in der Nähe, die nur etwas mehr als eine Stunde entfernt sind.
Was sind ihre Aufgabenfelder?
Ich bin in erster Linie für das Museum und den KulturBahnhof zuständig. Ein Museum soll sammeln, bewahren, forschen und vermitteln. Und beim Vermitteln möchte ich vor allem auch die Kinder in den Blick nehmen: So haben wir in den Sommerferien ein Ferienprogramm mit verschiedenen Aktionen und Workshops angeboten. Und alle Termine waren ausgebucht.
Die ersten Monate in Lennestadt sind um – was gefällt, was nicht?
Es ist einfach anders. Natürlich vermisse ich gewisse Punkte in Berlin – aber da habe ich auch die Natur vermisst, außerdem waren die Wege dort unglaublich anstrengend. Die Natur hier ist wunderschön. Was ich mir wünsche, ist, dass hier die Bedeutung von Kultur präsenter wird: Sie bewirkt sozial so viel und stiftet viel Gemeinschaft.
„Das Museum läuft nur durch das Ehrenamt.”
Städter trifft auf Sauerländer – wie klappt’s mit den Menschen hier?
Ich gehe in meiner Freizeit Klettern, darüber lernt man schnell Leute kennen. Ich finde, das geht hier schneller als in der Großstadt: Dort sind viele Menschen einfach so übersättigt vom Angebot. Hier ist es fokussierter auf einige Veranstaltungen und Orte, und die Menschen sind sehr offen.
Welche Ideen haben Sie mit nach Lennestadt gebracht?
Ein Museum darf nie stillstehen, man sollte immer auch Veränderungsmöglichkeiten sehen. Das Museum der Stadt Lennestadt hat sehr großes Potential, auf dem man aufbauen kann. Ich arbeite an einer konzeptionellen Neuausrichtung und möchte vor allem den Publikumsverkehr in den Blick nehmen. Dieses Jahr habe ich den Fokus auf das Kinderprogramm gesetzt, nächstes Jahr würde ich das Augenmerk gerne zusätzlich auf den Tourismus legen.
Ich möchte das Museum erlebbarer machen und immer wieder neue Programme anbieten, damit die Besucher auch immer wieder etwas Neues erleben können.
Ein Museum ist ein Ort des Austauschs und der Reflexion. Die Vergangenheit weist immer auf die Gegenwart und Zukunft. Aus der Vergangenheit können wir lernen und die eigene Identität besser verstehen – dadurch sind wir für die Zukunft besser aufgestellt.

Ehrenamtler gesucht
„Wichtig ist mir, Schritt für Schritt zu gehen, und zwar gemeinsam mit dem Ehrenamt: Das Museum läuft nur durch das Ehrenamt, wie seit Jahrzehnten durch die Verantwortlichen des Heimatvereins Grevenbrück, die Ehrenamtlichen der Webstube und des Schulzimmers. Ehrenamtliche unterstützen uns, sei es als Aufsicht, im Kinderprogramm, bei Führungen oder bei der Inventarisierung von Objekten. In allen Bereichen suchen wir dringend noch Verstärkung. “, sagt Dr. Ricarda Braun.
Wer Lust hat, sich in einem der vielen Bereiche des Lennestädter Museums zu engagieren, kann sich bei Dr. Ricarda Braun informieren: Tel. 02723 / 608 401 oder E-Mail r.braun@lennestadt.de.
Lest morgen: Lennestadts erster Mobilitätsmanager Philip Laister.
